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Bayerns Meistersause im Berliner Olympiastadion

Der FCB verbucht in der Hauptstadt den frühesten Meistertitel der Bundesliga. Während die Spieler feierten, dachte Guardiola an Hoeneß und Heynckes.

Berlin. Pep Guardiola stand auch zehn Minuten nach dem frühesten Meistertitel in der Bundesliga-Geschichte, dem 24. des FC Bayern München, noch in der Coaching Zone. Die Spieler des FCB feierten längst mit Pappschale, roten Meister-Shirts und Blitzlichtgewitter beim Gästeblock. Ihr Trainer stand, die Hände wie immer in den Hosentaschen, seelenruhig in dem ihm zugewiesenen Bereich und verfolgte das Treiben seiner Mannschaft.

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So ruhig hatte man Bayerns Erfolgs-Trainer während der 90 Minuten zuvor eher selten gesehen - obwohl der Spielverlauf nur wenig Zweifel am vorzeitigen Titel-Gewinn der Bayern aufkommen ließ. Aber zumindest die Hertha-Fans hatten den Gästen aus der bayrischen Landeshauptstadt ein Schnippchen schlagen wollen, als sie noch vor dem Auflaufen der Teams mit dem Singen begannen -  als wollten sie damit den geschäftsmäßigen Ablauf stören, was von der Bayern-Kurve prompt mit Pfiffen quittiert wurde.

Erster Rekord nach sechs Minuten

Nach Anpfiff gab es von Berliner Spielern, bei denen mit Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger die Innenverteidigung aus dem Hinspiel fehlte, nur mehr sporadische Gegenwehr. Die personell gebeutelte Alte Dame aus Berlin lag angeschlagen am Boden – aber der Rekordmeister stolperte nicht über sie, er strauchelte nicht einmal, verlor nicht für einen Moment das Gleichgewicht.

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Bereits nach fünf Minuten hatte Müller die linke Abwehrseite als Schwachstelle ausgemacht: Nach einem Tanz an der Grundlinie mit van den Bergh und anschließender Flanke besorgte Toni Kroos mit einem satten Schuss den ersten Rekord des Abends: Mit 65 Spielen mit je mindestens einem Tor hat Bayern Barcas Topserie, zum Teil errungen unter Guardiola, abgelöst.

Dante: "Habe nur zwei Minuten"

Der Ball lief nun in den Reihen des Rekordmeisters, der Gästeblock sang "Münchens wahre Liebe" in Berlin, es war eine Trainigseinheit der besonderen Art, ab und an nur unterbrochen durch das 2:0 von Mario Götze, einem Lattenkopfball von Müller und dem lässigen Elfmeter-Chip von Adrian Ramos, der den Berliner kurzzeitig nochmal Kräfte für ein letztes bemühtes Aufbäumen verlieh. Allerdings nur bis zu Riberys Lupfer zum 3:1, der die Feierlichkeiten endgültig einleitete. Neben der frühesten Deutschen Meisterschaft stellten die Bajuwaren mit ihrem zehnten Auswärtssieg in Serie noch eine weitere Bestmarke ein.

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Nach Abpfiff bildeten sich kleine Bayern-Grüppchen auf dem Rasen, die schnell in einer großen Traube zueinander fanden und dann in die Kurve zogen, wo es Pappschale, Megaphon und Humba gab. Anders als bei ihrem Trainer war die Feierlaune bei den Wiederholungs-Meistern kaum zu übersehen: "Ich habe nur zwei Minuten, dann geht die Musik los", grinste Innenverteidiger Dante auf seinem Weg durch die Mixed Zone als einer der wenigen, die noch Luft und Geduld für die Journalisten hatten.

"Dieser Meistertitel ist für Uli"

Beim letzten in München errungenen Titel hatte der Brasilianer noch gefehlt. "Jetzt freue ich mich den Titel hier in Berlin geholt zu haben. Hoffentlich holen wir auch noch den zweiten hier", blickte Dante bereits auf das Pokal-Finale, dem nur noch Zweitligist Kaiserslautern im Wege steht. Doch auch den obligatorischen Warner vergaß der 30-Jährige nicht: "Wir dürfen noch nicht zufrieden sein, immer Vollgas geben und weiter Titel holen."

Neben Dante hatte auch Jerome Boateng noch Zeit für die Fragen der Journalisten. "Der Druck in der Bundesliga ist weg, trotzdem müssen wir konzentriert bleiben“, sagte der gebürtige Berliner, und befragt, ob er als Hauptstädter schon wisse, wo man feiern könne: "Mal sehen, was der Trainer sagt." Um die Kabinen-Sause nicht gänzlich zu verpassen, stürmte Arjen Robben nach zahlreichen TV-Interviews ebenso wie Xherdan Shaqiri an der schreibenden Zunft vorbei seinen Kollegen hinterher.

Glückwünsche von Frau Guardiola

Während die Münchner Feierbiester in ihrer Kabine auf die Berliner Nacht vorbereiteten, tat Guardiola, der unmittelbar nach Abpfiff telefonisch die Glückwünsche seiner Frau entgegengenommen hatte, was er meistens tut: Über andere und deren Leistung reden und dabei irgendwie so klingen, als wäre das alles gar nicht sein Verdienst. "Dieser Meistertitel ist für Uli, die wichtigste Person im Verein", erinnerte der Katalane auf der Pressekonferenz an den Vereinspräsidenten.

Er selbst habe "nur kleine Sachen geändert", so Guardiola weiter, und viel von seinem Vorgänger Jupp Heynckes beibehalten. Ein Teil des Titels sei darum auch Verdient von Heynckes. Und weiter: "Man kann nicht so viele Titel gewinnen ohne die entsprechenden Spieler, ihre Qualität." Die waren zu diesem Zeitpunkt schon längst bei der verdienten Feier.

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