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"Aus dem Jungen wurde ein Mann" - Wie die Schweden Zlatan Ibrahimovic lieben lernten

Mit seiner kontroversen Art passt Zlatan Ibrahimovic nicht so recht zu den Werten seiner Landsleute. Doch er ist gereift und nun lieben ihn endlich auch die Schweden.

KOMMENTAR
Von Mark Doyle

In der vergangenen Woche wurde Zlatan Ibrahimovic gefragt, ob Schweden das Playoff der WM-Qualifikation gegen Portugal gewinnen werde. "Das weiß nur Gott", antwortete er. Der Reporter entgegnete, dass es wohl schwer sei, von dem eine Antwort zu diesem Thema zu bekommen. Und der Stürmer sagte: "Aber nein. Er steht ihnen gerade gegenüber."

Ibrahimovic ist dafür bekannt, bisweilen arrogante Antworten zu geben. Er hat eine extrem hohe Meinung von sich und die Öffentlichkeit liebt und verabscheut ihn gleichermaßen. Auch in seiner Heimat war er lange Zeit ein Charakter, der die Meinung der Bevölkerung gespalten hat.

Zlatan schaute sich nie Schweden an

Viele Schweden haben noch gute Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 1994. Auch Zlatan Ibrahimovic, allerdings in einem ganz anderen Sinne: Währen die Schweden sich an den Heldentaten von Kennet Andersson, Tomas Brolin und Martin Dahlin in den USA ergötzten, schwärmte der zwölf Jahre alte Ibrahimovic von den brillanten Brasilianern Bebeto, Rai und Romario.

Als sich beide Länder in der Gruppenphase und später im Halbfinale gegenüberstanden, schaute er nur zu, weil Tommy Svenssons Mannschaft sich mit der Selecao duellierte. Im vergangenen Jahr gestand er: "Ich schaute mir Schweden nicht an. Ich habe mir nie Schweden angeschaut. Aber ich liebte Brasilien. Sie waren anders."

IBRAHIMOVICS SCHWEDEN-STATISTIK
Jahr
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Spiele
5
10
4
12
5
6
7
7
6
4
11
8
9
Tore
1
2
3
8
4
0
0
2
2
3
3
11
7
Rückblickend überrascht es kaum, dass Ibrahimovic sich so gut mit der Extravaganz und der Freiheit der Brasilianer identifizieren konnte. Die Tatsache, dass ihn das schwedische Team nicht interessierte, unterstreicht aber auch die Distanz zwischen ihm und dem Land, in dem er aufwuchs.

Als Sohn von Einwanderern verbrachte er seine Kindheit in einem Problemviertel Malmös. Ibrahimovic fühlte sich dort wie ein Außenseiter und er fühlte sich nicht wirklich "schwedisch". Er verhielt sich auch nicht so, wie man es vielen Schweden nachsagt und so hatten auch die Fußballfans so ihre Problem mit dem besonderen Talent, das offensichtlich ganz genau wusste, wie besonders es war.

"Die Schweden erkannten, dass er keiner von ihnen war", erklärt Journalist Svend Bertil Frandsen. “Wir laufen nun einmal nicht mit herausgestreckter Brust herum und rufen: 'Schaut mich an, ich bin fatastisch.'"

"Außerdem: Wenn er das Gefühl hat, dass etwas falsch ist, dann sagt er es. Und er sagt es laut. Das ist völlig gegen die skandinavische Mentalität. Die Menschen hier sind viel diplomatischer", so Frandsen weiter.

Das streitbare Wesen des Angreifers führte zwangsläufig auch zu Stress innerhalb der Nationalmannschaft. Weil er vor einem Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2008 die Sperrstunde überzogen hatte, schickte ihn Trainer Lars Lagerbäck nach Hause. Ibrahimovic war stinksauer und weigerte sich, die folgenden drei Partien zu bestreiten. Erst im März 2007 beendete er seinen Streik.

Zwei Jahre später kehrte er seiner Nationalelf den Rücken. Nach der verpassten Quali für die WM 2010 verkündete er frustriert: "Es war mir eine Ehre. Aber auf absehbare Zeit werde ich nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen. Mir fehlt die Motivation." Und weiter: "Es stehen keine wichtigen Spiele oder eine Weltmeisterschaft an. Es wäre nur das Verschwenden von Energie für nichts. Ein Opfer ohne Grund."

Nach der Rückkehr auf Anhieb Kapitän

Das Verhalten des einzigen Weltklassespielers in Reihen des schwedischen Teams wurde kontrovers diskutiert. Viele Fans fühlten sich, als habe er sie verlassen, als sie ihn am meisten brauchten. Dementsprechend konsterniert waren sie auch, als er nach einem Jahr zurückkehrte und der neue Trainer Erik Hamren ihm sofort die Kapitänsbinde überreichte.

Mittlerweile ist es Ibrahimovic gelungen, auch die Anhänger für sich zu gewinnen, die zuvor nicht mit ihm warm geworden waren. Dabei half natürlich seine Masse an Tore: Allein im Jahr 2012 gelangen ihm elf Treffer. Er betonte außerdem, er spiele "für die Fans" und Frandsen hält seine mittlerweile erlangte Reife für den wesentlichen Faktor: "Die öffentliche Meinung über ihn in Schweden hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Er ist nicht mehr so streitsüchtig wie einst. Er hat eine Frau, er hat Kinder und er geht viel entspannter mit Journalisten um. Er ist gereift. Ich denke, die Schweden sehen ihn nun als Jungen, der endlich zum Mann geworden ist."

Es wäre keine Überraschung, wenn die Fans seiner Aufforderung nachkommen und Portugal am Dienstagabend in der Friends Arena einen höllischen Empfang bereiten. Sie wissen, dass Ibrahimovic noch immer nicht so ganz wie sie ist, aber sie wissen, dass er nun einer von ihnen ist.

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