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Im Sommer holte der BVB Mkhitaryan für den zu den Bayern abgewanderten Götze. Der Armenier deutete hier und da sein Können an. Kann er aber seinen Vorgänger vergessen machen?

ANALYSE
Von Arthur Makiela

Am Samstagabend kommt es zum mit Spannung erwarteten Bundesliga-Gipfeltreffen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Es ist nicht nur die Rückkehr von Mario Götze an die alte Wirkungsstätte, sondern auch das erste Aufeinandertreffen mit Nachfolger: Henrikh Mkhitaryan.

Aus diesem Anlass nimmt Goal die Dortmunder Ausrichtung unter die Lupe. Wie hat sich das Spiel in dieser Saison gewandelt? Welche Qualitäten bringt der neue Zehner mit? Und die Frage aller Fragen: Konnte die durch den Abgang von Götze entstandene Lücke geschlossen werden?

Bereits nach Bekanntgabe des Transfers tönte Jürgen Klopp erwartungsfroh: "Wir hätten noch viel mehr für ihn bezahlt, so sehr wollten wir ihn." Der Erfolgsmacher schob hinterher: "Micki ist ein kompletter Spieler, er hat ein überragendes Auge - wie die Jungs halt kicken, die so teuer waren."

"Was er anbietet, ist das, was wir brauchen"

Klopp schürte die ob der Rekordablöse ohnehin riesige Erwartungshaltung - doch während der Vorbereitung musste der armenische Nationalspieler einen herben Rückschlag einstecken: Beim Testspiel gegen den FC Luzern (4:0) zog er sich einen Syndesmosebandanriss zu und fiel somit vier Wochen aus.

Zwar verpasste er den Saisonbeginn mit dem Supercup-Titel gegen Bayern, nach den ersten Einsätzen war jedoch klar: "Henrikh passt hier rein wie die Faust aufs Auge oder der Arsch auf Eimer. Was er anbietet, ist das, was wir brauchen", fasste Klopp die Leistungen zusammen. Zu diesem Zeitpunkt sprach bereits keiner mehr in Dortmund von Mario Götze.

Dass der Abgang des "Wunderkindes", wie Matthias Sammer ihn einst nannte, schmerzhaft war und beim schwarzgelben Fanlager auf sehr wenig Gegenliebe stieß, hängt nicht zuletzt mit dessen neuen Arbeitgeber zusammen – ausgerechnet dem Erzrivalen Bayern München.

Ähnliche Spielertypen mit kleinen Unterschieden

Die BVB-Verantwortlichen ließen sich lange Zeit bei der Verpflichtung eines Götze-Nachfolgers, die Wahl fiel schließlich auf Mkhitaryan. Spielerisch besitzen beide ähnliche Anlagen. Zwar sind sie offiziell in der Zentrale auf dem Aufstellungsbogen zu finden, doch sind beide in der Offensive meist überall zu finden.

Gerne weichen sie auf die Flügel aus, um Gegner aus dem Zentrum zu locken oder aber, um dem Bewacher zu entgehen. Sowohl Götze als auch Micki haben hervorragende technische Fertigkeiten, scheuen sich nicht davor, in Eins-gegen-Eins-Duelle zu gehen. Gewährt man ihnen Platz und lässt sie laufen, sind beide kaum mit regulär geführten Zweikämpfen zu stoppen.

"Mario ist ein toller Spieler. Aber ich bin nicht zur Borussia gewechselt, um ihn zu ersetzen. Wir haben unterschiedliche Arten zu spielen. Ich werde versuchen, noch wertvoller für das Team zu sein."

- Mkhitaryan gegenüber der russischen Zeitung Sport-Express

Der deutsche Nationalspieler hatte beim BVB häufig den Drang, auf die rechte Außenbahn auszuweichen. Micki findet sich selten ganz außen an der Seitenlinie wieder. Sein Spiel ist eher auf die Mitte konzentriert, von wo aus er seine Pässe an die Mitspieler bringt.

Enorme Laufbereitschaft

Mario Götze spielte in Dortmund die verschiedensten Offensivpositionen. Egal, ob als Flankenläufer oder als "falsche Neun": Er überzeugte mit Flexibilität, die selbst bei Bundestrainer Jogi Löw Beachtung fand – siehe das Spiel gegen Italien. Tendenziell bewegte sich Götze eher in der gegnerischen Hälfte, wo er ein Teil der "Pressingmaschinerie" war.

Micki ist seinem Vorgänger in diesem Punkt ähnlich. Auch der 24-Jährige attackiert früh den ballführenden Gegenspieler. Doch investiert er mehr Energie und Kraft, was deutlich an den Laufwerten festzumachen ist – siehe Tabelle. Selbst die weiten Wege nach hinten scheut er nicht, weiß sich auch per Grätsche zu helfen.

