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Auch ohne Titel im Jahr 2013 verdient Cristiano Ronaldo den Ballon d'Or, weil er der stärkste Spieler im letzten Jahr war, was einen Erfolg somit rechtfertigen würde.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Fußball mag zwar ein Teamspiel sein, aber der Ballon d’Or ist eine Einzelauszeichnung und mit dem Gedanken im Hinterkopf steht ein Kandidat über den anderen beiden bei der Zeremonie am Montag in Zürich. Und das ist Cristiano Ronaldo.

Das letzte Jahr war mit 69 Toren in 59 Spielen für Real Madrid und Portugal das beste in Ronaldos Profikarriere. Das einzige Problem? Er gewann keinen Titel.

Dies hat zu vielen Diskussionen über die Kriterien für den Ballon d’Or geführt. Wie kann Ronaldo siegen, wurde gefragt, wenn er keine Trophäe in den letzten zwölf Monaten gewonnen hat?

Ribery individuell chancenlos

Wer auch immer am Montag gewinnt, die Debatte wird weitergehen, denn um ehrlich zu sein: Keiner der Kandidaten erfüllt in diesem Jahr alle Kriterien. Ronaldo spielte zwar sein bestes Jahr, konnte jedoch keinen Titel holen; Lionel Messi hat mit Barcelona zwei Titel gewonnen, verpasste aber aufgrund von Verletzungen viel vom Jahr 2013 und wenn er spielte, war er meist nicht vollkommen fit; Franck Ribery konnte zwar fünf Titel mit seinem Verein gewinnen und stand sinnbildlich für den FC Bayern München, aber der Erfolg der Bayern ist mehr dem Kollektiv der Mannschaft zu verdanken, der Franzose ist in jedem Fall in Sachen Einzelleistungen Lichtjahre hinter den anderen Beiden.

Um es zu vereinfachen, schauen wir uns einen normalerweise komplizierten Beweis an: "Der Ballon d’Or ist ein Fußballtitel, der dem Spieler verliehen wird, der im vergangenen Jahr die beste Leistung abgeliefert hat", heißt es auf der Webseite der FIFA. Weder insgesamt der Beste, noch der, der in der erfolgreichsten Mannschaft am meisten heraussticht, sondern der Spieler, der in den vergangenen zwölf Monaten die beste Leistung gezeigt hat.

MOMENT DES JAHRES: SCHWEDEN 2-3 PORTUGAL

RONALDO: HATTRICK SICHERT WM-TICKET
Es war das, was erwartet wurde. Portugal gegen Schweden war ein Wettschießen zwischen Zlatan Ibrahimovic und Cristiano Ronaldo um einen Platz bei der Weltmeisterschaft in Brasilien nächstes Jahr.

Und Cristiano enttäuschte nicht. Nachdem er das einzige Tor in dem ersten Spiel in Lissabon per Kopf erzielte, netzte der Portugiese in Stockholm gleich dreimal ein und übertraf so Ibra, der beim Rückspiel doppelt traf. Ronaldo sicherte so den Platz bei der WM.

Einst als Flop in großen Spielen bezeichnet, lieferte Ronaldo jetzt alles ab, als es am meisten zählte - mit der Hoffnung einer ganzen Nation auf seinen Schultern. Brillant.
Wäre es ein Titel für den ausgezeichnetsten Spieler der Welt, würde Messi gewinnen. Wäre es ein Titel für den Spieler, der in der erfolgreichsten Mannschaft am meisten herausstach, würde Ribery gewinnen. Aber dafür steht der Ballon d’Or nicht, ob Erfolge oder nicht, Ronaldo zeigte 2013 die ansprechendste Vorstellung.

Ronaldo trotzte 2013 allen Widrigkeiten

Auf Klubebene setzte Ronaldo seine herausragende Leistung fort und half dem Team in das Halbfinale der Champions League und ins Finale der Copa del Rey einzuziehen. Die Vorstellung des Portugiesen überdeckte die Streitigkeiten mit Jose Mourinho, die schließlich ein unrühmliches Ende fanden.

