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Nach dem Ausfall von Neven Subotic stehen nur noch Mats Hummels und Sokratis als gestandene Innenverteidiger im Kader. Goal kennt mögliche Varianten.

ANALYSE
Von Stefan Döring

42 Minuten waren in der Volkswagen-Arena zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg gespielt, dann blieb Neven Subotic nach einem Zweikampf mit Ivica Olic auf dem Feld liegen. Was sich kurz vor der Pause schon andeutete, war ein paar Stunden später bittere Gewissheit: Der Serbe hat sich das Kreuzband gerissen - doppelt!

Als wäre die Woche nach den Niederlagen in der Champions League gegen den FC Arsenal und gegen die Wölfe für den BVB nicht schon bitter genug verlaufen, schockte die Hiobsbotschaft um Subotic nicht nur die Fans, sondern auch die Verantwortlichen. Nun drängt sich die Frage auf, ob der Kader tatsächlich breit genug aufgestellt wurde.

Zwar rückt mit Sokratis ein bundesligaerprobter Innenverteidiger in die Startelf neben Mats Hummels, doch wer steht als möglicher Ersatzspieler parat? Da wären noch Marian Sarr und Koray Günter – der eine 18, der andere 19 Jahre alt. Kurzfristige Alternativen sind vertragslose Spieler. Im Januar könnte der BVB dann auf dem Transfermarkt nachlegen. An dieser Stelle beleuchtet Goal mögliche Szenarien.

Jungprofis bereits im Kader

Der BVB hat in der Hinrunde noch acht wichtige Partien vor der Brust. Zwei davon in der Champions League, eines im DFB-Pokal und fünf in der Bundesliga. Da liegt es nahe, dass die Abwehrzentrale mit zwei Spielern relativ dünn besetzt ist. Wenn einer der Stammspieler ausfallen sollte, wären Saar sowie Günter gefordert. Beide sind zwar talentiert, doch bei Dortmund will man nichts überstürzen. Junge werden behutsam an das Team herangeführt. Da wäre es wohl der falsche Weg und Zeitpunkt, die beiden in das unruhige Fahrwasser Bundesliga zu werfen.

Günter stand aufgrund von Verletzungen im Oktober nur 28 Minuten auf dem Platz, braucht nun Zeit aber vor allem Spielpraxis, um sich wieder in Stellung zu bringen. Sarr hingegen ist mit seinen 18 Jahren immer noch für die A-Jugend spielberechtigt und gerade dabei in der dritten Liga Fuß zu fassen. Trotz des großen Talents würde ein Platz im Kader der ersten Mannschaft wohl noch zu früh kommen. Kurzfristig muss also eine andere Möglichkeit gefunden werden.

SARR im Vergleich mit GÜNTER

30 Januar 1995 (18) GEBURTSDATUM
16 August 1994 (19)
1,87m GRÖßE 1,85m
noch ohne Einsatz ERSTES BUNDESLIGASPIEL
5.10.2013 gegen Gladbach
10 3. LIGA-SPIELE 22
500.000 Euro MARTKWERT 500.000 Euro
2012 IM VEREIN SEIT
2008
JA U-NATIONALSPIELER JA

Jene scheint seit Dienstag gefunden: Manuel Friedrich. Der BVB zieht ernsthaft ein Engagement in Betracht. Er trainierte bereits zweimal mit der Mannschaft und wirkt in keinem schlechten sportlichen Zustand. Zuletzt hielt sich der 34-Jährige bei Rot-Weiß Oberhausen fit und wollte im Januar eigentlich nach Bangkok gehen. Nun lockt also die Champions League in Dortmund.

Neben der Erfahrung ist auch die Situation des Abwehrhünen - er ist vertraglos - ein großer Vorteil für Jürgen Klopp. Er kennt ihn aus der gemeinsamen Zeit beim FSV Mainz sehr gut. Fußballerisch bringt Friedrich auch das nötige Rüstzeug mit. Er ist athletisch und versteht was vom Spielaufbau, ist robust und kopfballstark. Wird er für fit befunden und einigen sich beide Parteien auf einen Vertrag, könnte er bereits gegen Bayern München im Kader stehen. Er wäre die schnelle Lösung.

