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Hannover 96: Positiv-Erlebnis trotz "katastrophaler" erster Halbzeit

Die Roten waren im Spiel gegen die Franken eigentlich schon tot, kämpften sich am Ende aber doch noch zurück - eine denkwürdige Aufholjagd. Dennoch ist der Punkt für 96 zu wenig.

Aus Hannover berichtet Claas Philipp

Hannover. Zur Halbzeit war die Messe im Grunde gelesen. Für Hannover 96 schien es ein gebrauchter Tag zu werden, für Trainer Mirko Slomka vielleicht sogar ein entscheidender. Dessen Stuhl drohte gehörig zu wackeln, als die Niedersachsen nach dem Ende der ersten 45 Minuten mit 0:3 hinten lagen - sich aber noch einmal aufrafften und im zweiten Durchgang zumindest Moral zeigten. Gegen den in der Bundesliga noch sieglosen 1. FC Nürnberg reichte es so zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen 3:3.

Für 96-Keeper Ron-Robert Zieler war es "unheimlich schwer zu beschreiben", was sich da am Samstagnachmittag in den 90 Minuten abgespielt hatte. Die Hannoveraner hatten sich viel vorgenommen für die Partie gegen den FCN, nachdem sie am letzten Wochenende einen neuerlichen Rückschlag erlitten und aufgrund einer extrem schwachen zweiten Halbzeit beim VfB Stuttgart 2:4 verloren.

96 bricht auseinander

Jedoch knüpfte man da an, wo man im Schwabenland aufgehört hatte und zeigte bis zum Pausenpfiff eine für Zieler "katastrophale" Vorstellung: "Da lief gar nichts zusammen." Das galt vor allem für die Phase nach dem 0:1 durch Adam Hlousek, der nach einer halben Stunde begünstigt durch indiskutables Abwehrverhalten der 96er traf. In der Folge brach das Slomka-Team völlig auseinander, vor der Pause erhöhten Josip Drmic und Per Nilsson auf 0:3. Die Heimmannschaft hatte sogar noch Glück, nicht das vierte Tor zu kassieren.

"Wir waren in der ersten Halbzeit total verunsichert, das war wirklich bitter", so Zieler. "Dafür können wir uns nur entschuldigen." Die Zuschauer quittierten es mit einem gellenden Pfeifkonzert, das die 96-Profis beim Gang in die Kabine begleitete. Dort sah Leonardo Bittencourt zunächst "hängende Köpfe". Der 19-Jährige wurde nach dem Seitenwechsel für Manuel Schmiedebach eingewechselt und belebte das Spiel seines Teams sichtlich.

Zuvor aber stimmte man sich in den Katakomben auf die Mammutaufgabe ein, einen 0:3-Rückstand wettzumachen. "Wir haben uns alle ins Gesicht geschaut und gesagt: Es gibt nur einen Weg - rausgehen und richtig kämpfen", verriet Bittencourt. Zieler ergänzte: "Wir saßen in der Kabine und haben uns gesagt, dass wir uns vor eigenem Publikum nicht so abschlachten lassen dürfen. Das geht einfach gar nicht."

Slomka: "Es geht nicht um mich"

Laut wurde es dabei übrigens nicht: "Es bringt keinen weiter, sich gegenseitig anzubrüllen. Man muss sachlich ein, zwei Dinge ansprechen, und das haben wir getan." Sachlich blieb offenbar auch der in die Kritik geratene Slomka, der seinem Team in der Kabine klarmachte, dass es auf dem Platz nicht um ihn, sondern den Verein Hannover 96 gehe.

Für 96 präsentierte man sich in der zweiten Hälfte dann kämpferischer, ohne dabei ein Feuerwerk abzubrennen. Nach einem schönen Solo von Szabolcs Huszti stellte Bittencourt schließlich auf 1:3. Eine Stunde war da gespielt, kurz zuvor traf Nürnbergs Daniel Ginczek die Latte und verpasste damit die Entscheidung. "Noch ein Gegentor wäre der Genickschlag gewesen", war sich Bittencourt bewusst. Dieses Gegentor hätte auch nach Bittencourts Treffer durchaus fallen können, die Gäste konnten ihre Chancen aber nicht nutzen.

Blackout des Schiri-Gespanns

Im Gegensatz zu Mame Diouf, der in der 87. Minute den Anschlusstreffer erzielte - unter gütigster Mithilfe des Schiedsrichters. Der Senegalese stand vor dem 2:3 nachgemessene 1,90 Meter im Abseits, die Fahne des Linienrichters blieb jedoch unten - zum Entsetzen der Nürnberger, die so kurz vor ihrem ersten Saisonsieg standen und sich nicht zuletzt aufgrund einer zweifelhaften Schiedsrichterentscheidung am Ende mit einem Punkt begnügen mussten.

Denn in der Nachspielzeit war nach einer Freistoß-Hereingabe erneut Diouf zur Stelle, dessen Ausgleichstor vom 96-Team frenetisch gefeiert wurde, eine kaputte Werbebande inklusive. "Dass es noch zum 3:3 gereicht hat, ist natürlich großartig", freute sich Bittencourt. "In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass wir es können." Aber: Gegen den Tabellen-17. Nürnberg ist ein Remis "zu wenig", befand nicht nur Zieler. Trotzdem "hat die Mannschaft Charakter und Moral gezeigt". Dieses Positiv-Erlebnis will man nun "mitnehmen in die nächste Woche - auch wenn wir zwei Punkte verloren haben".

Am letzten Spieltag der Hinrunde tritt Hannover am nächsten Samstag beim SC Freiburg an. Um die 20 Punkte, die man nach der Negativ-Serie zuletzt als neues Ziel ausgegeben hat, zu erreichen, braucht es im Breisgau schon einen Dreier. Den könnte auch Mirko Slomka gut gebrauchen - sonst dürfte es für ihn noch ein wenig ungemütlicher werden.

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