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Manchester United: Es fehlt der "Playmaker"

Die erste Saison nach Ferguson kann für Manchester United im Debakel enden. David Moyes wirkt uninspiriert und überfordert. Eine Position im Mittelfeld bereitet Kopfschmerzen.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Die 0:3-Heimniederlage gegen den FC Liverpool am vergangenen Wochenende markierte für Manchester United einen neuen Tiefpunkt in dieser Saison. In der Liga befindet man sich nur auf Platz sieben, im Champions-League-Achtelfinale stehen die Red Devils vor dem Aus. David Moyes wusste, dass er in die schier übergroßen Fußstapfen von Sir Alex Ferguson treten wird, aber der frühere Everton-Trainer wirkt zuweilen ratlos und selten kreativ.

Der Offensivfußball, den United in den vergangenen Monaten zeigt, erscheint sehr mechanisch und in manchen Facetten noch wie ein Relikt längst vergangener Tage. Bei der Niederlage gegen Liverpool wurde 20-mal von den Außenbahnen ins Zentrum geflankt, während in der Mitte die Präsenz komplett fehlte. Robin van Persie ist da meist auf sich alleine gestellt. Andererseits ist das Vorgehen von Moyes' Mannschaft zu ausrechenbar.

Kreativmangel im Mittelfeld

Obwohl er gegen Pool auf Ashley Young und Antonio Valencia, die Prototypen der linearen Außenbahnsprinter sind, verzichtete, war weiterhin dieser Flügelfokus zu erkennen. Kombinationsspiel im Zentrum? Fehlanzeige. Kreativität im Aufbauspiel? Fehlanzeige. Kluge Positionsrochaden? Fehlanzeige. Mit van Persie, Wayne Rooney, Juan Mata, Adnan Januzaj sowie Shinji Kagawa oder Danny Welbeck verfügt der noch amtierende englische Meister weiterhin über eine personell hervorragend besetzte Offensive. Allerdings mangelt es in den Bereichen dahinter an strategischen Fähigkeiten und einem passenden Konzept.

Der Spielaufbau erfolgt häufig über längere Bälle. Allerdings ist United im Zentrum nicht kompakt gestaffelt, gewinnt so selten zweite Bälle und ist in puncto Gegenpressing nur unzureichend aktiv. Auf der Doppelsechs spielten über längere Strecken der Saison Michael Carrick und Tom Cleverley. Carrick ist ein typischer horizontalorientierter Defensivsechser, vor allem für Balleroberungen zuständig, um dann das Spielgerät weiter zu reichen. Cleverley ist stets bemüht, aber keineswegs der Stratege, den Moyes aktuell auf dem Spielfeld braucht.

Im vergangenen Sommer konnte man Marouane Fellaini vom FC Everton holen. Der großgewachsene Belgier sollte die Planstelle der höher spielenden Sechs besetzen und entsprechend jene Verbindungen zwischen den Linien herstellen, die aktuell immer fehlen und das ganze Konstrukt so mechanisch wirken lassen. Fellaini war zuletzt zwei Monate außer Gefecht und bleibt insgesamt den Nachweis noch schuldig, dass er die Zukunft Uniteds im zentralen Mittelfeld sein kann. Nicht ohne Grund wird immer wieder der Name Toni Kroos genannt, wenn es um potenzielle Neuzugänge geht.

Variantenreichere Ausrichtungen gefragt

Doch eine große Shopping-Tour, immerhin durfte Moyes bereits über 75 Millionen Euro investieren, wird nicht alle Probleme lösen. Der Trainer hält oft starr am 4-4-1-1/4-2-3-1 fest und setzt gerade in der Offensive die Spieler nicht ihren Stärken entsprechend ein. Juan Mata und Shinji Kagawa müssen auf dem Flügel spielen, obwohl sie eigentlich eher zwei verschiedene Spielertypen für die Zehnerposition sind. Dafür funktioniert das Zusammenspiel zwischen van Persie und Rooney aktuell nicht. Rooney war gegen Liverpool komplett isoliert und in seiner höheren Positionierung selten eingebunden. Hinzu kommt zuweilen Moyes' fehlendes Ingame-Coaching, was eine Stärke von Alex Ferguson war.

Insgesamt muss der Trainer flexibler und für die Zukunft experimentierfreudiger werden. Allerdings wirkt es so, dass der Schotte aufgrund des Drucks, gewinnen zu müssen, sich selten dazu entschließt, eine progressivere Ausrichtung vorzunehmen. Trotzdem sollte Moyes Änderungen in Betracht ziehen und zum Beispiel Rooney als Achter in einem Dreiermittefeld ausprobieren, um die Dominanz im Zentrum zu erhöhen und United nicht nur vom Umschalt- und Flankenspiel abhängig zu machen.

In der nächsten Transferperiode wird es dann für die Red Devils neben Kaderaufbesserungen im Defensivbereich um die Verpflichtung eines tiefer agierenden Spielmachers gehen. Hier herrscht ein absolutes Vakuum und das Grundübel für den schlecht strukturierten Spielaufbau und die fehlende Variabilität in der Gestaltung.

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