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Er galt als einer der besten Verteidiger der Welt, mittlerweile unterlaufen ihm regelmäßig Fehler. Der Negativtrend begann bereits im letzten Jahr unter Pep Guardiola.

SPECIAL REPORT
Von Ben Hayward

Sein Formtief gibt Anlass zur Sorge. Er galt mal als einer der stärksten Abwehrspieler überhaupt und wurde als künftiger Kapitän des FC Barcelona gehandelt. Doch seit Monaten wirkt Gerard Pique unbeholfen, teils nur noch wie ein Schatten seiner selbst.

Piques Probleme begannen in Pep Guardiolas letzter Spielzeit bei den Katalanen. Beide pflegten zuvor ein exzellentes Verhältnis, doch dem Trainer missfiel zunehmend die Einstellung seines Schützlings in punkto Training. Je inniger dessen Beziehung zu Shakira wurde, desto mehr ließ er die Dinge schleifen.

Pique verliebte sich in eine der glamourösesten Sängerinnen der Welt, seine Liebe zum Fußball nahm indes ab. Guardiola versuchte mit aller Macht, Pique wieder an Bord zu holen. Mit wenig Erfolg: Immer wieder ließ sich das Sorgenkind zu unprofessionellem Verhalten hinreißen.

Der Trainer macht sich Sorgen

Pique und Shakira posteten Fotos vom Wildwasser-Rafting. Eine Aktivität, die den Spielern der Blaugrana vertraglich verboten ist. Das war im Sommer 2011. Und in der Winterpause kursierten Schnappschüsse des Pärchens vom Jetski-Fahren in Miami, etwas, das im Camp Nou eigentlich ebenfalls nicht geduldet wird.

Guardiola, eigentlich ein medienfreundlicher Betreuer, hoffte, dass seine Spieler dem Blitzlicht widerstehen können. Piques Aktivitäten bereiteten ihm daher zunehmend Sorgen, schließlich missachtete dieser in der Freizeit die Regeln. Vor dem Champions-League-Spiel bei Bayer Leverkusen parkte Pique sein Auto in Eile auf einer Busspur und ließ es mit offener Tür zurück. Auch das kam beim strengen Coach nicht gut an.

Es führte dazu, dass es Gerüchte gab, Guardiola habe Detektive auf seine Schützlinge angesetzt, um deren Privatleben zu kontrollieren. In dieser letzten Saison unter dem nunmehrigen Bayern-Matermind absolvierte Pique jedenfalls nur noch 22 Partien in La Liga und fünf Begegnungen in der Champions League.

Unter Tito Vilanova spielte er 2012/13 wieder häufiger, auch beim aktuellen Coach Gerardo Martino zählt er zum Stammpersonal. Dennoch: Nach einigen Muskelverletzungen in den vergangenen Jahren wirkt es, als sei sein Leistungsniveau schon im Alter von 26 Jahren gesunken. Dem Innenverteidiger unterlaufen mehr Fehler als es früher der Fall war. Bisweilen präsentierte er sich langsam und tapsig. Dazu kommt Pech mit Eigentoren wie kürzlich beim 3:1-Erfolg über den AC Mailand in der Königsklasse.



"Wir brauchen Veränderungen"

Das letzte Eigentor unterlief ihm im Frühjahr bei der 0:3-Klatsche daheim gegen Bayern. Ihm missriet ein Klärungsversuch, so dass das Leder im eigenen Kasten einschlug. Nachdem Barcelona insgesamt mit 0:7 das Nachsehen gegen die Münchener hatte, diktierte er in die Notizbücher der Journalisten: "Wir benötigen Veränderungen." Trainer Vilanova sagte dazu: "Der Spieler, der über Veränderungen gesprochen hat, weiß vielleicht nicht, dass eine Veränderung auch ihn betreffen kann..."

Es war allerdings nicht allein Piques Fehler. Barca wurde von den Bayern im Mittelfeld überrannt und auf den Flügeln düpiert. Er selbst musste mit unterschiedlichen Partnern spielen: Darunter Javier Mascherano (kein gelernter Abwehrspieler), Marc Bartra (muss auf ganz hohem Nivau noch Erfahrung sammeln), Adriano (ein Linksverteidiger) und sogar Alex Song (ein Mittelfeldmann). Außerdem entblößten die Außenverteidiger Dani Alves und Jordi Alba immer wieder ihren Flügel.

An der Seite von Klubikone und Kapitän Carles Puyol lieferte Pique die besten Leistungen im Barca-Dress. Mit dem erfahrenen Führungsspieler an seiner Seite war der Ex-Spieler von Manchester United konzentriert und fokussiert. "Oft ruft er 'Geri, Geri, Geri' und ich drehe mich herum und frage 'Was?'. Er antwortet dann "Nichts, ich wollte nur sichergehen, dass du konzentriert bist", erzählte Pique 2011. Eine Anekdota, welche die dynamische Partnerschaft bestens zusammenfasst.

Puyol war auch dafür bekannt, seinem Nebenmann wütend in die Parade zu fahren, wenn dieser beim Stand von 4:0 nachlässig wurde und einen Gegentor verschuldet hatte. Es war genau dieses Antreiben, das Pique brauchte, von dem er profitierte. Auf dem Feld gab Puyol die Instruktionen und außerhalb bestimmte Pep die Richtung.

"Ein Spieler, der zur Bequemlichkeit neigt"

2011/12 verpasste Puyol einen Großteil der Saison und Shakiras Einfluss auf Piques Lebenswandel nahm zu. "Pique ist ein Spieler, der immer wieder angetrieben werden muss. Wenn ihm jemand fehlt, der das übernimmt, neigt er zur Bequemlichkeit", erläuterte eine Quelle nahe des katalanischen Klubs gegenüber Goal. "Es gab einen Punkt, an dem er interessierter am Leben als Berühmtheit, wirkte. Da ließen seine Leistungen nach. Er legte an Gewicht zu und verlor seine Geschwindigkeit. Dazu war er häufiger verletzt. Vielleicht war auch sein Erfolgshunger gestillt, schließlich hatte er schon in jungen Jahren alles gewonnen."

Guardiola hatte in der Tat darüber nachgedacht, Pique zu verkaufen ehe er sich entschied, 2012 bei Barca aufzuhören. Heute gehört der Innenverteidiger zu den Schlüsselspielern in den Plänen seines Vereins. "Die Defensive hatte ein paar Probleme, doch Martino ist mit Piques Vorstellungen zufrieden", sagte die Quelle weiter. "Die Saison ist noch lang und er ist auf dem Weg zur optimalen Fitness."

Im Sommer will Spanien die 2010 gewonnene WM-Krone verteidigen. Pique kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, wahrscheinlich wird er in Brasilien mit Real Madrids Sergio Ramos wie beim EM-Triumph 2012 die Defensivzentrale bilden.

Alvaro Mejia, ehemaliger Abwehrspieler der Blancos, sagte Goal: "Er ist einer der besten spanischen Spieler, hat in den letzten Jahren eine Menge Partien absolviert. Vielleicht hatte er auch deswegen einige körperliche Probleme. Ich bin sicher, dass er für die Weltmeisterschaft wieder in Topform sein wird."

Barcelonas Fans hoffen, dass er schon vorher wieder zu seiner besten Verfassung findet.

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