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Wenn Vereine sich ihre Wunschspieler nicht leisten können, springen oft Beraterfirmen ein. Das führt zu Situationen, die nun überprüft und vielleicht bald verboten werden.

SPECIAL REPORT
Von Kris Voakes

Die UEFA will es verbieten, die FIFA möchte es verbannen und im englischen und französischen Fußball ist es bereits nicht mehr legal: Doch der Zustand, dass dritte Parteien Anteile an Fußball-Profis halten, bleibt im modernen Fußball weit verbeitet. Der jüngste Transfer von Radamel Falcao rückt dies einmal mehr ins Scheinwerferlicht.

Falcaos Wechsel nach Monaco war eigentlich unausweichlich. Schließlich gehört er zu einem Teil einer dieser Investment-Firmen, die ihr Geld damit verdienen, sich hohe Anteile an jungen Spielern zu sichern und damit dann langfristig große Gewinne einzufahren.

So passiert es häufig, dass Klubs sich Spieler sichern, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Dafür haben sie dann keinen Einfluss darauf, wohin der Spieler wechselt und sie selbst erhalten nur kleine Summen, weil ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt wird.

"Vermittlungsgebühren"

Falcaos tränenreiche Verabschiedung von Atletico Madrid fand mehr Resonanz als so manch anderer herzzerreißender Abschied. Und es deutete an, dass er am Ende vermutlich nur wenig Kontrolle über sein eigenes Schicksal hatte. Eine dritte Partei hatte bei seiner nächsten Station ein Wörtchen mitzureden.

Es heißt, dass die "Doyen Sports Group" einen großen Teil der Anteile an Falcao hielt. Atletico behauptet zwar, dass 100 Prozent der wirtschaftlichen Rechte des Spielers dem Klub gehörten, gleichzeitig wird Falcao aber auf Doyens offizieller Internetseite ebenfalls geführt. Ob es dabei um Beratertätigkeiten oder finanzielle Beteiligungen geht, bleibt offen. Auf Nachfrage von Goal wollte sich Doyen dazu nicht äußern.

DOYENS SPIELER-RESERVOIR
Abdelaziz Barrada
Alex Serrano
Alvaro Bustos
Baba Diawara
Alberto Botia
Steven Defour
Felipe Anderson
Formose Mendy
Geoffrey Kondogbia
Jose Angel Valdes
Eliaguim Mangala
Manu del Moral
Alvaro Negredo (oben)
Ola John
Pedro Leon
Jose Antonio Reyes
Ruben Perez
Radamel Falcao
Marcos Alberto Rojo
Zakaria Labyad

*Quelle: Doyensports.com

Aufzeichnungen von Falcaos Ex-Klub FC Porto belegen, dass in der Saison 2010/11 Zahlungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro im Zusammenhang mit Falcao getätigt wurden. Ein Großteil davon wurde als "Vermittlungsgebühren" verbucht.

Im Bericht zur Saison 2010/11, in den auch der Verkauf Falcaos fällt, ist außerdem zu sehen, dass Porto nur an sechs Spielern aus dem Kader der ersten Mannschaft 100 Prozent der Transferrechte hielt. Der Klub war also stets von der gängigen Praxis der gesplitteten Rechte mit anderen Vereinen und Agenturen abhängig.

Mendes hat die Finger im Spiel

Atletico folgte dem Beispiel in ähnlicher Art und Weise, als der Klub Falcao kaufte. Bevor man in den Stürmer investieren konnte, waren die Madrilenen gezwungen, Spieler zu Geld zu machen. Die Schulden des Klubs waren drastisch angestiegen, auf mehr als 200 Millionen Euro binnen kurzer Zeit. Also wechselte Sergio Agüero zu Manchester City, während David de Gea bei ManUnited anheuerte. Kurze Zeit später stimmte der Verein einer Verpflichtung Falcaos für 40 Millionen Euro Ablöse zu.

Die Schlüsselfigur bei diesem Deal war Jorge Mendes, Agent von Cristiano Ronaldo und Jose Mourinho. Mendes gründete einst gemeinsam mit Ex-ManUnited- und Chelsea-Boss Peter Kenyon "Doyen Sports". Übereinstimmenden Berichten zufolge soll die Gruppe mindestens 55 Prozent der Rechte an Falcao besessen haben. Dies bedeutet, Atletico hat weitaus weniger Ablöse an Porto gezahlt, als die 40 Millionen. Schließlich brauchten die Spanier "nur" Portos Rechte zu bezahlen, der Rest blieb im Besitz von Doyen Sports.