Fast alle Spieler des Vereins waren in der Saison 2012/13 in einer Formkrise, als Madrid alle großen Titel verspielte. Nicht aber Ronaldo. Der Portugiese traf weiter und bewies eine neu dazu gewonnene Reife in seinem Spiel, überzeugte mit seiner Mannschaftsdienlichkeit und zeigte eine großzügige Seite, die man in den vorherigen Saisons nicht oft sehen konnte.

In dieser Spielzeit erwischte er seinen besten Saisonstart überhaupt, auch wenn der Schlüsselspieler Mesut Özil am letzten Tag der Transferperiode den Verein verließ und das Team in den ersten Monaten unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti an Kinderkrankheiten litt.

Unter Ronaldos Highlights im Jahr 2013 waren sein Doppelpack im Camp Nou im Halbfinale der Copa del Rey, sein Hattrick für Portugal gegen Nordirland in der WM-Qualifikation und seine insgesamt vier Tore in zwei Spielen gegen Schweden in den WM-Playoffs.

Mit zehn Toren in neun Länderspielen war das Jahr 2013 das produktivste hinsichtlich seiner Auftritte in der portugiesischen Nationalmannschaft. Er überholte mit diesem Treffern Eusebio in der Torjägerliste und schloss zum Rekordtorschützen Pauleta (47 Tore) auf. Für Madrid erzielte er in 50 Spielen 59 Tore und zu Beginn dieser Saison in 21 Spielen bereits 27 Tore.

Unterstützung von allen Seiten

"Wenn Cristiano denn Ballon d’Or nicht gewinnt, werde ich einen Sitzstreik beginnen", sagte Ancelotti im November. "Niemand verdient den Preis mehr als er – er ist das ideale Modell eines Profis."

Portugals Trainer Paulo Bento stärkte seinem Landsmann ebenfalls den Rücken: "Für mich ist er der beste Spieler der Welt. Es wäre ungerecht, wenn er den Ballon d’Or nicht gewinnt."

Aber es sind nicht nur seine Teamkollegen und Trainer, sondern auch eine Vielzahl von Schlüsselfiguren, die Ronaldo ihre Unterstützung aussprechen, wie beispielsweise Gary Lineker, Riberys Mannschaftskollege Arjen Robben und, vielleicht am überraschendsten, die argentinische Legende Diego Maradona.

"Viele Leute reden davon, dass Ribery den Ballon d’Or gewinnt. Er hatte ein großartiges Jahr, aber ich glaube Ronaldo sollte gewinnen. Es geht um den besten Spieler, nicht die beste Mannschaft", twitterte Lineker im November. "Weil es ein Einzeltitel ist, denke ich, dass er an Ronaldo gehen sollte. Er verdient es vollkommen", erklärte Robben letzten Monat, während Maradona einfach konstatierte: "Cristiano Ronaldo sollte gewinnen. Messi war oft verletzt in diesem Jahr."

Nach der Enttäuschung über den verpassten Preis letztes Jahr, als Messi seinen vierten Erfolg in Folge feierte, änderte CR7 sein Trainingssystem, um seinen Körper mit hochintensiven Sprintübungen und zusätzlichen Fitnessstudio-Einheiten zur Muskelstärkung zu Höchstleistungen zu bringen. Das Ergebnis konnten wir auf dem Spielfeld sehen.

Trotz seines großartigen Jahres 2013 gibt es noch immer Leute, die behaupten, dass ein Sieg Ronaldos unfair wäre, weil die Abstimmungsfrist Mitte November nach hinten verschoben wurde, um seine Auftritte in den WM-Playoffs berücksichtigen zu können. Wahrhaftig nicht fair wäre es aber, wenn der 28-Jährige die Bühne am Montagabend nicht zum zweiten Mal mit dem prestigeträchtigen Titel verlassen würde.
 
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