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Der Häuptling der Schalker Mannschaft stand den Reportern bei strahlendem Sonnenschein Rede und Antwort, trat dabei jedoch auf die Euphoriebremse.

Aus Gelsenkirchen berichtet Hassan Talib Haji

Benedikt Höwedes, seines Zeichens Mannschaftskapitän des FC Schalke 04, kniff am Dienstagnachmittag die Augen zu. Grund war die tief stehende Sonne am Ernst-Kuzorra-Weg. In völliger Ruhe und Gelassenheit beantwortete er die Fragen der anwesenden Journalisten.

Die Königsblauen konnten in der Hinrunde keine wirkliche Aufbruchstimmung oder gar Euphorie erzeugen, zu trist waren die teilweise schwachen Darbietungen und mitunter enttäuschenden Ergebnisse. Kein einziges Mal gelang es der Mannschaft, drei Bundesligaspiele in Serie siegreich zu gestalten. Höwedes warnte aufgrund des Schlendrians, der sich mitunter einschlich: "Es läuft nicht von alleine! Da steckt viel Arbeit hinter."

Auf Schalke haben die Anhänger eine große Bedeutung, man spricht hier sehr gerne von der "Königsblauen Familie". Deshalb ist auch Höwedes wichtig, "dass wir die Fans als Mannschaft mitnehmen." Wie der Kapitän der Blauen das meinte, erklärte er auf Goal-Nachfrage wie folgt: "Das Wichtige für die Fans ist, dass wir leidenschaftlich kämpfen. Unsere Fans merken sofort, wenn wir uns auf dem Platz den Arsch aufreißen – das nehmen sie bewusst wahr. Und dann feuern sie uns noch mehr an. Das hilft uns und das pusht uns sehr!"

Höwedes: Vollgas von jedem

Es scheint, als sei der Funke wieder von der Mannschaft auf die Ränge im Stadion übergesprungen, wie auch Höwedes weiter erläuternd feststellte: "Wir ziehen uns so gegenseitig hoch und das ist für beide Seiten förderlich. Das müssen wir weiterhin beibehalten, vor allem dieses Engagement auf dem Rasen. Auch wenn es mal eine Phase gibt, wo es nicht so gut läuft, müssen wir den Fans unseren Siegeswillen zeigen!"

In der bisherigen Rückrunde klappte dies für S04 hervorragend. Zwei Spiele, zwei Siege. Dadurch konnte sich Königsblau von Rang sieben bis auf den vierten Tabellenplatz katapultieren. Besonders profitierte das Team von Trainer Jens Keller dabei von den Ausrutschern der unmittelbaren Konkurrenz. "Wir sind natürlich sehr glücklich, dass wir sechs Punkte eingefahren haben. Aber es hat uns in die Karten gespielt, dass Gladbach und Wolfsburg die ersten beiden Spiele verloren haben", so Höwedes weiter.



Beim 2:1-Heimerfolg über den VfL Wolfsburg musste der deutsche Nationalspieler auf der eigentlich ungeliebten Position als rechter Verteidiger aushelfen, da der Japaner Atsuto Uchida wegen der fünften Gelben Karte gesperrt passen musste. Für Höwedes aber kein Problem mehr: "Ich spiele natürlich lieber als Innenverteidiger, klar. Aber mir macht es mittlerweile auch Spaß als Rechtsverteidiger zu agieren. Ich habe das ja auch oft in der Nationalmannschaft gemacht. Von daher ist das überhaupt kein Problem für mich, dort zu spielen."

"Nicht in Zufriedenheit baden"

Auffällig ist, dass der Revierklub kaum mehr Tore fängt. In den letzten fünf Pflichtspielen musste Ralf Fährmann lediglich einmal hinter sich greifen. Das allerdings kommt nicht von ungefähr. In der Winterpause fielen deutliche Worte, auch vom Kapitän höchstselbst: "Ich habe es im Trainingslager auch ganz klar gesagt: die Defensive besteht nicht nur aus der Viererkette! Da muss jeder mithelfen und das beginnt schon beim Sturm. Wir müssen da eine Einheit bilden. Wir dürfen nicht nachlassen und uns nicht in Zufriedenheit baden!"

Ob Schalke 04 nun bereits wieder nach höheren Aufgaben streben kann? Schließlich sind es nur noch zwei Zähler auf Platz drei. Höwedes schaute jedoch ganz streng, als die Frage nach möglichen Höhenflügen erklang: "Für uns ist es wichtig Platz vier abzusichern, das wird schwierig genug. Was darüber hinaus passiert, da sollten wir erstmal die Kirche im Dorf lassen."

Es hat den Eindruck, als sei am Berger Feld eine sonst schwer zu findende Nüchternheit eingekehrt. Eine Besonnenheit, die dem Team des Öfteren abgesprochen wurde. Nun kommt mit Hannover 96 am Sonntag eine Mannschaft, die mit neuem Übungsleiter auf Wolke sieben zu schweben scheint.

"Dass sie einen neuen Trainer haben, gab ihnen noch mal einen Schub. Mit Rudnevs haben sie einen neuen Stürmer hinzubekommen, der bei Hannover direkt sehr gut eingeschlagen ist", warnte Höwedes vor der wiedererstarkten Truppe von Neu-Trainer Tayfun Korkut und ergänzte nahezu schwärmend: "Da ist ein Kollektiv zusammengewachsen, was sehr schwer zu bekämpfen sein wird."

Schwer oder nicht. Schalke braucht die drei Punkte gegen Hannover 96. Für die eigenen Ziele und die Zufriedenheit der eigenen Anhängerschaft. Das würde auch ganz sicher Höwedes freuen ...

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