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Fährmann spielte sich in den letzten Monaten noch tiefer ins Herz der Fans. Ungewollt eröffnete er damit die T-Frage für die WM. Sein Entdecker kennt die Vorzüge.

Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Es ist eine dieser schönen Geschichten, die der Fußball zu schreiben vermag. Wie Phönix stieg Ralf Fährmann nach langer Leidenszeit aus der Asche empor und schreibt nun beim FC Schalke 04 eine eigene, eine neue Erfolgsgeschichte.

Den 15. Oktober 2011 hat der Torwart noch bitter in Erinnerung. Königsblau verlor im Samstagabendspiel nicht nur die Begegnung gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 1:2, sondern auch den Nachfolger von Manuel Neuer, der sich im Sommer einige Monate zuvor gen Süden verabschiedete, und sich Branchenprimus Bayern München anschloss. Fährmann, gerade von Eintracht Frankfurt zurückgekehrt, hatte fortan eine zwei Jahre andauernde Leidenszeit vor sich.

Nach einem schweren Kreuzbandriss verlor er den Nummer-eins-Status wechselnd an Timo Hildebrand und Lars Unnerstall. In dieser Saison hat sich der 25-Jährige zurückgekämpft und befindet sich in der Form seines Lebens. "Ralf war schon immer ehrgeizig, man konnte früh erkennen, dass da jemand heranreift", meint auch Lothar Matuschak im Gespräch mit Goal. Der Mann muss es wissen, er hat ihn schließlich entdeckt und ins S04-Jugendinternat geholt.

"Ralli" und die speziellen Momente

Matuschak spricht von "Ralli" in höchsten Tönen: "Ralf wurde oft zurückgeworfen. Er kämpfte sich heran und hatte sich verletzt. Dann kämpfte er sich erneut ran, wieder verletzt. Ich wünsche mir für den Jungen, dass ihm das nicht mehr passiert und er weiter so gute Spiele zeigen kann." Im Moment befindet sich Fährmann in bester Verfassung. Der Schlussmann saugt die speziellen Momente der letzten Monate auf, wie beim 2:1-Triumph der Schalker in Leverkusen, als er kurz vor Schluss einen gefährlichen Schuss von Simon Rolfes mit einer Glanztat parieren konnte. Fährmann sank nach Schlusspfiff auf die Knie und streckte die Arme nach oben – ein Bild mit viel Aussagekraft. Es war ihm anzumerken, wie viel ihm solche Augenblicke bedeuten.

Lob erntet der Schnapper dafür reichlich, auch von höchster Stelle. "Es freut mich unheimlich für ihn. Das hat er sich verdient. Und uns hilft Ralf mit solchen Leistungen natürlich auch sehr weiter", freute sich Manager Horst Heldt auf der vereinseigenen Webseite nach dem Derby bei Borussia Dortmund (0:0), in dem Fährmann erneut eine Weltklasse-Leistung darbot.

Die Schalker Verantwortlichen, um Jens Keller als Trainer und eben Heldt, würden die Nummer 1 des Revierklubs aufgrund der guten Performance Woche für Woche gerne bei der Weltmeisterschaft in Brasilien sehen. Fährmann gab sich dazu bisher sehr bescheiden. Seinem sportlichen Ziehvater Matuschak würde dies gefallen: "Mich würde es freuen, wenn Ralf mit zur WM könnte." Jedoch glaubt der 65-Jährige noch nicht so recht daran. "Die Zeit, in der Ralf wieder im Tor steht, ist vielleicht zu kurz dafür. Wir haben in Deutschland ja zum Glück genug gute Torleute."

Unterschiede zu Neuer

Nachdem Matuschak bereits den nunmehrigen Welttorhüter Neuer ausbildete, werden automatisch Vergleiche gezogen. 2011 ging Neuer und Fährmann musste in seine Fußstapfen treten. Zweieinhalb Jahre später scheint der 196 Zentimeter große Torwart-Adonis reif genug, ein würdiger Nachfolger zu sein. Er ist jedoch ein anderer Spielertyp, als es Neuer ist, meint Matuschak: "Ralf und Manuel spielen etwas unterschiedlich. Manuel kommt mehr über das Fußballerische, er denkt immer einen Schritt voraus. Da ist natürlich auch die Gefahr dabei, dass man unnötig eine Baustelle aufmacht und einem Fehler unterlaufen." Dieses Risiko begleitet einen ständig, ergänzt Matuschak. "Manuel hat immer seine Grenzen gesucht. Aber man sieht ja nun, wie toll er sich entwickelt hat."

Fährmann sei da anders, er ist "zurückhaltender und spielt nicht so offensiv wie Manuel, er wollte stets Fehler minimieren". Sein ehemaliger Schützling will Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Die Frage, welches Torwartspiel nun moderner sei, stellt sich für Matuschak nicht, denn "grundsätzlich gilt ja für einen Torwart: Hinten ins Netz darf kein Ball rein. Funktioniert das, ist alles modern." Der Vertrag von Fährmann ist bis zum Sommer 2015 datiert. Mit solch guten Leistungen kommt Schalke nicht drum herum, sein Arbeitspapier zu verlängern – was der Verein auch möchte.

Dass daran auch der Schlussmann interessiert ist, dürfte klar sein. Schalke 04 ist schließlich der Verein seines Herzens ...

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