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Javi Martinez: Stratege ohne Heimat

Pep Guardiola kann sich aktuell glücklich schätzen. Verschiedenste Spielertypen stehen ihm zur Verfügung und mit Javi Martinez hat er einen wertvollen Allrounder im Kader.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Unter Trainer Jupp Heynckes war er ein entscheidender Stabilisator und kluger Stratege. Bei Pep Guardiola sucht er noch nach seiner Rolle. Javi Martinez kämpfte in der bisherigen Saison nicht nur mit hartnäckigen Verletzungen, sondern pendelte zuletzt bei Bayern Münchenauch zwischen Innenverteidigung und zentralem Mittelfeld. Es stellt sich die Frage, was Guardiola im hochgewachsenen Landsmann sieht.

Die Profi-Karriere des in der Provinz Navarra geborenen Martinez verlief von Beginn an steil nach oben. Bereits mit 18 Jahren wechselte er für sechs Millionen Euro von CA Osasuna zu Athletic Bilbao. Zuvor hatte er kein einziges Spiel in der Primera Division bestritten, zählte aber vom Debüt 2006 an als fester Bestandteil zur baskischen Defensive. Sechs Jahre später erreichte Martinez mit dem Athletic Club das Finale der Europa League.

Eckpfeiler des Triple-Gewinners

Im Anschluss wechselte er nach langem Hin und Her für die Bundesliga-Rekordsumme von 40 Millionen Euro zum FC Bayern München und avancierte, ebenfalls nach kurzer Anlaufphase, sofort zum wichtigen Rädchen im Getriebe des späteren Champions-Legaue-Siegers. In Bilbao wurde er zuvor von Marcelo Bielsa zum Innenverteidiger umfunktioniert und bestimmte von dieser defensiven Position aus das Tempo und den Rhythmus der Basken.

Bei den Bayern nahm er die Rolle als zweiter Sechser neben Bastian Schweinsteiger ein, kehrte damit quasi ins Mittelfeld zurück. Nicht nur seine Zweikampfstärke und körperliche Präsenz stabilisierte die Münchener enorm. Der pressingresistente Martinez konnte sich immer wieder gut in die Offensive einschalten, mit strategisch klugen Pässen Verlagerungen erwirken. Im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund wies er mit 92% die höchste Passquote aller Akteure auf und war gerade in der zweiten Halbzeit auf dem Höhepunkt seines Schaffens.


Schwieriger Saisonverlauf

Doch nach der Sommerpause und drei Einsätzen für die Nationalmannschaft beim Confed Cup begann für Martinez eine längere Leidenszeit. Nach zwei Kurzauftritten zu Beginn der Saison musste er sich einer Leistenoperation unterziehen. Währenddessen übernahmen Bastian Schweinsteiger und später Philipp Lahm die Position des nominellen Solosechsers im 4-1-4-1. Auffällig waren dabei die Unterschiede zu Martinez‘ Spiel im zentralen Mittelfeld, wo er im letzten November auftrat. Während sich mit Lahm eine fluidere Dreifach-Acht entwickelte, wobei innerhalb des Zentrums viel rochiert und die Passzirkulation auch dadurch am Laufen gehalten wurde, verhielt sich Martinez eher wie ein stabiler Defensivanker vor der Abwehr, der keine extremen horizontalen Bewegungen vollzog.

Eine Sprunggelenksverletzung führte erneut zu einer Zwangspause im Saisonverlauf. Im Februar kehrte der Spanier zurück und pendelt seitdem wieder zwischen Innenverteidigung und Sechserposition. Im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Arsenal wirkte Martinez in der ersten Hälfte derweil etwas indisponiert. Er wurde im Spielaufbau nicht konsequent einbezogen, hatte wenig Anteil an der Passzirkulation. Dafür sollte er dem Konzept zufolge aus dem defensiven Mittelfeld aufrücken, war aber damit wiederrum nicht mehr anspielbar. Auch in der Defensive zeigte er Schwächen gegen Jack Wilshere und die anderen zentralen Akteure der Londoner. In der Halbzeitpause beorderte ihn Guardiola zurück in die Innenverteidigung, wo er beispielsweise im Rückspiel gegen Arsenal auftrat und auch von Nationaltrainer Vincente del Bosque zuletzt im Freundschaftsspiel gegen Italien getestet wurde.

JAVI MARTINEZ
SAISONDATEN IN DER BUNDESLIGA
Startelfeinsätze
Gespielte Minuten (insgesamt)
Ballkontakte (insgesamt)
Passquote
Erfolgreiche Tacklings
Gewonnene Kopfballduelle
Balleroberungen (insgesamt)

*Daten von Opta
7
702
734
90,71%
68,18%
76,47%
22



Wertvoller Rollenspieler

Für die Zukunft gibt es nun mehrere Optionen: Er wird erstens vornehmlich im Abwehrzentrum eingesetzt und könnte dort zusammen mit Jerome Boateng das Spiel der Bayern antreiben. Beide sind sehr athletisch und dafür geeignet, als letzte Reihe hoch aufzurücken und Konteraktionen des Gegners durch Antizipation bereits frühzeitig zu unterbinden. Zudem sind seine Fähigkeiten im Passspiel und seine strategische Intelligenz im Spielaufbau Gold wert.

Zweitens könnte Martinez wieder die erste Option im defensiven Mittelfeld werden, was die Möglichkeit bietet, dass Philipp Lahm längerfristig die Rolle des Rechtsverteidigers und unter Guardiola vor allem des hineinkippenden Außenverteidigers bekleidet. Allerdings wirkte es in manchen Phasen so, dass Martinez aktuell etwas auf seine physischen Kompetenzen beschränkt wird und deshalb eigentlich nicht ins ultrakreative Zentrum der Bayern passe, was natürlich nicht der Realität entspricht.

Aber zu Guardiola passt vielmehr, dass er vollkommen flexibel bleibt und auch Martinez genauso flexibel einsetzen wird. In der Hinrunde gegen Borussia Dortmund brachte er ihn sogar als Schattenspieler von Mario Mandzukic und damit als zweite Kopfballoption für lange Linien überbrückende Bälle. Also wird er neben der Innenverteidigung weiterhin auch angepasste Rollen im Mittelfeld einnehmen, gerade wenn man bei einem offensivstarken Gegner das kreative Zentrum eindämmen möchte, aber zugleich nicht nur den Zerstörer Martinez sondern auch den Strategen Martinez braucht. In jedem Fall ist der Allrounder und bayerische Rekordtransfer weiterhin ein wichtiges Puzzle im Kader.

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