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Real Madrid: Di Maria hat Khediras Rolle übernommen - sogar besser?

Real Madrid erstrahlt 2014 wieder: Grund dafür ist ein neuer Mittelfeld-Gürtel aus Alonso, Modric und Di Maria. Besonders der Argentinier ist in die Rolle Khediras reingewachsen.

Madrid. Die Schritte, mit welchen Real Madrid sich auf einen Titel zubewegt, wurden in den vergangenen Wochen immer größer. Drei Monate vor dem Saisonfinale stehen die Königlichen im Finale der Copa del Rey, führen La Liga an und stehen mit beiden Füßen so gut wie im Viertelfinale der Champions League. Es sind aber nicht nur diese Tatsachen, es ist auch das geschlossene Auftreten, das den Rivalen zunehmend Respekt einflößt.

Der Schlüssel für den Aufschwung liegt in dem von Carlo Ancelotti seit Saisonbeginn beschworenen Gleichgewicht. Nun hat er es gefunden! Wie genau sieht das aus und was fordert der Trainer aus Reggiolo von seinen Mannen seit dem ersten Tag? Mittlerweile haben die Königlichen es verinnerlicht.

Der Italiener hat seinen Superstars zunehmend Kompaktheit, Geschlossenheit sowie defensive Stabilität verliehen, ohne die offensive Schlagkraft zu beeinflussen. 2014 hat Real in 15 Spielen erst vier Gegentore kassiert und in der Rückrunde von allen Mannschaften aus La Liga die wenigsten Chancen zugelassen. Taktisch hat sich die Umstellung auf ein 4-3-3 ausgezahlt, vor allem seit der Riegel aus Luca Modric, Xabi Alonso und Angel Di Maria zum Bollwerk geworden ist.

Ancelottis Gleichgewicht

Mit diesen drei Mittelfeldakteuren hat Real nicht nur drei laufstarke Spieler vor der Abwehr, die in der Balleroberung und im Stören des gegnerischen Spiels ihre Stärken haben. Die drei haben vor allem das spielerische Potential, um mit ihren Zuspielen Angriffe einzuleiten, Ballbesitz zu sichern oder die gegnerischen Linien auseinander zu reißen. Mit ihrem taktischen Gespür für den Moment nähern sie sich dem Ideal: Sie entblößen weder die Abwehr, noch lassen sie den Angriff hängen. Einer von ihnen kann stets die Kollegen verstärken, ganz egal ob beim Spielaufbau oder bei einem Konter.

Es ist die Quadratur des Kreises, die Formel, die das Team wachsen und funktionieren lässt. Der Erfinder ist niemand anderes als Ancelotti, der nach Khediras Ausfall das Duo Alonso-Modric installierte, dann Flügelspieler Di Maria daneben pflanzte und ihm in eben jenem wichtigen Moment das Vertrauen aussprach, als die Kritik wuchs und der Argentinier heftig mit einem Wechsel liebäugelte. Di Maria ist seitdem in die Rolle neben Alonso hineingewachsen, die Khedira vor seiner schweren Verletzung innehatte. Stellt sich die Frage: Wäre Real auch mit Khedira so erfolgreich?

Schon viele Spieler lernten um

Das weiß natürlich niemand, nicht einmal Ancelotti selbst. Doch vor seinem Ausfall überzeugten Khediras defensive Qualitäten durchaus und wurden von seinem Trainer als Gleichgewichts-Garant gelobt. Ohne seinen Kreuzbandriss hätte er den Ex-VfBler wohl eher nicht aus der Startelf genommen. Das ist nicht nur für Khedira selbst bitter, der auch bei Joachim Löw und unter Jose Mourinho schon als unverzichtbar galt. In der Not zeigte sich Ancelotti erfindungsreich - und fand die ideale Formel ohne den Sechser.

Das Leben ist eben voller unberechenbarer Zufälle - und der Fußball auch. Ein gewisser Umstand, die Dringlichkeit des Augenblicks oder eine bewusste Entscheidung können über Wohl und Wehe einer Spielerkarriere oder einer ganzen Mannschaft entscheiden. Hätte Arjen Robben der bayrische Held des Champions-League-Finals werden können, wenn sich Toni Kroos nicht früher in der Saison verletzt hätte? Ancelotti selbst erzählt gerne die Anekdote von Gianfranco Zola, der mit dem System bei Parma seinerzeit unzufrieden war und wechselte. Den Trainer bewegte das zum Umdenken, so dass er später bei Juventus weniger prinzipientreu Platz für eine gewissen Zinedine Zidane schuf.

Fernando Hierro, Gareth Bale, Andrea Pirlo, Guti, Sergio Ramos: Zahlreiche Spieler haben die Position gewechselt, oft um sich für ihre Nationalmannschaften interessant zu machen. Gut möglich, dass Modric - bei Tottenham noch weit offensiver unterwegs - und Di Maria gerade einen ähnlichen Weg einschlagen. Nicht nur beim 6:1 auf Schalke überzeugte Di Maria als Kilometerfresser mit technischem Können. "Es ist weit einfacher, einem talentierten Spieler zu zeigen, wie man verteidigt, sich positioniert, als einem eher defensiven Charakter das Dribbeln beizubringen", meint Goals Madrid-Korrespondent Alberto Pineiro dazu. Di Marias Umschulung wird Khediras Rückkehr nicht unbedingt leichter machen.

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