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Traumehe vor dem Aus: Wird sich der AC Mailand tatsächlich von Mario Balotelli trennen?

Um Italiens Starstürmer ranken sich wieder heftige Spekulationen und die Chancen, dass er seinen einstigen Lieblingsklub bald verlässt, sind groß.

SPECIAL REPORT
Von Kris Voakes

Als Mario Balotelli im Januar 2013 in Milanello eintraf, da sah es nach einer Traumhochzeit aus.

Der italienische Stürmer war in seiner Jugend bereits Fan des AC Mailand gewesen, seine Zeit bei Manchester City war abgelaufen. Die Rossoneri wollten damals unbedingt ein Stück des alten Glanzes verpflichten und sie sahen in Balotelli die perfekte Ergänzung zu Stephan El Shaarawy und M'baye Niang. Um das junge Offensivtrio sollte eine Mannschaft mit Zukunft aufgebaut werden.

'MILAN WILL RAIOLAS LEUTE LOSWERDEN'

BALOTELLI/MILAN: EINBLICK AUS ITALIEN

"Arsenal hat wegen Balotelli bereits Kontakt zu Milan aufgenommen. Die Rossoneri wollen alle Spieler loswerden, die mit Mino Raiola zu tun haben. Barbara Berlusconi will diese Maßnahme durchsetzen und Balotelli steht auf der Liste ganz oben.

Die Entscheidung über Marios Zukunft hängt nicht von der Qualifikation zur Champions League oder Europa League ab. Vielmehr geht es darum, noch so viel Geld wie möglich herauszuschlagen.

Vieles hängt auch von seinen Leistungen bei der Weltmeisterschaft im Sommer in Brasilien ab. Doch eines ist sicher: Silvio Berlusconi mochte ihn nie und wollte ihn auch nicht."

Gaia Brunelli | Goals Milan-Korrespondentin

Bei seinem Debüt verzückte Balotelli die Tifosi auf Anhieb. Er glänzte im Zusammenspiel mit Niang und noch in Halbzeit eins hatte er auf Vorarbeit von El Shaarawy seinen ersten Treffer im rot-schwarzen Dress markiert. Nach dem Seitenwechsel erzielte er gar vom Elfmeterpunkt das Siegtor. Die Zukunft schien in guten Händen.

Etwas mehr als ein Jahr später droht das große Balotelli-Projekt zu scheitern. Zwar netzte der 23-Jährige am Freitag gegen Bologna in famoser Manier ein, doch die Wochen zuvor waren gepflastert mit wenig überzeugenden Vorstellungen. Balotelli fiel vor allem mit geringem Laufpensum und wenig Ballkontakten auf, das Spiel schien an ihm vorbeizulaufen.

Die Tatsache, dass Milan aktuell auf dem neunten Platz der Serie A liegt, sagt schon viel darüber aus, wie das letzte Jahr gelaufen ist. Die Mannschaft ist schlechter als vor zwölf Monaten und die vielversprechenden Youngster haben aus unterschiedlichen Gründen die Erwartungen nicht erfüllt.

Niang wurde nach Montpellier ausgeliehen, nachdem er in 28 Ligaspielen torlos geblieben war und sich auch außerhalb des Rasens nicht mit Ruhm bekleckerte. El Shaarawy hat seit fünf Monaten verletzungsbedingt in allen Wettbewerben nur 92 Minuten gespielt. Zuvor hatte er auch mit einem Formtief zu kämpfen, das ausgerechnet begann, als Balotelli verpflichtet wurde.

Und der große Star selbst ist ebenfalls den Beweis schuldig geblieben, dass er jener komplette Fixpunkt im Mailänder Spiel sein kann, den der neue Trainer Clarence Seedorf gerne hätte. Nach seinem Siegtor am Freitag meinte Balotelli, er fühle sich wohler, wenn er die Rossoneri von vorn mitreißen kann. "Der Trainer gibt mir Selbstvertrauen. Ich bin derjenige, der das Team nach vorne zieht und deswegen ist es auch meine Pflicht, diese Tore zu schießen", meinte er bei Sky Sport. Dabei fehlte im zuvor oft der Fokus und die Power, um die Angriffsreihe zu führen.

In 40 Spielen für Milan hat er 26 Treffer markiert. Neun davon erzielte er vom Elfmeterpunkt, vier weitere waren Freistöße. Bleiben also 13 Tore aus dem Spiel heraus. Dieselbe Trefferanzahl hat Mannschaftskamerad Giampaolo Pazzini auf dem Konto, allerdings in 36 Einsätzen, davon nur 16 in der Startelf.

Balotelli wirkt häufig, als mangele es ihm an Dynamik. Das verwundert, schließlich ist er ja eigentlich für seinen Elan und sein Temperament bekannt. Er hat große Träume und verkündete einst bei Goal, dass er sich als Kandidaten für die Wahl zum Ballon d'Or für den besten Spieler der Welt sähe. "Natürlich hat jeder diese Ambition und ganz gewiss ist das auch mein Ziel." Doch zu diesen Aussagen passt seine Körpersprache auf dem Rasen schon seit längerer Zeit nicht mehr.


"Mir reicht es und und die Entscheidung ist gefallen. Mario ist nun auf dem Markt und wir müssen ihn bis Ende Januar verkaufen."

- Silvio Berlusconi, Dezember 2013

Es ist sein Verhalten, das nun vermutlich zur Trennung von Milan führt. Für den einstigen Titelkandidaten geht es in der Tabelle nicht so recht vorwärts und ein Verkauf Balotellis wäre glänzend dazu geeignet, frische Einnahmen für den Kaderumbau zu generieren. Präsident Silvio Berlusconi, der Balotelli vor dessen Verpflichtung als "faulen Apfel" bezeichnet hatte, war vom Verhalten seiner Nummer 45 während der Winterpause so erzürnt, dass er ihn am liebsten sofort verkauft hätte.

"Mir reicht es und die Entscheidung ist gefallen", zitierte Secolo XIX Berlusconi. “Mario ist offiziell auf dem Markt und wie müssen ihn bis Ende Januar verkaufen." Das letzte Transferfenster hat der Ex-Interisti überstanden, doch es wirkt, als sei der Abschied nur aufgeschoben. Silvios Tochter Barbara will sich von allen Spielern trennen, die von Berater Mino Raiola betreut werden.

Balotelli wurde vor gut zwölf Monaten für 20 Millionen Euro Ablöse plus Bonuszahlungen verpflichtet. Keine Frage, die Rossoneri hoffen aus mehreren Gründen auf gute Leistungen ihres Stars im Champions-League-Achtelfinale gegen Atletico Madrid in dieser Woche. Denn damit stiege unter anderem gewiss auch sein Marktwert wieder.

Balotellis Benehmen, Milans Ergebnisse und die Ungeduld der Familie Berlusconi sind der Beleg dafür, dass die Wünsche aus dem Januar 2013 nicht in Erfüllung gegangen sind. Das Ende der großen Liebe ist in Sicht.

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