Dennoch haben Götze wie auch Mkhitaryan erhebliche Schwachstellen: Flanken und Zweikämpfe. Sie sind trotz ihrer technischen Grundlage den meist robusten Defensivspielern unterlegen.
 Stefan Döring
BVB-Experte bei Goal Deutschland
"Mkhitaryan hat nach anfänglichen Problemen in die Mannschaft gefunden. Besonders in den ersten Wochen war ihm anzumerken, dass die Bundesliga doch ein härteres Pflaster als die ukrainische Liga ist. Doch inzwischen ist er aus dem BVB-Spiel nicht mehr wegzudenken.

Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel und seine Pässe sind ein einziger Traum. Er hat eine Spielübersicht sowie ein technisches Vermögen, wie es nur ganz wenige Bundesligaspieler haben. Götze ist in Dortmund schon lange vergessen. Mkhitaryan ist vielseitiger als der deutsche Nationalspieler. Schlussendlich hat die Borussia nach seinem Abgang an Qualität gewonnen, nicht verloren, wie es anzunehmen war.

Der Armenier wird der Bundesliga noch viel Freude bereiten und ist ein Herzblut-Borusse, der genau weiß, worauf es beim BVB ankommt. Wenn man bedenkt, dass Lewandowski, Gündogan oder Reus ein gutes Jahr gebraucht haben, bis sie auf dem aktuellen Leistungsniveau waren, können wir von Mkhitaryan noch viel erwarten.“

Perfekter Konterspieler

Götze, Marco Reus und Robert Lewandowski waren in der Vergangenheit meist die BVB-Spieler, die an den Kontern beteiligt waren. Je schneller es ging, desto schwindliger wurde die gegnerische Abwehrreihe gespielt. Exemplarisch dafür steht der 4:1-Sieg gegen Ajax Amsterdam in der letzten Champions-League-Saison. Praktisch im Alleingang schoss das Trio den niederländischen Meister durch drei Kontertore – meist in Unterzahl – ab.

In Sachen Konterspiel muss sich Mkhitaryan nicht verstecken, ganz im Gegenteil. Sein Stil kommt dem mehr als entgegen. Mit Übersicht, Schnelligkeit und Ballbehandlung ist er für das schnelle Umschaltspiel prädestiniert. Zumal er eine solche Ausrichtung von Ex-Klub Schachtjor Donezk kannte und verinnerlicht hat. Mit dem blitzschnellen Konterspiel konnten sich die Ukrainer einen Namen in Europa machen und galten – neben dem BVB – als Geheimfavorit auf den Titel in der Königsklasse. Im Achtelfinale trafen sich beide Teams, mit dem besseren Ende für Dortmund.

Mkhitaryan spielte bei den Schwarzgelben vor, blieb allerdings in beiden Vergleichen blass. Wie stark das Konterspiel ist, konnte man zuletzt beim Derbysieg gegen Schalke bewundern. Der Königstransfer des vergangenen Sommers war an allen drei Toren beteiligt. Besonders beim 3:1 von Jakub Blaszczykowski zeigte er sein ganzes Können. Vom eigenen Strafraum lief er an allen Knappen vorbei, bewahrte am gegnerischen Strafraum die nötige Übersicht und legte auf den heraneilenden Polen quer.

DER DIREKT-VERGLEICH
Henrikh Mkhitaryan
Mario Götze
vs
24 ALTER
21
 SAISON 2013/14  BUNDESLIGA-LEISTUNGEN  SAISON 2012/13
10 EINSÄTZE 28
808 MINUTEN
2016
3 TORE 10
5 ASSISTS
13
269 MINUTEN/TOR 202
40 % ZWEIKÄMPFE 48 %
11,1 km (Ø) LAUFLEISTUNG 9,7 km (Ø)
28,5 (Ø)  SPRINTS 18,3 (Ø)
78 % PÄSSE 84 %

Dennoch sind die Leistungen von Mkhitaryan als unbeständig zu bewerten. Einerseits ist dies der Verletzung zum Saisonauftakt geschuldet, als er die wichtige Eingliederungsphase verpasste. Andererseits dem Niveau der Bundesliga, an das er sich erst gewöhnen muss. Sein Genie ließ er aber mehrfach aufblitzen und brilliert mit herausragenden Zuspielen.

Die klaffende Lücke nach dem Götze-Abgang konnte der BVB ausfüllen – und gar an Qualität zulegen. Zwar sprechen die nackten Zahlen für seinen Vorgänger, doch der 27,5-Millionen-Mann ist auf bestem Wege, jene zu erreichen. Ganz nach dem Motto: "Statistiken sind kein Ersatz für das eigene Urteil."

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