Weil die Schulden der "Colchoneros" allerdings so immens hoch waren, konnten sie selbst die deutlich kleinere Ablöse nur schwerlich stemmen. Porto drohte mit einer Beschwerde bei der FIFA und wollte rechtliche Schritte einleiten. Das war ungefähr zu jener Zeit, als Werbung für "Doyen Sports" im "Vicente Calderon" und auf Atleticos Teamkleidung auftauchte. Eine überraschende Maßnahme einer Firma, die eigentlich keine kundenorientierten Leistungen erbringt.

Atletico als Ergebnis der Falcao-Geschichte fast pleite

Doyens offizielle Internetseite zeigt die Spieler, an denen die Gruppe vermutlich Anteile hält. Wie hoch diese sind und wie hoch die Anteile der Klubs sind, bleibt ungeklärt. Ebenso im Dunkeln ist die Zügellosigkeit von Beratern und anderen Dritten unter den aktuellen Regularien der FIFA.

Einzelheiten zu diesem Deal, die Goal von einer Atletico-Quelle bekommen hat, zeigen, dass der Verein als Ergebnis der Falcao-Geschichte fast pleite gegangen wäre.

Nach einer tollen ersten Saison in Spanien stimmte der Kolumbianer einem Wechsel zu Chelsea zu, doch er widerrief seine Entscheidung und blieb nach dem Flehen von Trainer Diego Simeone und dem Vorstand ein weiteres Jahr in Madrid. Als Belohnung für seine Loyalität wurde ihm ein Teil seiner festgelegten Ablösesumme versprochen, die gleichzeitig herabgesetzt wurde. Als er im vergangenen Sommer für 60 Millionen Euro zum AS Monaco verkauft wurde, bezahlten die Franzosen den Spaniern nur 45 Millionen Euro - und der Rest wanderte auf das Konto des Stürmers.

Atletico verdiente also nur fünf Millionen Euro, da sie 40 Millionen Euro ausgegeben hatten. Tatsächlich war es noch weniger, denn das eingenommene Geld wurde wahrscheinlich direkt an die Doyen Group gezahlt, die als dritte Partei in den Spieler investiert hatte - und deshalb mehr Ansprüche als nur auf die 22 Millionen Euro hatten, die sie Madrid zum Kauf Falcaos im Sommer 2011 zur Verfügung gestellt hatten.

Ohne Falcao musste Atletico auch noch eine Rate in Höhe von sieben Millionen Euro an Porto im Sommer zahlen. Und es fehlen immer noch etwa fünf Millionen Euro, die 2014 fällig werden - mehr als ein Jahr, nachdem Falcao den Klub schon wieder verlassen hat.

Flehen | Siemeone überzeugte Falcao davon, ein weiteres Jahr bei Atletico zu bleiben

Atletico-Präsident Enrique Cerezo hatte einmal großspurig verkündet, dass der Verkauf von Falcao die Schulden des Klubs tilgen würde. Aber die Wirklichkeit ist von dieser Aussage extrem weit entfernt. Am Ende haben die Rojiblancos vom Verkauf des Südamerikaners höchstens ein paar wenige Millionen, wahrscheinlicher aber gar nichts, übrig behalten.

Insofern ist es ein echter Glücksfall für den Klub, dass der Falcao-Nachfolger Diego Costa in dieser Saison hervorragend eingeschlagen ist.

Nur Monaco kann Falcaos Gehalt stemmen

Als der Verkauf von Falcao anstand, hatten viele Vereine den 27-Jährigen im Blick, doch sie konnten nicht mehr mitbieten, denn Atleticos Forderungen waren zu hoch. Monaco war einer der wenigen Vereine, der die Transfersumme bereitstellen konnte, die benötigt wurde, um sich die wirtschaftlichen Rechte komplett zu sichern, denn eine Beteiligung einer dritten Partei hätte gegen französisches Recht verstoßen. Als die Gehaltsforderungen des Spielers in Richtung 14 Millionen Euro pro Jahr gingen, war nur noch Monaco im Rennen um Falcao.

Auch wenn die Begleiterscheinungen zweifelhaft sind, glaubt der ehemalige kolumbianische Nationaltrainer Francisco Maturana, dass Falcao die Investition wert war.

"Falcao ist ein Kandidat für den Ballon D'Or", sagte Maturana gegenüber Goal. "In Porto, bei Atletico und jetzt in Monaco spielt er auf allerhöchstem Niveau. Ich habe mit ihm zusammengearbeitet, als er in den Jugend-Nationalmannschaften war und schon dort konnte man sehen, dass er viel Talent hatte", fügte er hinzu.

"Es war seine Entscheidung, Atletico für Monaco zu verlassen. Das sind persönliche Entscheidungen, die man respektieren muss. Monaco hat das Geld bezahlt, denn sie denken, dass er diesen Betrag wert war und sie konnten es sich leisten. Ich bin mir sicher, er kann sich und sein Land dort stolz machen. Er kann überall erfolgreich sein und die Investitionen in ihn rechtfertigen", sagte Maturana.

