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FC Barcelona: Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils

Der Transfer Neymars schlägt noch lange nach seiner Realisierung hohe Wellen. Allerdings nicht wie gewünscht: Ist Barca eine Schuld zuzusprechen?

KOMMENTAR
Von Pilar Suarez

Als der FC Barcelona im Juni 2013 seinen neuesten Superstar Neymar der staunenden Menge im Camp Nou präsentierte, hoffte der amtierende spanische Titelträger, dass der Brasilianer die Schlagzeilen im Land auch neun Monate später noch dominieren würde. Und das tut er - jedoch nicht so, wie es sich der Verein gewünscht hatte.

Neymars Wechsel vom FC Santos nach Katalonien hat sich mittlerweile als einer der meistdiskutiertesten Transfers aller Zeiten entpuppt. Vorsichtige Skepsis über Details des Deals gab es von Beginn an, dennoch blieb das Ausmaß lange unterhalb des Radars - bis Barca-Mitglied Jordi Cases eine Klage gegen den Mangel an Transparenz in dem Transfer stellte: Er legte dar, dass die Ablösesumme höher war, als es der FC Barcelona öffentlich kund tat.

Die Folgen waren weitreichend. Ein spanischer Richter entschied sich, Cases' Anschuldigungen zu prüfen. Daraufhin veranlasste er Barca-Präsident Sandro Rosell zum Rücktritt, Rosell jedoch blieb bei seinem Standpunkt: weder er noch der Klub hätten unangebracht gehandelt.

Rosells Nachfolger Josep Maria Bartomeu handelte schnell und wollte die Wogen mit einer Pressekonferenz glätten: Er sprach über einige spezielle Aspekte des Deals und gestand ein, dass eine Zahlung von 40 Millionen Euro an das Unternehmen (N&N) von Neymars Vater Teil der Ablösesumme in Höhe von 57,1 Millionen Euro war.

Empörung allenthalben - Barca bleibt gelassen

Erneut wurde ein Aufschrei der Empörung ausgelöst. Barca blieb dennoch im Glauben, korrekt gehandelt zu haben. Man habe eine "ergänzende" Steuerzahlung von 13 Millionen Euro getätigt.

"Wir bleiben ruhig. Wir sind einer der wenigen Klubs, der seine Steuern rechtzeitig bezahlt", betonte Bartomeu gegenüber RTVE. "Ich glaube in dieser Hinsicht ist unser Verein beispielhaft."

Barca sah sich im spanischen Rechtssystem dadurch vollständig rehabilitiert. "Lasst uns hoffen, dass vor den Gerichten alles wie erwartet aufgedeckt wird, um unsere Geschichte zu sichern", fügte Bartomeu an.

"Die Verträge, die wir mit Santos und Neymar ausgehandelt haben, sind komplett legal. Die Verhandlungen, die finanziellen Transaktionen, die Verträge...alles wurde gemäß den Gesetzen durchgeführt.

"Würden Neymar wieder verpflichten"

"Wir würden exakt genau so handeln, wenn wir Neymar noch einmal verpflichten könnten. Das Ziel war es, einen einzigartigen Spieler wie Neymar zu kaufen, damit er gemeinsam mit dem besten der Welt auf dem Platz stehen kann: Lionel Messi."

Der Standpunkt des Vereins scheint klar: Richtet nicht jetzt über uns - richtet über uns, wenn der Fall durch die Gerichte gegangen ist. Das mag ein fairer und logischer Ansatz sein, doch die bösen Zungen werden nicht verstummen.


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Wie Goal erfuhr, hält Barca die anhaltenden Spekulationen zum Thema für eine Verleumdungskampagne, die von der Presse in Madrid angezettelt wurde. Die Katalanen sind es allmählich leid, damit konfrontiert zu werden.

Dabei haben sie mit Miguel Cardenal, dem spanischen Staatssekretär für Sport, ein Ass im Ärmel. Cardenal skizzierte in dieser Woche seine Position.

Plädoyer für Barca

In einem Interview mit El Pais setzte Cardenal zu einer leidenschaftlichen Verteidigungsrede für Barcelona an: "Der FC Barcelona ist nicht nur eine Schlüsselfigur im spanischen Kapitalmarkt, sondern auch eine Referenz für die gesamten Sportvereine im Land, weil Barca eine erfolgreiche Zukunft in der Förderung von Talenten aus der Heimat definiert."

"Es wäre wenig ehrenvoll und verantwortungsbewusst von mir, wenn ich still bliebe, während eine Säule unseres Sports, die uns so viel gegeben hat, belästigt und beschuldigt wird. Barca ist ein Teil des Vermächtnisses des spanischen Sports."

Er fügte an: "Hoffentlich ist diese medial inszenierte gerichtliche Schlammschlacht bald beendet. So beschmutzen wir das Image einer der prestigeträchtigsten Institutionen unseres Landes."

"Ich fordere jeden auf: Gemäß unserer Verantwortung, tragt zum Ende dieser Farce bei. Das schulden wir dem spanischen Sport, der diesem Verein so viel zu verdanken hat."

Im Zweifel für den Angeklagten - vorerst

Zwangsläufig - und irgendwie deprimierend - vermuten die Medien aus Madrid Befangenheit hinter Cardenals Plädoyer. Es bleibt der Fakt, dass es sich um eine laufende Untersuchung handelt, eine die auf allen relevanten Kanälen geprüft werden muss.

Nur dann werden wir heraus finden, ob Barca schuldig ist und gesetzeswidrig gehandelt hat. Bis dahin sollte den Katalanen die Vermutung der Unschuld zugestanden werden.
 
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