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HSV im Abstiegskampf: Ein Ergebnis der Transferpolitik

Chefcoach Mirko Slomka muss am Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt auf viele Stammkräfte verzichten. Hinter Lasogga steht nur Zoua als nomineller Ersatz zur Verfügung.

EDITORIAL
Von Daniel Jovanov

Hamburg. Es gibt derzeit wenig Grund zur Hoffnung an der Elbe. Der Hamburger SV droht nach über 50 Jahren Bundesligazugehörigkeit erstmalig der schwere Gang in die zweite Liga. Die Situation ist hausgemacht und eine Folge langjähriger Misswirtschaft. Abgerechnet wird nach der Saison, wenn die Reforminitiative HSVPLUS dem Verein eine neue Struktur verpassen will. Bis dahin warten noch einige Herausforderungen auf das Team von Mirko Slomka.

Der neue Chefcoach muss im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt voraussichtlich auf zehn Bundesligaprofis verzichten. Zu den Ausfällen zählen Stammspieler wie Marcell Jansen, Pierre-Michel Lasogga oder Kapitän Rafael van der Vaart. Die Verletzung Lasoggas, der aufgrund einer Muskelverhärtung auf sein Debüt im DFB-Dress gegen Chile verzichten musste, dürfte dabei am Schwersten wiegen. Der Stürmer ist mit elf Toren der treffsicherste Spieler im Kader des HSV und auch sonst ein wichtiger Bestandteil des Spielsystems der Hamburger.

Zoua soll Lasogga ersetzen

Nominell soll ihn Jacques Zoua ersetzen, den Thorsten Fink im Sommer 2013 vom FC Basel verpflichtete. Mit Fink wurde der wohl einzige Fürsprecher des Kameruners bereits im September des vergangenen Jahres entlassen. Bislang wusste Zoua in der Bundesliga nicht zu überzeugen. Der 22-jährige Offensivspieler braucht seine Zeit, um sich an das Niveau und die Besonderheiten der Liga zu gewöhnen. Zeit, die der HSV nicht hat.

Für die Zusammenstellung des Kaders ist Sportchef Oliver Kreuzer verantwortlich, der sich der finanziellen Not in Hamburg unterordnen musste. Nach dem Verkauf von Heung-Min Son an Bayer Leverkusen für 7,5 Millionen Euro blieb Jacques Zoua lange Zeit die einzige Offensivverstärkung beim HSV. Erst als der Saisonstart missglückte und Artjoms Rudnevs eine schlechte Figur abgab, verpflichtete Kreuzer am letzten Tag der Transferperiode mit Lasogga einen zusätzlichen Stürmer.

Verfehlte Transferpolitik

Während in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld ein Überangebot an Spielern besteht, fehlen nach dem Abgang von Dennis Aogo und Artjoms Rudnevs Außenverteidiger und Stürmer als Alternativen. Unabhängig vom derzeitigen Verletzungspech zeichnete sich vor der Saison ab, das auf einigen Positionen notgedrungen Improvisationstalent gefragt ist. So wird sich Slomka gegen Frankfurt insbesondere auf der linken Abwehrseite etwas einfallen lassen müssen. Auch auf der rechten Seite gibt es hinter Dennis Diekmeier keine ernsthafte Alternative.

Dabei ist Oliver Kreuzer bei der Kaderplanung nur bedingt ein Vorwurf zu machen. Nach drei negativen Jahresabschlüssen in Folge scheint das oberste Ziel des HSV eine schwarze Null im laufenden Geschäftsjahr gewesen zu sein. Die finanzielle Lage ist so bedrohlich, dass Aogo, der zunächst für ein Jahr an Schalke 04 ausgeliehen wurde, bereits im Februar fix an die Königsblauen verkauft wurde - allerdings nicht für die vereinbarte Summe von 3,5 Millionen Euro. Weil die Hamburger für die Vergabe der Bundesligalizenz eine ausreichende Liquidität nachweisen müssen, überweist Schalke sofort und erhält einen Preisnachlass von knapp 600.000 Euro.

Beim HSV nicht mehr gut genug, auf Schalke in der Königsklasse: Dennis Aogo

Kritik an Wintertransfers

Statt die Mannschaft verstärken zu können, musste Kreuzer mit Aogo, Rudnevs und Son den Abgang dreier Stammspieler der vergangenen Saison verkraften. Die nahezu kostenlosen Winterleihgaben Ola John (Benfica Lissabon) und Ouasim Bouy (Juventus Turin) blieben hinter den Erwartungen zurück. Kreuzer sparte medial nicht mit Kritik: „Bei John haben wir viel mehr erwartet, da kam bisher zu wenig. Bouy hat nichts gekostet und auf ihn wurde nicht gesetzt“, erklärte der Sportchef in der Bild.

Wenn Kreuzer nach der Strukturreform noch im Amt bleibt, wartet viel Arbeit auf den 48-Jährigen. Lasogga wird nicht zu finanzieren sein, wodurch der HSV mindestens einen neuen Stürmer verpflichten müsste. Unklar ist derzeit, ob Hannover 96 von seiner Kaufoption bei Artjoms Rudnevs Gebrauch machen wird. Zudem sind bei vielen Stammspielern, unter anderem Heiko Westermann und Marcell Jansen, Gespräche zur Vertragsverlängerung angedacht. Nicht nur strukturell steht beim HSV im Sommer also zum wiederholten Male vieles auf Neuanfang.

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