Explosive Stimmung beim HSV: Die Grenze ist überschritten

Nach der sechsten Niederlage in Folge kommt es in Hamburg zu hässlichen Szenen vor der Imtech Arena. Einige Fans lassen ihrem Frust freien Lauf.

EDITORIAL
Von Daniel Jovanov

Hamburg. Es begann so vielversprechend für den Hamburger SV. Mit hohem Engagement wehrte sich die Mannschaft gegen die sportliche Krise. Die Zuschauer taten ihr Übriges: Alle zehn Minuten erhob sich beinahe die gesamte Arena für den HSV. Der gehaltene Elfmeter von Rene Adler war der vorläufige Höhepunkt. Doch es passt zur Situation der Hamburger, dass die Stimmung kippte. Die nachfolgende Ecke verwerte Sami Allagui zum 1:0 für die Hertha aus Berlin. Zur Halbzeit war das Spiel bereits entschieden.

Was sich nach dem Spiel vor der Arena abspielte, glich einer Jagd auf die Spieler. Zunächst suchten einige Hundert aufgebrachte Fans den Dialog, forderten die Mannschaft zur Stellungnahme. Viele, darunter Adler, Johan Djourou, Jacques Zoua oder Heiko Westermann, folgten dem Ruf. Weil sich Kapitän Rafael van der Vaart offenbar nicht stellen wollte, fühlten sich die Fans provoziert.

Fans beleidigen van der Vaart

Als der Niederländer dann doch vor die aufgebrachte Menschenmenge trat, zog er den gesamten Zorn auf sich. Neben üblen Beleidigungen flogen auch Eier und Becher durch die Luft. Der Kameruner Jacques Zoua brach sichtlich schockiert zusammen und musste weinend von Mannschaftskollegen weggetragen werden. Derweil bemühten sich die Ordnungskräfte die Situation in den Griff zu bekommen und van der Vaart vor Angriffen zu schützen, wobei ein Handgemenge zwischen ihnen und den Fans ausbrach.

Van der Vaart musste zwischenzeitlich von seinem Vater und den Verantwortlichen des HSV zurückgehalten werden. Erst durch die Mithilfe von Mitgliedervorstand Oliver Scheel, Aufsichtsrat Björn Floberg und Ultra-Sprecher Johannes "Jojo" Liebnau konnte sich die Lage etwas beruhigen. Liebnau appellierte an van der Vaart sich der Verantwortung zu stellen, Ordnungsdienst und Polizei verhinderten weitere Ausschreitungen vor der Arena.

Parkplatz belagert, Autos beschädigt

Was sie zunächst nicht verhindern konnten, war ein Sturmlauf vieler Fans auf den Spielerparkplatz. Ola John soll geschubst und beleidigt worden sein, andere traten auf die Autos der Spieler und Trainer. Die Spiegel von Bert van Marwijks Dienstwagen wurden dabei beschädigt. Polizei und Fans lieferten sich wilde Jagdszenen auf dem Spielerparkplatz, nur mit Mühe und zusätzlicher Verstärkung beruhigte sich die Situation.

Der Frust bei den Anhängern ist groß, die Stimmung explosiv. Dabei dürfen die Fans nicht vergessen, dass sie der Mannschaft mit derartigen Aktionen nicht helfen. Im Gegenteil. Jetzt sind Psychologen gefragt, um die Angst und Verunsicherung bei den Spielern zu lösen. Der Hass, den viele den Spielern entgegenbrachten, wird sie nicht vor dem Abstieg bewahren. Stattdessen sollten sie an ihrer einzigartigen Unterstützung festhalten und die Vernunft walten lassen. Die junge Mannschaft braucht Hilfe, keine Jagdszenen und Randale. Die Grenze ist definitiv überschritten.

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