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Arsenals Mesut Özil oder Chelseas Oscar sind neue Idealtypen des "Zehners". Mittlerweile müssen offensive Mittelfeldspieler mehr mannschaftstaktische Qualitäten aufweisen.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Gerne werden Spieler wie Juan Roman Riquelme oder Zinedine Zidane als die letzten wahren Zehner bezeichnet. Mit dieser These geht einher, dass ein Zehner vor allem von seinen individuellen Qualitäten lebte und weniger im mannschaftstaktischen Gefüge brillierte. Sicherlich steckt in dieser Aussage eine Erkenntnis der letzten Jahre.

Defensivarbeit ist vermehrt gefordert

Trotzdem ist die Zehn in erster Linie eine Bezeichnung für die zentrale Offensivposition im Mittelfeld und diese hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert, ist ambivalenter geworden. Das fängt bereits beim Spielsystem an. Die Mittelfeldraute mit klassischer Zehnerspitze ist am Aussterben. Viele Teams setzen auf eine 4-2-3-1-Grundformation beziehungsweise auf Abwandlungen dieser Form. Insofern ergeben sich defensiv wie offensiv neue Mechanismen. Einerseits befindet sich nur noch eine nominelle Spitze vor dem zentralen Spieler, andererseits verlangen viele taktische Aspekte stärkere Pressingtätigkeiten und Verschiebungen gegen den Ball.

Zahlreiche Mannschaften setzen auf ein 4-4-2-Pressing. In diesem Fall rückt der Zehner neben die Spitze und läuft gleichmäßig oder auch versetzt den gegnerischen Spielaufbau an. Insofern hat sich neben dem allgemeinen Übergang zu intensiverem Pressing auch die Aktivität des Zehners in diesen Situationen verändert. In tieferen Zonen kann oder muss er sogar näher an die Sechser heranrücken und beispielsweise ein situatives 4-3-3 bewirken. Im Gegenzug kann durch die tiefere Position auch ein abgesichertes Aufrücken der defensiven Mittelfeldspieler in manchen Szenen bewirkt werden, ohne dass die Kompaktheit an sich verloren geht. Diese Ambivalenz bildet in vielen modernen Mannschaften mittlerweile das Aufgabenspektrum eines so genannten Zehners.

Strategen in der Tiefen

Statische Spieler wie der bereits erwähnte Riquelme oder selbst ein Wesley Sneijder sind in vielen Systemen nicht mehr gefragt. Es geht zugleich nicht mehr ausschließlich darum, den entscheidenden letzten Pass zu spielen. Ein Paradebeispiel dafür ist Toni Kroos. Der Bayernspieler agiert unter Pep Guardiola in der Regel im Halbraum und übernimmt Bälle tiefer. Er entscheidet mit präzisen Pässen, wie der jeweilige Angriff in seiner Finalität auszusehen hat. Natürlich gibt es auch Schnittstellenpässe als direkte Assists. Diese sind aber eher die Seltenheit.

Kroos steht insofern für einen strategischen Spielmacher, der aber viel tiefer agiert. Dies ist eine weitere wichtige Facette. Der kreative Sechser a la Ilkay Gündogan hat merklich an Wert gewonnen. Der hohe Spielaufbau und die ersten Bälle beeinflussen in vielen Teams die Offensivvorträge viel deutlicher als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Dies spricht wieder gegen die klassischen Zehner und vielmehr für agile zentrale, offensive Mittelfeldspieler.

Auch Arsenals Topzugang Mesut Özil hat sich in diesem Bereich weiterentwickelt. Unter Jose Mourinho musste er häufiger in einer 4-3-3-Formation auf den Flügel gehen und schien da des Öfteren verloren sowie ohne richtige Anbindung. Unter Arsene Wenger häufen sich in manchen Partien die Bewegungen auf die Außenbahnen, wenn er sogleich mit dem Zehnertypen Tomas Rosicky rochiert. Özil wirkt variabler und verkörpert in diesem Spiel auch einen neuen Typus.

Hinzu kommen Qualitäten, die in ballferneren Positionierungen von Bedeutung sind. Vielfach fungieren die zentralen Offensivakteure zum Lücken reißen, indem sie den Zehnerraum verlassen und beispielsweise in die gegnerische Viererkette vorstoßen und damit die Abwehrspieler binden und zugleich für einrückende Außenspieler oder vorrückende Sechser freie Zonen schaffen.

Schlussendlich sollte man mit dem Begriff "modern" vorsichtig sein. Im Endeffekt muss die Interpretation einerseits systemorientiert und andererseits natürlich erfolgsorientiert sein. Wenige Teams haben noch quasi isolierte Spieler, die im Offensivbereich Freirollen einnehmen dürfen und sich von der restlichen Mannschaft abkoppeln. Vielmehr ist der moderne Zehner entweder ein guter Verbindungsspieler, ein variabler Offensivakteur oder auch ein strategischer Anführer.

Was unterscheidet Mesut Özil von Oscar? Und welchen Spielertyp verkörpert BVB-Regisseur Henrikh Mkhitaryan? Lest am Freitag bei Goal die Vorstellung verschiedener Zehnertypen!

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