Friedrich und Owomoyela: Geballte Erfahrung

Ein weiterer vertragsloser Spieler trainiert seit Anfang der Saison bei der Borussia mit. Es ist der altbekannte Patrick Owomoyela. Nach fünf Jahren und einigen Verletzungen war im Sommer kein Platz im Lizenzkader der Dortmunder, doch er hat nach wie vor viele Freunde im Verein und hält sich auch deshalb dort fit. Nun könnte seine große Chance auf einen neuen Vertrag kommen. Er scheint fit und relativ beschwerdefrei zu sein. Sein großer Vorteil ist, dass er die Strukturen, Laufwege und den Kader gut kennt. Er bräuchte keine Anlaufzeit, hat in Dortmund bereits auf der Innenverteidiger-Position gespielt. Zudem bringt er Erfahrung mit, war Nationalspieler und kennt die Liga bestens. Das Problem bei ihm wie auch Friedrich ist allerdings, dass beide nicht für die Champions League spielberechtigt sind.
"Er ist ein sehr anpassungsfähiger Spieler und ein sehr netter, hochintelligenter Mensch."
                  
Jürgen Klopp über Friedrich


Beide Kandidaten wären in jedem Fall nur kurzfristige Hilfen, haben sie doch mit 34 Jahren ein stolzes Alter, in dem die meisten Spieler über die Karriere nach der Karriere nachdenken. Im Januar könnte der BVB dann auf dem Transfermarkt nachlegen, schließlich fällt Subotic auch noch die gesamte Rückrunde aus. Fabian Schär aus Basel, Fallou Diagne, Matthias Ginter (beide Freiburg) und Tomas Kalas (FC Chelsea) werden von diversen Medien in Dortmund ins Spiel gebracht.

Alle vier Spieler sind hochtalentiert und ähnlich veranlagt wie Neven Subotic: Kopfballstark, ballsicher, robust. Diagne ist mit 24 Jahren der Älteste des Quartetts. Ginter ist 19, Kalas 20 und Schär 21 Jahre alt. Die Marktwerte der Spieler bewegen sich laut Transfermarkt.de zwischen fünf und sieben Millionen Euro, allerdings haben alle noch einen langfristigen Vertrag und wären dementsprechend teuer. Zweifelhaft, ob Borussia Dortmund solche Summen im Winter für einen weiteren Innenverteidiger in die Hand nehmen würde. Schließlich suchen die Borussen "nur" einen Ersatz für sechs Monate. Schließlich will Subotic "stärker als zuvor" aus seiner Verletzungspause zurückkommen.

Auch würde man den jungen Hoffnungen ein falsches Signal senden. Wenn Subotic wieder zurückkehrt, wäre neben Hummels und Sokratis ein weiterer Innenverteidiger auf der Gehaltsliste. Sarr und Günter würden die Plätze fünf und sechs einnehmen. Unwahrscheinlich, dass Michael Zorc und Co. so handeln wird, hält man in Dortmund doch große Stücke auf die beiden.

Talente an die Bundesliga heranführen

Wenn man sich diese Varianten vor Augen hält, macht eine Verpflichtung von Manuel Friedrich am meisten Sinn – sollte er fit sein. Neben den bereits genannten Gründen kennt er die Bundesliga sehr gut, stieg mit Mainz 05 auf, spielte bei Werder Bremen sowie Bayer Leverkusen. Er verfügt über internationale Erfahrung, spielte in der Champions- und Europa-League und hatte Einsätze in der Nationalmannschaft.

Ein Mann seiner Erfahrung wäre eine absolute Bereicherung für die Mannschaft. Überdies wäre es bestimmt eine Überlegung wert, auch Patrick Owomoyela einen Vertrag bis zum Saisonende anzubieten. Er würde sich einerseits freuen, wenn er noch einmal im schwarz-gelben Trikot auflaufen könnte, schließlich gehört er zu den Publikumsliebling. Hinzu kommt, dass er quasi Teil des Teams ist, nur bislang ohne Arbeitspapier.

Eine weitere Verpflichtung im Januar könnte so nahezu ausgeschlossen werden. Außerdem hätte man in der Rückrunde die Gelegenheit, seine Talente weiterhin langsam an die Bundesliga heranzuführen.

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