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Das elektrisierende Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ist in aller Munde. Welche Aspekte könnten das Gipfeltreffen entscheiden?

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Der Showdown im deutschen Fußballs steht vor der Tür: Am Samstagabend werden Borussia Dortmund und Bayern München im Signal-Iduna-Park aufeinander treffen. Einige Faktoren könnten für den Liga-Gipfel von spielentscheidender Bedeutung sein.

1. Dortmunds neue Viererkette

Die Verletzungen von Mats Hummels und Marcel Schmelzer verändern die Ausgangsposition signifikant. Die letztjährige Viererkette steht nicht zur Verfügung - dies wird die Defensiv-Arbeit beeinflussen. Wenngleich noch nicht klar ist, welche Konstellation Jürgen Klopp wählen wird, fehlt auf alle Fälle die wettkampferprobte Abstimmung zwischen dem zentralen Pärchen sowie den jeweiligen Innen- und Außenverteidigern.

Hinzu kommt das Zusammenspiel zwischen Viererkette und den Spielern auf der Doppel-Sechs, wo wichtige Deckungszonen stets fokussiert werden müssen. Gerade in den Zwischenlinien- und Halbräumen kann Bayern München durch das variable Spiel gefährlich werden. Unbesetzte Zonen infolge von falschen ballnahen wie ballfernen Bewegungen könnten den BVB auf die Verliererstraße bringen.

2. Bayerns fluides Mittelfeld

Pep Guardiola überrascht gerne mit unterschiedlichen Aufstellungen und bringt dadurch neue Elemente ein. Mit Philipp Lahm auf der Sechs wirkte das zentrale Dreier-Mittelfeld sehr fluide. Javi Martinez spielt seinerseits positionsorientierter. Beide bringen die notwendige Pressing-Resistenz mit, die gegen Dortmund von Bedeutung sein wird. Insgesamt ist die bayrische Ballzirkulation in jeder Konstellation überragend und schwierig konstant über 90 Minuten zu verteidigen.

Die Achter bewegen sich sowohl horizontal wie vertikal und bieten sich immer wieder in neuen Räumen an. Hinzu kommt, dass beispielsweise auf der linken Seite David Alaba und Franck Ribery durch ihre auf- und einrückenden Bewegungen Platz für Toni Kroos schaffen, der unbewacht eine große Waffe aufgrund seiner Qualitäten ist. Es wird für Dortmund schwer zu bewerkstelligen sein, einerseits die Passwege zu bewachen, andererseits mannorientiert an den Offensivspielern zu bleiben und zugleich Druck auf die Ballführenden auszuüben.

3. Kann Nuri Sahin seinen Stempel aufdrücken?

Der Ausfall von Hummels wird auch auf Nuri Sahin großen Einfluss nehmen. Es hätte sich sowieso die Frage gestellt, inwieweit Sahin das Spiel mitbestimmen kann. In den letzten Wochen hat er an Gefährlichkeit klar gewonnen. Hing er nach seiner Beförderung in die Startelf zunächst häufig sehr tief und spielte folglich eher ungefährlichere Zuspiele in die Offensive, hat Sahin mittlerweile eine bessere Anbindung gefunden. Er geht mehr Box-to-Box und brilliert verstärkt mit vertikalen Pässen in die Schnittstellen. Trotzdem ist er in der Zentrale häufig auf sich alleine gestellt.

Bender konzentriert sich aufgrund seines inkonstanten Offensivspiels mehr auf absichernde Aufgaben und bewegt sich nicht allzu stark in der Vertikale des Feldes. Mit Hummels fällt nun noch der etatmäßige spielaufbauende Innenverteidiger aus, der es in der Regel unnötig machte, dass Sahin zwischen die beiden zentralen Abwehrspieler kippen musste. Dies wird er aber am Samstag häufiger tun müssen, was auf der anderen Seite die Wege nach vorne vergrößert. Insofern wartet eine Mammutaufgabe auf den Türken.

4. Bayerns Flügel und Guardiolas Anpassungen

Zu Guardiolas Neuerungen gehören mitunter die veränderten Aufgaben der Flügelspieler sowie zeitweilige Anpassungen während des Spiels. Obwohl Ribery verletzt ausfällt, hat der Trainer mit Arjen Robben, Mario Götze und Thomas Müller verschiedene Optionen für die nominellen Flügelpositionen. Zudem ist Letzterer dafür geeignet diagonal in die Mitte zu ziehen und etwa mit Mario Mandzukic zu rochieren. Häufig ziehen die Flügelspieler ins Zentrum, erzeugen so Zugriffsprobleme bei den gegnerischen Außenverteidigern. Hinzu kommen die eigenen aufrückenden Außenverteidiger, die höher stehen. Nimmt man noch die Rochaden mit Kroos oder einem anderen Achter hinzu, bieten sich zahlreiche situative Optionen, die in den vergangenen Partien genutzt wurden.

Sofern Dortmund in der Mitte mit Pressing gut dagegen hält und Vertikalpässe erschwert, könnte Guardiola auf verstärktes Flügel- und Halbraumspiel setzen. Dazu würden die Achter in einigen Szenen herausrücken, während die Außenverteidiger Überzahlsituationen schaffen oder in den Halbraum eindringen. In jedem Fall würde Bayern die Statik verändern sowie das Pressing des Konkurrenten auf den Außenbahnen erschweren. Da beim BVB die personelle Situation auf der Linksverteidiger-Position prekär ist, könnte man zusätzlich die fehlende Abstimmung ausnutzen.

5. Hat der BVB einen Plan B?

Bei den letzten Niederlagen der Dortmunder fiel auf, dass es der Mannschaft von Jürgen Klopp häufiger an einem Alternativplan fehlte, sofern die Borussen nicht die gewünschte Durchschlagskraft erzeugten oder in Rückstand gerieten. Die Mannschaft wurde ungeduldig und rückte zuweilen unkontrolliert auf. Gegen Teams, die die Zonen im Drittel vor dem eigenen Tor gut bewachen, hat Dortmund mit seinen geradlinigen Spielern Probleme. Kombinationen laufen zumeist nur über Reus oder Mkhitaryan.

Sollte der BVB gegen die Bayern in Rückstand geraten, darf die Mannschaft nicht die Nerven verlieren und muss weiter geduldig Pressing- und Gegenpressing-Situationen herbeiführen sowie gegen eine geordnete Defensive Kombinationen in den Halbräumen suchen. Andernfalls wird Bayern eine Führung in der Regel souverän verteidigen können.

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