thumbnail Hallo,

Der Waliser wechselte aus London in die spanische Hauptstadt und sein Transfer definierte eine neue Rekordablöse. Aber in den Verhandlungen ging es nicht nur um Geld…

SPECIAL REPORT
Von Greg Stobart

Gareth Bale musste lange warten. Erst am letzten Tag der Sommer-Transferperiode konnte er in den Katakomben des Estadio Santiago Bernabeu seine Unterschrift unter jenen Sechs-Jahres-Vertrag setzen, der ihn zum teuersten Spieler der Geschichte machte.

Kurz zuvor war der Waliser bei seinem neuen Verein offiziell vorgestellt worden und hatte erklärt, sein 100 Millionen Euro teurer Wechsel von Tottenham Hotspur in die spanische Hauptstadt sei ein "wahrgewordener Traum". Während der Präsentation strahlte im Hintergrund ein Bild von ihm, das ihn im Alter von neun Jahren mit einem Trikot von Real Madrid zeigte.

Ein langer Sommer für alle Beteiligten

Dieser Moment markierte das Ende eines langen Sommers für Bale und die beiden beteiligten Vereine. Die Stellar Group, die Berateragentur des 24-Jährigen, erhielt im Mai den Auftrag, einen Deal einzufädeln, von dem auch sie selbst in hohem Maße profitierte - 11,5 Millionen Euro flossen alleine als Honorar an die Gruppe.

Schon lange war der spanischen Spitzenklub an Bale interessiert, erstmals versuchte man, ihn im Jahr 2011 für über 30 Millionen Euro zu verpflichten. Nachdem Real sich schließlich dem FC Barcelona im Rennen um Neymar geschlagen geben musste, entschied Präsident Florentino Perez, Englands Spieler des Jahres ganz oben auf die Wunschliste zu setzen.

Trotz Bales wiederholter Ankündigung, eines Tages in Spanien spielen zu wollen, waren die Spurs zuversichtlich, ihren Star-Spieler über den Sommer hinaus halten und ihn sogar zur Unterzeichnung eines neuen Vertrags überreden zu können. In der Spielzeit 2012/13 hatte er 26 Mal für Tottenham getroffen.

BALE: TEUER ODER GÜNSTIG?
Esteve Calzada, Experte für Sportmarketing und Geschäftsführer von Prime Time Sport, sagte Goals Alberto Pinero:

"Die Verpflichtung Gareth Bales wird Real Madrid dabei helfen, das bisherige Medien-Profil aufrechtzuerhalten, ohne es zu überreizen. Er wird den Trikotverkauf in Großbritannien steigern, allerdings nicht in der Größenordnung, dass die 100 Millionen wieder eingespielt werden.

Spieler mit Offensiv-Qualitäten, wie Bale sie hat, haben eine größere kommerzielle Wirkung als andere. Er ist technisch gut, physisch stark und kommt aus Großbritannien, wo im Fußballbereich die größte Wirtschaftskraft herrscht. Er war in der Premier League sehr beliebt und zieht daher auch den asiatischen Markt an, aber auch andere Märkte der Welt.

Es ist eine Menge Geld, aber Real Madrid hätte nicht zugestimmt, wenn man sich das nicht hätte leisten können. Sie konnten den Deal finanzieren. Die Zeit wird am Ende zeigen, ob Bale teuer oder günstig für Real war."

Der Vorstandsvorsitzende Daniel Levy wollte Bale unbedingt vom Verbleib überzeugen. Auch, nachdem die Londoner die Qualifikation für die Champions League verpasst hatten. Man schnürte ein üppiges Vertragsangebot, das nah an den 18 Millionen Euro, die der Linksfuß vor Steuern bei Real erhält, dran war.

Stutzig wurden die Verantwortlichen an der White Hart Lane jedoch angesichts der Medienberichte aus Spanien, Zitaten von Zinedine Zidane - einem regelmäßigen Besucher der Spurs-Spiele in der letzten Saison - und der Auftritte von Jonathan Barnett, dem Vorsitzenden der Stellar Group, der immer öfter bei Marca TV zu sehen war.

Nach einem persönlichen Gespräch zwischen Levy und Bale im Juli am Rande eines Promo-Turniers in Asien war dann aber endgültig klar, dass Tottenham im Rennen um den Außenspieler ein wahrer Kampf erwarten würde. Bale bat den toughen Vorstandsvorsitzenden darum, sich mit Real auf einen Wechsel zu einigen - auch, weil er angesichts der "Jetzt oder nie"-Ansage der Spanier befürchtete, dass dies die letzte Chance auf einen Wechsel nach Madrid sein könnte. Und es war für ihn stets ein Traum, in einem Team mit seinem Idol Cristiano Ronaldo spielen zu dürfen.

