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Mit deutlicher Mehrheit wurde dem Ausgliederungskonzept von Otto Rieckhoff zugestimmt. Die Gegner entschieden eine wichtige Wahl allerdings für sich.

Hamburg. Der Eifer hat sich ausgezahlt: Nach 25 Informationsveranstaltungen quer durch die Republik und einer aufwendigen aber hoch professionellen Kommunikationsstrategie hat sich die Initiative HSVPLUS auf der gestrigen Jahreshauptversammlung durchgesetzt. Fast 80 Prozent der anwesenden Mitglieder stimmten dem Konzept von Otto Rieckhoff zu, der von zahlreichen Ehemaligen bei der Kampagne unterstützt wurde. Eine wichtige Wahl haben die Ausgliederungsbefürworter allerdings verloren.

Jörg Debatin, ehemaliges Aufsichtsratsmitglied, hatte sich bestens vorbereitet. Sein Plädoyer für die Fernwahl kam an, überzeugte und euphorisierte die verbliebenen Massen. Etliche Mitglieder waren jedoch wieder auf dem Nachhauseweg. Während sich im riesigen Saal des CCH in der Spitze 7165 Mitglieder einfanden, blieben zur Abstimmung über das Fernwahlrecht nur etwas über 4000.

Der Plan der Supporters war aufgegangen. Die "HSV-Reform" hatte sieben einzelne Satzungsanträge gestellt, die allesamt abgeschmettert worden sind, und damit die entscheidende Wahl weit nach hinten verschoben. Debatin fehlten letztlich nur 1,3 Prozent zur notwendigen Dreiviertelmehrheit.

Ausgliederungsgegner jubeln

Für Rieckhoff und seine Initiative hat das keine unmittelbaren Konsequenzen, wenngleich es die Chancen auf Erfolg erhöhen könnte. Die Mitgliederversammlung hat mit einem eindeutigen Votum beschlossen, den Vorstand mit der Prüfung einer Ausgliederung nach dem Konzept von HSVPLUS zu beauftragen. Ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch.

Denn die Reaktion der Ausgliederungsgegner, die sich nach dem gescheiterten Fernwahlantrag euphorisch in die Arme fielen und Gesänge anstimmten, zeigt, wie uneins dieser Verein zu sein scheint. Statt die demokratischen Grundrechte der Mitglieder zu stärken, warb der Supporters Club für die Verhinderung der Fernwahl. Aus Angst, man könne das Mitbestimmungsrecht für Dinge missbrauchen, die der Ideologie eines kleinen Kreises widersprechen.

So paradox die Debatten und anschließenden Abstimmungen für Außenstehende klingen mögen – sie gehören in Hamburg zum Alltag. Der HSV ist eine Spielwiese für viele, die über sich, Tradition, Demokratie und Mitbestimmung schwadronieren, den Kern des Problems allerdings verkennen, weil sie selbst ein Teil davon sind.

Vorstand positioniert sich klar

Knapp 500.000 Euro verschlingt die elfstündige Veranstaltung, in der über alles diskutiert wurde, nur nicht über Fußball. Und so kann es sein, dass ein Klub, der ausschließlich mit sich beschäftigt ist, am Ende der Saison den wohl schwersten Gang der Vereinsgeschichte antreten muss. Umso hilfreicher scheint es allerdings, dass sich der Vorstand, insbesondere in Person von Joachim Hilke, klar zu einer Ausgliederung positioniert.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Vernunft über den Verhinderungswillen siegt. Die Mitgliederversammlung hat deutlich gemacht, was das Gros der Mitglieder will und wen man nicht mehr dabei haben möchte. Ob die Botschaft bei den Herren angekommen ist, bleibt fraglich. Auch die verweigerte Entlastung des Aufsichtsrates, mit dem die Mitgliederversammlung ihre Missbilligung zum Ausdruck bringt, wird nichts daran ändern können, dass im Hintergrund neue Allianzen gebildet werden, um Rieckhoffs Plan zu durchkreuzen. Denn der will ihnen die Plattform nehmen, wo sie sich wichtig fühlen und Gehör finden.

Um das zu erreichen, braucht HSVPLUS auf der kommenden, außerordentlichen Versammlung im Sommer eine Dreiviertelmehrheit. Übrigens: über den Breitensport, den es in der Argumentation einiger zu schützen und als Teil der Tradition herauszustellen gilt, wurde überhaupt nicht geredet.

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