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Die zwei Gesichter der TSG 1899 Hoffenheim

Hoffenheim befindet sich im Mittelfeld der Bundesliga. Für eine bessere Platzierung fehlt neben Offensivfußball die Stabilität in der Defensivarbeit. Nun warten die Meister-Bayern.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Markus Gisdol hat die TSG 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison nicht nur vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahrt, sondern auch dafür gesorgt, dass der Name des Vereins wieder mit einem bestimmten Spielstil in Verbindung gebracht wird. Der berauschende Offensivfußball mit Roberto Firmino und Kevin Volland ist eigentlich dafür prädestiniert, um am Ende der Saison einen Europapokalplatz zu erreichen. Doch eine eklatante Defensivschwäche könnte dies verhindern.

Die Hoffenheimer erzielten in der bisherigen Saison 60 Treffer und damit die zweitmeisten im Oberhaus. Am Samstag gastiert man beim FC Bayern München (15.30 im LIVE-TICKER bei Goal), dem neuen und alten Meister, der Torfabrik (79) der Liga. Ein Spiel, welches Spektakel garantiert. Und ein Debakel für die Gäste?

An vorderster Front verfügt die TSG zunächst über individuelle Klasse. Kommt Gisdols Mannschaft ins letzte Drittel, kann sie sich in engen Räumen durch die gegnerische Abwehr kombinieren. Volland rückt dabei häufig ein und überlässt dem Außenverteidiger den Flügel. Der hochtalentierte U21-Nationalspieler versucht aus dem Halbraum durch die Schnittstelle zu passen. Offensivpartner Firmino besticht durch Dribblings in engen Räumen, Anthony Modeste und Sven Schipplock sorgen für die notwendige Durchschlagskraft.

Anfällig für Konter

Mit Spielmacher Firmino wurde erst vor wenigen Tagen der Vertrag verlängert. Er ist für die kreativen Momente zuständig. Luft nach oben hat man indes beim Gegenpressing. Hier könnte die Staffelung besser sein und auch die Einbindung der Doppelsechs ist noch nicht optimal, wenngleich Verbesserungen im Vergleich zur Anfangsphase der Saison zu erkennen sind.

„Wir wollen weiterhin unseren erfrischenden Offensivfußball zeigen“, erklärte Alexander Rosen vor der Partie gegen Hannover 96. Trotzdem wolle man auch an den vorhandenen Abwehrschwächen arbeiten. Hoffenheim ist gerade anfällig, wenn sie den Ball verlieren oder der Gegner schnell mit einem präzisen Zuspiel verlagert. Die Formation der TSG wird dabei häufig auseinandergerissen, die Mannschaft verliert an Stabilität. In dieser Saison hat man bereits 20 Treffer bei gegnerischem Umschalten innerhalb von maximal zwölf Sekunden kassiert und ist damit neben dem Hamburger SV das anfälligste Team für Konter.

TSG 1899 HOFFENHEIM - SAISONDATEN
Ballbesitz pro Spiel (in%)
Passquote pro Spiel (in %)
Schüsse pro Spiel
Erfolgreiche Schüsse (in %)
Gegentreffer
Gegentreffer im Strafraum

*Daten von Opta
47,5
75,3
11,2
19,8
59
54


 

Zudem gewähren die Kraichgauer zuweilen viel Platz im Zwischenlinienraum und lassen die Offensivreihe des Kontrahenten dort eindringen, wo sie die letzte Linie gut ausmanövrieren können. Ein Problem scheint die wechselnde Besetzung der Viererkette, wodurch längerfristige Konstanz und eine bessere Abstimmung im Verschieben bisher nicht möglich waren.

Gisdol versucht Schwächen zu beheben

Was Hoffenheim auf der einen Seite mit Kreativität und Kombinationsstärke aufbaut, macht man auf der anderen Seite durch eklatante Defizite zunichte. Gisdol bleibt aber keineswegs untätig, sondern versucht gerade in letzter Zeit durch entsprechende Anpassungen auf den jeweiligen Gegenüber zu reagieren. So ließ er sein Team gegen Bayer 04 Leverkusen oder auch Hannover mit einer engeren Mittelfeldlinie agieren, während die Außenverteidiger breiter standen und entsprechend Druck auf die gegnerischen Flügelspieler ausüben konnten.

Interessanterweise ließ der Trainer zuletzt Andreas Beck und Fabian Johnson als inverse Außenverteidiger, also auf der falschen Seite dem stärkeren Fuß entsprechend, auftreten. Damit können sie aus der breiteren Position im Umschaltspiel nach innen ziehen. Insgesamt wirkt es, als würde man aktuell versuchen, über Mittelfeldpressing den Gegner verstärkt vom eigenen Tor fernzuhalten.

Dies ließ in den vergangenen beiden Partien einen leichten Aufwärtstrend erkennen, funktionierte in Ansätzen ganz gut. Zuvor hatte Hoffenheim je vier Tore gegen den FSV Mainz 05 und FC Schalke 04 kassiert. Es muss Gisdol allerdings noch stärker gelingen, Kompaktheit durch engere Linienabstände und ein kohärentes Verschieben zu erzeugen. Besonders gegen den FC Bayern. Aktuell trennt dieser Stabilitätsfaktor die Kraichgauer von den Spitzenteams der Liga. 

EURE MEINUNG: Kann Hoffenheim in Zukunft um die Europapokalplätze mitspielen?

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