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Aufgepasst Juventus: Magier Rudi Garcia hat die Roma verwandelt

Rudi Garcia formte die Roma zu einem Topteam. Die Giallorossi zeichnen sich durch eine gute Mischung aus defensiver Stabilität und offensiver Variabilität aus.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Eindrucksvoll meldete sich der AS Rom in der Spitze des italienischen Fußballs zurück. Nach drei eher durchwachsenen Jahren sind die Hauptstädter wieder in der Spur, überzeugen mit sehr variablem und ballsicherem Spiel. Am Sonntagabend treffen sie im Topspiel der Serie A auf Juventus Turin (hier geht's zur Vorschau). Rudi Garcias taktische Waffen könnten auch in dieser Begegnung wieder stechen.

KEVIN STROOTMAN IN DER SERIE A
Einsätze
Tore
Vorlagen
Passgenauigkeit (in %)
Pässe pro Spiel
Schlüsselpässe pro Spiel
Tacklings pro Spiel

*Daten von WhoScored.com
15
4
6
88,2
60,5
1,6
3,6



Kevin Strootman etwa. Er kam vor der Saison für rund 16 Millionen Euro von PSV Eindhoven und steht unter anderem stellvertretend für den neuen erfolgreichen Spielstil. Der 23-Jährige vereint strategisches Verhalten in Defensive wie Offensive mit sauberem Passspiel.

Strootman agiert in der 4-3-3-Grundformation in der Regel auf der linken Halbposition vor dem alleinigen Sechser Daniele De Rossi, welcher der Mannschaft durch seine Präsenz Stabilität verleiht. Der Niederländer kann sich sehr gut ins Kombinationsspiel integrieren und an den langen Ballstafetten der Roma teilnehmen. Zudem erkennt er situativ, wann er entweder dynamisch nach vorne gehen oder sich zwecks Kompaktheit mal besser zurückfallen lassen sollte. Der Allrounder ist aber nur ein Baustein im Konstrukt Garcias.

Dynamik und Intelligenz im Defensivverbund

Insgesamt wirkt das Team sehr fluide, von der Struktur her variabel in der horizontalen Ausrichtung. Teilweise spielt die Roma mit breiten Linien, in anderen Situationen ist das Team sehr zentrumsfokussiert. Die beiden Außenverteidiger stehen häufig hoch, übernehmen offensiv viele vertikale Läufe und attackieren auch gegen Ball zuweilen in höheren Zonen. Rückt ein Außenverteidiger mannorientiert heraus, übernimmt meistens De Rossi die Position zwischen den Innenverteidigern und es entsteht ein breiterer Defensivblock zur Absicherung.

Typisch ist zunächst die mannschaftstaktische Geschlossenheit und das kohärente Verschieben, sodass viele Gegner gut vom Tor ferngehalten werden können. Durch stärkere Rückwärtsbewegungen der Achter oder auch eines Flügelangreifers wird die eigentliche Viererkette numerisch verstärkt und infolge von konsequenten Mannorientierungen gelangt der Gegner nur äußerst schwer in aussichtsreiche Positionen. Entscheidend ist dabei die Abstimmung zwischen den Achtern und Außenstürmern, sodass sich ein Teil des Mittelfelds zurückzieht, während der andere Teil höher attackiert.

Zudem wird tiefer in der eigenen Hälfte des Öfteren passiv gestanden, sodass sich etwa in den Halbräumen für den Gegner freie Zonen ergeben. Allerdings wird dann plötzlich von De Rossi oder einem anderen Akteur attackiert und eine rasche Entscheidungsfindung erzwungen, die häufig in einem schwachen Schuss oder Fehlpass endet.

Garcias Mannschaft drängt das gegnerische Team durch diese dynamische Verteidigung zu aussichtlosen Torabschlüssen, was sich auch an der geringen Anzahl an Gegentreffern ablesen lässt. Die Roma lässt im Schnitt elf Schüsse pro Spiel zu, kassierte aber bisher in 17 Serie-A-Partien lediglich sieben Gegentreffer.

Starkes Konterspiel trotz Kompaktheit

Gerade defensiv konnte Garcia eine signifikante Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison erwirken. In der letzten Spielzeit kassierten die Römer insgesamt noch 56 Gegentore und damit im oberen Tabellendrittel die meisten. Anscheinend hat der französische Trainer durch die genannten Veränderungen den Schlüssel gefunden.

Damit konnte in der Abwehr auch der Abgang von Marquinhos, der für rund 31 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain wechselte, durch den Marokkaner Mehdi Benatia kompensiert werden. Im Gegenzug wurden einige offensiv Abläufe verfeinert, wobei die Roma bereits in der vergangenen Saison viele Tore produzierte und die Verkäufe von Erik Lamela sowie Pablo Osvaldo aktuell nicht unbedingt ins Gewicht fallen.

Gerade im Umschaltspiel agiert die Roma oft überfallartig. Beispielsweise stehen die beiden Neuzugänge Gervinho oder Adem Ljajic höher, werden abgesichert, können aber bei Balleroberung durchstarten. Obwohl man defensiv kompakt und mit vielen Spielern gegen den Ball steht, entwickeln sich dadurch gefährliche Gegenstöße.

Herausragende Passzirkulationen

In langsameren Offensivaktionen aus dem Mittelfeld heraus ermöglicht zudem die Ball- und Passsicherheit viele Optionen. Miralem Pjanic oder Michael Bradley können einerseits nach vorne stoßen oder aus tieferen Positionen heraus Verlagerungen initiieren sowie in die Schnittstellen spielen.

Kapitän und Gallionsfigur Francesco Totti war längere Zeit verletzt, hat aber ansonsten in seinen Einsätzen überzeugt. Der 37-Jährige ist im Sturmzentrum die Alternative zu Mattia Destro oder Gervinho, der in Rom selbstbewusster geworden ist und seine zuletzt durchwachsenen Leistungen bei Arsenal vergessen macht.

Totti lässt sich seinerseits häufig fallen, um selbst in der Ballzirkulation mitzuwirken. Dank der spielerischen Stärke ist er prädestiniert für Garcias fluides Konzept, in welchem die offensiven Aktionen auf einem strategischen Durcheinander basieren, sodass der Gegner nur unzureichend Zugriff erhält.

Hat die Roma eine Schwäche, ist es die zuweilen mangelnde Durchschlagskraft. Infolge des hohen Grades an Variabilität mangelt es manchmal an konsequent, stringent vorgetragenen Angriffen. Ansonsten haben die Giallorossi in der bisherigen Hinrunde der Serie A bewiesen, dass sie mit verschiedenen Komponenten offensiv wie defensiv auf Topniveau mithalten können und nicht ohne Grund zwischen dem vierten sowie zwölften Spieltag die Tabelle anführten.

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