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Manchester United: Soll Moyes durch Ryan Giggs ersetzt werden?

Die Red Devils befinden sich in der größten Krise seit Jahrzehnten. Moyes kämpft um seinen Job - als möglicher Nachfolger wird United-Legende Ryan Giggs ins Spiel gebracht.

SPECIAL REPORT
Von Greg Stobart

Wenn es um die Zukunft von David Moyes geht, wird vielleicht nirgends so wild spekuliert wie auf dem Trainingsgelände von Manchester United.
In Carrington wird vermehrt getuschelt, dass Moyes wohl möglich nicht mal seine erste Saison bei United überstehen wird.

Kommt da Ryan Giggs ins Spiel? Quellen aus dem engeren Umfeld des Walisers haben zwar Spekulationen entschieden zurückgewiesen, denen zufolge der 40-Jährige sich mit dem Coach überworfen habe. Dennoch sind die Stimmen nicht zu überhören, die davon ausgehen, dass die United-Legende noch vor Ablauf der Spielzeit auf dem Trainerstuhl sitzen wird.

Giggs wird nicht gefragt

Ob Giggs tatsächlich Moyes' Erbe antreten wird oder nicht, ist offen. Fakt ist, dass er unter dem jetzigen Trainer kaum mehr eine Rolle spielt. Giggs stand häufig nicht im Kader, sein Rat als Co-Trainer ist bei Moyes auch kaum gefragt.

Nach der blamablen 0:3-Niederlage am Sonntag beim FC Liverpool steht der Schotte unter großem Druck, am Mittwoch steht in der Champions League das Achtelfinal-Rückspiel gegen Olympiakos Piräus an. In diese Partie geht man mit einem 0:2-Rückstand.

In der Pressekonferenz vor dem Spiel zeigte Moyes sich trotzig, betonte, sein Job sei sicher. Er versprach den Fans, dass der erfolgreichste Klub Englands "wieder auferstehen" werde, trotz der jüngsten Misserfolge. Eine Kampfansage, die aber auch nicht verschleiern kann, dass es im Verein auf allen Ebenen größte Disharmonien gibt.

So war am Dienstag von den Beobachtern in Carrington zu vernehmen, dass sich im Team Grüppchen bilden, altgediente Spieler scheinen sich von den jüngeren Akteuren der ersten Mannschaft zu distanzieren - neben und auf dem Trainingsplatz.

Spieler zweifeln Moyes an

Einige der erfahrenen Profis sollen sogar offen die Trainingsmethoden von Moyes angezweifelt haben und nicht ohne Freude rausposaunen, dass dessen Abschied keine Frage des "Ob", sondern vielmehr eine Frage des "Wann" sei.

Dieser Ansicht sind auch einige Angestellte aus dem Trainerstab, die sich entmachtet und von Moyes ignoriert fühlen. Unter Sir Alex Ferguson war das anders, der zurückgetretene Coach hatte stets ein Ohr für seine Assistenz-Trainer.

Moyes bekam im letzten Sommer einen Sechsjahresvertrag angeboten, nachdem er von Ferguson als dessen Nachfolger auserkoren wurde. Aber selbst der "Sir" muss nun fürchten, dass sein Erbe unter dem früheren Everton-Coach den Bach runter geht.

Ferguson bemüht sich zwar, dem Team fernzubleiben und Moyes nicht reinzureden, vor allem in den letzten Wochen, nun aber scheint nicht mehr ausgeschlossen, dass er in den kommenden Wochen und Monaten wieder mehr eingespannt wird. Am Samstagabend wurde Ferguson in einem Hotel mit United-Geschäftsführer David Gill sowie Paul Scholes gesehen.

Moyes kämpferisch

Als Siebtplatzierter der Premier League und 18 Punkte hinter Spitzenreiter FC Chelsea ist für den Titelverteidiger United sogar die Qualifikation für die Europa League in Gefahr.

Trotz dieser trüben Aussicht beteuerte Moyes am Dienstag, er habe die Unterstützung der Klubbesitzer, der Glazer-Familie. Deren größte Versicherung sei es, "mich mit meinem Job weitermachen zu lassen", so Moyes. Man habe große Pläne, "für die nächsten Jahre, deshalb haben sie mir einen Sechsjahresvertrag gegeben. Dieser Verein arbeitet nicht für kurzfristigen Erfolg, sondern mit einer langfristigen Perspektive."

Aber auch Moyes selbst wird wissen, dass er unter allergrößtem Druck steht und eine Stufe erreicht hat, auf der er Ergebnisse abliefern muss. Ein Ausscheiden in der Champions League gefolgt von einer schmerzhaften Niederlage im Manchester-Derby nächste Woche könnte sein Todesurteil sein und ihn die letzten Sympathien kosten.

Giggs als vorübergehende Lösung?

Die Glazers dürften angesichts der großen Anzahl katastrophaler Auftritte in dieser Saison jedenfalls äußerst besorgt sein. Man hat nicht nur neun Spiele verloren, sondern auch keinerlei Entwicklung erkennen lassen.

Was Moyes aber erst recht zum Verhängnis werden könnte, ist die Tatsache, dass die Spieler - inklusive derer, die unzählbare Titel mit dem Klub gewonnen haben - bereits dabei sind, den Glauben an seine Trainingsmethoden, seine Taktik und seine Führungsqualität zu verlieren.

Giggs ist Teil des Trainerstabs, hat ein gutes Verhältnis zu Ferguson und ist im Kader nach wie vor sehr beliebt. Auch wenn das United-Urgestein für ein langfristiges Engagement wohl nicht zu Verfügung stehen würde, könnte er zumindest bis Saisonende das Ruder übernehmen - falls sich die Situation nicht schnell verbessert.

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