In der Folge behauptete Bale, aufgrund diverser Verletzungen nicht regulär an der Saisonvorbereitung Tottenhams mitwirken zu können, um den Transfer nicht zu gefährden. Er trainierte abseits des Teams und trat im August dann endgültig in den Streik, als er schlichtweg nicht beim Training aufschlug.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Levy bereits akzeptiert, dass er Bale verkaufen würde - allerdings nur für eine geforderte Ablösesumme in Höhe von 118 Millionen Euro. Insgeheim waren die Real-Bosse sogar bereit, diesen Betrag auf den Tisch zu legen, jedoch stieß ihnen die sture Verhandlungstaktik von Levy derart auf, dass man die Obergrenze auf 100 Millionen Euro festsetzte - dieser Betrag war immer noch höher als jener, der seinerzeit für Ronaldo gezahlt wurde. Levy hatte unter anderem diverse Spieler als Tauschobjekte gefordert.

Bale wollte nur nach Madrid

Tottenhams Position wurde allerdings gestärkt durch das Interesse von Paris Saint-Germain, vor allem aber durch das von Manchester United. Die Red Devils wollten Neu-Trainer David Moyes zu Amtsbeginn einen Starspieler schenken und waren sogar bereit, 150 Millionen Euro für den Mann zu zahlen, der Tottenham einst lediglich 14,7 Millionen gekostet hatte. Bale wollte jedoch nur nach Madrid wechseln.

Die Spurs waren unterdessen ihrerseits ebenfalls aufgrund der vermeintlichen Arroganz der Madrilenen angesäuert, erst recht, als die bereits eine Bühne für die Präsentation Bales bauen ließen. So hielten die Londoner Real hin. Man versuchte, die Ablösesumme in die Höhe zu treiben und außerdem sollte erst einmal Ersatz für Bale gefunden werden.

Tottenham gab letztlich mehr als 120 Millionen Euro für sieben Nationalspieler aus, ehe dem Bale-Transfer zugestimmt wurde. Dies geschah dann am vorletzten Tag der Transferperiode, kurz, nachdem man das Londoner Derby gegen Arsenal verloren hatte.

Die komplette Goal Transfer List zum Durchklicken

An jenem Sonntag verhandelten die Verantwortlichen der Spurs und von Real stundenlang über den Wortlaut des offiziellen Statements, wobei die Vertretung aus England zunächst darauf beharrte, dass die Ablösesumme veröffentlicht oder zumindest erklärt wird, dass es sich um einen Rekordbetrag handelt.

Letztendlich setzten sich die Spanier durch und überzeugten die Verhandlungspartner davon, hinsichtlich der Transfersumme, von der die Hälfte im Voraus bezahlt wurde, Stillschweigen zu bewahren. Schließlich wollte man Ronaldo nicht verärgern, der bereits mündlich einem neuen Fünf-Jahres-Vertrag zugestimmt hatte.

Özil durfte nicht zu den Spurs

Eine letzte Pointe hatte die Geschichte dann auch noch zu bieten, als Real Mesut Özil für 50 Millionen Euro an den FC Arsenal veräußerte, nachdem man den Spurs zuvor zu verstehen gegeben hatte, dass der deutsche Nationalspieler auf keinen Fall und für keinen Preis zu haben sei.

Bei Real Madrid wird man sich jedenfalls als Gewinner der Partnerschaft mit Tottenham fühlen, die man im Zuge der Verpflichtung von Luka Modric eingegangen war, als der Kroate 2012 für etwa 30 Millionen Euro nach Spanien ging.

Bale darf unterdessen endlich seinen Traum leben. Er hatte bereits seit zweieinhalb Jahren Spanisch gelernt und ist in Madrid schnell sesshaft geworden, seine Familie und sein Berater Josh Barnett sind bereits nachgezogen.

In Bales Umfeld gab es jedoch einige Bedenken, ob die fehlende Saisonvorbereitung sich negativ auf seine Leistungen auswirken würde. Und diese Bedenken waren durchaus berechtigt, zu Saisonbeginn blieb er hinter den Erwartungen zurück, nicht zuletzt bei der Clasico-Niederlage gegen den FC Barcelona. Der Brite konnte dann aber schnell sein altes Fitness-Level zurückerlangen und bald beweisen, dass er eine echte Verstärkung für Real ist - nicht nur durch Tore und Assists. Nun wird er beweisen wollen, dass er dem Titel "teuerster Spieler aller Zeiten" gerecht werden kann.


Folge Greg Stobart auf

EURE MEINUNG: Können 100 Millionen für einen Spieler überhaupt gerechtfertigt sein?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig