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Der Glanz ist verflogen: Rafael van der Vaart steht im Zentrum der Kritik

Der Kapitän des Hamburger SV hat einen schweren Stand bei den Fans. Die Hoffnung, er könne den gebeutelten Klub wieder nach Europa führen, ist der Ernüchterung gewichen.

EDITORIAL
Von Daniel Jovanov

Hamburg. "Mit van der Vaart zurück an die Spitze", prophezeite Milliardär Klaus-Michael Kühne im Sommer 2012. Heute, fast zwei Jahre später, ist klar: Er hat sich getäuscht. In der Hoffnung, der 31-jährige Niederländer könne den Hamburger SV vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit retten, entschieden Kühne und Marketingvorstand Joachim Hilke über den Kopf des damaligen Sportvorstandes Frank Arnesen hinweg. Der Däne war entmachtet, die Sparpolitik über den Haufen geworfen, das sportliche und finanzielle Risiko groß.

Doch der Plan schien zunächst aufzugehen. Mit Van der Vaart und seiner Ex-Frau Sylvie holte sich der HSV den Glanz zurück, den er in den vergangenen Jahren verloren hatte. Besonders die Boulevardpresse freute sich über nahezu tägliche Schlagzeilen über das Leben des glamourösen Paares. Nicht nur außerhalb des Platzes könnte das zu einem Problem werden, glaubten einige skeptische Stimmen zu der Zeit. Ihre Zweifel wurden jedoch von einer Welle der Euphorie überschwemmt.

Sportlich, so war sich Frank Arnesen sicher, wäre die Verpflichtung van der Vaarts keine dauerhafte Lösung. Stattdessen schlug er den heute 22-jährigen Christian Eriksen vor. Der dänische Nationalspieler ist Stammkraft bei Tottenham Hotspur, ein Talent mit Entwicklungspotenzial. Van der Vaart ist das Gegenteil: Seine beste Zeit hat er bereits hinter sich. Trotz seiner 13 Scorerpunkte in der Bundesliga passt er sich zu häufig dem bislang schwachen Niveau der Mannschaft an. Der Glanz ist schnell verflogen.

Pfiffe gegen van der Vaart

Eine mögliche Erklärung dafür ist sein Privatleben. Anfang 2013 trennen sich Rafael und Sylvie nach einem Streit. Das Liebes-Aus wird von der Boulevardpresse begleitet, viele Details des Ehelebens gelangen an die Öffentlichkeit. Die Illusion der Hamburger begann zu bröckeln. Nur kurze Zeit später gab er bekannt, mit Sabia Boulahrouz, Sylvies bester Freundin, liiert zu sein. Die Empörung ist groß und sein Image beschädigt. Van der Vaart hält sich aus der Öffentlichkeit raus, während die Frauen den Krieg über die Medien führen.

Die Fans reagieren: Es gibt Anfeindungen im Internet, Pfiffe im Stadion. Nicht nur, dass er das Dilemma des HSV nicht unter Kontrolle bringen kann – auch außerhalb des Platzes ist es turbulent beim Kapitän. Der Höhepunkt eines negativen Lebensabschnitts im Dress der Hamburger ist nach dem 0:3 gegen Hertha BSC erreicht, als einige Chaoten nach dem Spiel ihren Frust an ihm entladen. Eier und Bierbecher fliegen, ein Handgemenge wird vom Ordnungsdienst verhindert.

Kritik von Matthäus: "Eine Zumutung"

Es passt zur öffentlichen Debatte um van der Vaart, dass ausgerechnet ohne ihn der 3:0-Heimsieg gegen den BVB glückt. Endlich, meint Sky-Experte Lothar Matthäus, habe der HSV wieder mit elf Spielern gespielt. Der Kapitän sei eine "Zumutung für die Mannschaft", sagt er. Dabei sind seine Leistungen auch dem einfallslosen Spiel geschuldet. Ohne Pierre-Michel Lasogga fehlte den Hamburgern in den ersten Rückrundenspielen eine Anspielstation in der Sturmspitze. Van der Vaart füllte diese Rolle nicht aus. Nahezu jedes hohe Anspiel landete anschließend beim Gegner.

Unter dem neuen Cheftrainer Mirko Slomka soll der 31-Jährige keine Sonderstellung genießen. Das wird ihm gut tun, denn eigentlich will van der Vaart nur Fußball spielen. Der Rummel um sein Privatleben wurde ihm zu viel, das glamouröse Image zur Last. Dennoch ist er ein gutes Beispiel, um das Problem des HSV zu verstehen.

Der Ruf nach alten Leistungsträgern und die Erinnerung an erfolgreiche Zeiten hemmt die Entwicklung des Vereins. Spätestens im Sommer soll damit nach der Strukturreform Schluss sein. Doch die Hoffnungen sind längst der Ernüchterung gewichen.

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