Trotzdem sind die Transferbeteiligungen Dritter vielen Leuten im Fußballgeschäft ein Dorn im Auge. Erst kürzlich hat Lazio Roms Präsident Claudio Lotito diese Praxis in Frage gestellt. Hintergrund war der Versuch der Biancocelesti, Felipe Anderson von Santos zu verpflichten. Doyen hielt 50 Prozent der Rechte an dem Spieler.

Lotito warnte bei Radio Radio: "Wir werden uns nicht durch einen Akt der Erpressung gefügig machen lassen. Der Junge will zu Lazio, die Klubs sind sich einig. Aber wer auch immer einen Prozentsatz an seinen Rechten hält, will uns erpressen. Das gefällt mir nicht."

Dritte entscheiden am Ende

Ein einflussreicher Spielerberater, der seit Jahren auf dem südamerikanischen Markt unterwegs ist, erklärte Goal, dass es am Ende fast immer die dritte Partei ist, die das letzte Wort hat: "Natürlich ist kein Fall wie der andere. Aber es ist nicht so, dass automatisch derjenige entscheidet, der die Mehrheit der Rechte beseitzt. Oft ist es so, dass bereits zu Beginn der Partnerschaft festgelegt wird, wer die Entscheidungen auf fußballerischer Ebene in Zukunft treffen darf."

WAS BEDEUTET ES, WENN EINE DRITTE PARTEI MITMISCH?
  • Investmentfirmen kaufen einen Teil der Rechte an einem Talent
  • Ein Klub, der sich den Spieler eigentlich nicht leisten kann, bekommt für "kleines Geld" seine kompletten Spielerrechte, aber eben nur einen kleinen Teil seiner Persönlichkeitsrechte
  • Transfers zwischen Klubs werden maßgeblich von den Wünschen der "Besitzer" der Spieler beeinflusst
  • Spieler rivalisierender Klubs können oft derselben Investmentfirma gehören, so entstehen Interessenkonflikte
"Wie in jedem Geschäft ist es aber auch hier so, dass derjenige, der die Macht hat, die Entscheidungen trifft. Oft ist es so, das die Mehrheitsanteilseigner aus einem anderen Bereich kommen und kein Hintergrundwissen im Fußball haben. Sie verlassen sich dann auf ihre Ratgeber, um ihre Investments wachsen zu sehen", so er Agent weiter.

Dass die Karriere eines Spielers von Nicht-Fußball-Organisationen diktiert werden kann, ist den Autoritäten des Fußballs ein Dorn im Auge. Doch während UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino die FIFA zum Handeln aufgefordert hat, hat der Weltverband noch keine Lösung für dieses Problem parat.

"In der Gesellschaft ist das inakzeptabel und es hat auch im Fußball keinen Platz", drängte Infantino die FIFA auf der offiziellen Internetseite der UEFA. "Fußballer sollten, wie jeder andere Mensch, das Recht haben, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden. Klubs sollten sich nicht auf Investoren und dritte Parteien verlassen, wenn sie Spieler kaufen möchten, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Langfristig ist das nicht gut. Weder für den Spieler, noch für den Verein."

Gegenüber Goal erklärte die FIFA, dass augenblicklich untersucht werde, wie man das Problem lösen könne.  Es sei die Erkenntnis gewachsen, dass die aktuellen Regularien zwar des Einflusses von dritten Parteien auf die Vereine eindämmen, jedoch keine Lösung für Investorengruppen, die Spielerrechte halten, bieten.

Die FIFA hat reagiert

"Die Frage der wirtschaftlichen Rechte an einem Spieler, die von einer dritten Partei gehalten werden, wird aktuell auf verschiedenen Ebenen der internationalen Fußballgemeinschaft diskutiert", sagte uns ein Sprecher des Weltverbands. Er ergänzte: "Die FIFA hat bereits reagiert und den Einfluss dritter Parteien bei Transfers verboten"

Der FIFA-Sprecher erläuterte weiter: "Gleichzeitig ist es so, dass wegen der Komplexität dieses Themas und der unterschiedlichen Regeln innerhalb verschiedener Mitgliedsverbände der FIFA, im vergangenen November eine Untersuchung der bisherigen Bestimmungen angeordnet wurde. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden den zuständigen Gremien der FIFA in den kommenden Sitzungen präsentiert und dort diskutiert."

Das große Netzwerk an Firmen, die Geschäfte mit Vereinen machen, besonders in Südamerika, bedeutet, dass die FIFA bei ihrem Vorhaben vorsichtig auftreten muss.

Und in der Zwischenzeit wird es vielleicht mehr Situationen wie die von Radamel Falcao geben, in denen ein Spieler zu einem bestimmten Klub gebracht wird, den nicht er sich ausgesucht hat, sondern seine Aufpasser.



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