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Debatte: Wieder bestraft - gehen Jürgen Klopps Emotionen zu weit?

Die Emotionalität eines Trainers ist selten so ausgeprägt, wie bei Jürgen Klopp oder auch Christian Streich. Manche Fußballfans finden es gut, manche nervt es nur noch.

Dortmund/Gelsenkirchen. Man kennt ihn als Meistertrainer, als gekonnt rhetorischen Fußball-Fachmann. Borussia Dortmunds Jürgen Klopp gehört zweifelsfrei zu den Vätern des Erfolges beim Revierklub. Allerdings erlebt man den 46-Jährigen auch anders, nämlich dann, wenn die Pferde mit ihm durchgehen. Satte sieben Mal wurde der Doublesieger von 2012 bereits vom DFB-Sportgericht bestraft.

Seine ständigen Auseinandersetzungen mit den Schiedsrichtern gehen manchen fußballbegeisterten Menschen zu weit, andere wiederum sind der Ansicht, dass Klopp nur seine Emotionen rauslässt - und diese zum Fußball dazugehören. Hier ein Pro und Contra von Goal.

WAS WÄRE FUßBALL OHNE EMOTIONEN?

Von Stefan Döring

Wirklich, diskutiert Deutschland schon wieder über das explosive Verhalten von Jürgen Klopp? Mal ist es super, weil er seine Mannschaft und die Fans mitreist. Mal ist es das Schlimmste, was dem deutschen Fußball passieren kann. Er ist wahrlich ein Trainer, der an der Seitenlinie das Spiel lebt und liebt – wollen wir ihm das wirklich zum Vorwurf machen?

Natürlich, ab und an überschritt er in der Vergangenheit eine rote Linie, wenn er auf die Tribüne geschickt wurde. Auch sein Umgang mit Journalisten ist nicht immer der fairste. Doch am Ende freut sich halb Fußballdeutschland über seine launigen Interviews oder Pressekonferenzen. So schlimm kann also alles gar nicht sein, zumal er sich in der Regel auch bei den Kollegen entschuldigt. Außerdem ist seine Außenwirkung phänomenal. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen Borussia Dortmund mit Klopp in Verbindung bringen, kann es für den Verein und dessen Partner keine bessere Werbefigur geben.

Nun gilt der Erfolgstrainer von Borussia Dortmund wahrlich nicht als introvertiert, aber genau dieses Verhalten ist es, welches der Fan des BVB sehen will. Dortmund ist eine Arbeiterstadt, da passen nun mal keine glatt gestriegelten Trainer hin. Sein Spieler Kevin Großkreutz weiß ganz genau, worauf es ankommt und brach vor einigen Tagen in der Bild eine Lanze für seinen Chef: "Jürgen Klopp ist ein emotionaler Trainer. Seine Art passt zu Dortmund. Ich halte nichts davon, einen Menschen ändern zu wollen. Jeder ist, wie er ist. Und Jürgen Klopp ist so genau richtig." Auch im Derby gegen Schalke 04 wird Klopp erneut im Fokus stehen. Und er wird wahrscheinlich noch mehr Gas geben als sonst, um seiner Mannschaft die nötigen Prozentpunkte herauszukitzeln.

Mit seiner Art schafft es der "TV-Bundestrainer" so immer wieder, den Fokus von der Mannschaft abzulenken, die dadurch enorm in den Spielvorbereitungen profitiert. Er macht den Unterschied in der langweiligen und emotionsarmen Fußballwelt, wenn er bei einem Tor für seine Mannschaft durch die Luft springt oder wutentbrannt durch die Mixed-Zone läuft, wenn der BVB ein Spiel verliert. Das sind Emotionen, die raus müssen, die ihn von dem Alltagsbrei der anderen Trainer abhebt. Und seien wir mal ehrlich: Was wäre Fußball ohne Emotionen?

AUCH EMOTIONEN HABEN GRENZEN

Von Hassan Talib Haji

Der Fußball ist mit Emotionen verbunden, wie kaum eine andere Ballsportart. Er lebt von Gefühlen und Empfindungen, das will man Jürgen Klopp ja nicht wegnehmen, wenn man seine Art, mit gewissen Dingen umzugehen, nicht gut findet. Natürlich sollen sich Trainer wie er oder Christian Streich auch aufregen dürfen! Wo kommen wir denn hin, wenn es nicht so wäre? Nur geht es auch darum, die Grenzen einzuhalten. Dass der DFB "Kloppo" schon sieben Mal sanktionieren musste, war ein Zeichen dafür, dass er diese Grenzen mehrfach überschritten hat und das Sportgericht den lieben Gott ganz sicher keinen guten Mann sein lässt.

Die Schiedsrichter haben im Fußball den undankbarsten Job. Lob bekommen sie selten, dagegen ergießen sich Tadel, Häme und Spott stets über sie, sollte eine Fehlentscheidung getroffen worden sein. Fußball ist nun mal ein Fehlersport. Selbstverständlich ist es sein gutes Recht, bei anderer Meinung zu Entscheidungen seine Kritik anzubringen oder sich zu ärgern – doch bitte alles in einem gesunden Rahmen.

Beim Trainer des BVB wirkt es nicht mehr als bloßes Meckern, sondern es artet aus, in purer Aggression den Unparteiischen gegenüber, was sich an den Grimassen nur allzu gut ablesen lässt. Der Respekt sollte bei aller Emotionalität niemals flöten gehen, aber das geht er leider in diesen Augenblicken der Unbeherrschtheit. Er raunzte sein Lieblingsopfer - den vierten Offiziellen - bereits mit seiner Kappe und dem bekannten Gesicht an oder zeigte eine derart aggressive Mimik, wie im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel letztes Jahr, als er so auf selbigen losstürmte, dass einem nur noch Verwunderung übrig blieb.

Wie er selbst schon sagte, benimmt er sich an der Seitenlinie fast das ganze Spiel anständig. Irgendwann kommt dann der Moment, wo die Sicherungen durchbrennen und er die Beherrschung verliert. Klopp ist natürlich viel mehr als nur der aggressive Wüterich. Er ist sehr intelligent und ein Charmebolzen durch und durch. Für seine lockeren Sprüche erntet er viel Sympathie und das auch zurecht. Zudem ist er einer der derzeit besten und erfolgreichsten Trainer dieses Landes. Das tolle Image sollte er sich nicht kaputtmachen. Gerade jetzt, wo er ohnehin als Wiederholungstäter beim DFB aktenkundig ist, muss er sich langsam an seine Besserungsbekundungen halten – er ist schließlich ein Vorbild für viele Menschen in Deutschland.

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