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Beim BVB konnte Perisic sich nie wirklich durchsetzten. Doch auch nach seiner "Flucht" zu den Wölfen kann der Kroate nur selten konstant gute Leistungen liefern.

Wolfsburg. Am 12. Spieltag der Bundesliga trifft der VfL Wolfsburg auf Borussia Dortmund. Die letzten Aufeinandertreffen beider Teams waren spektakulär und torreich. In der vergangenen Spielzeit konnte der BVB kein Spiel gegen die Wölfe gewinnen. Bei der letzten Begegnung (3:3) avancierte ein Spieler mit zwei Treffern zum "Mann des Tages": Ivan Perisic.

Der Kroate war erst im Winter von Dortmund zum VfL gewechselt und feierte in diesem Spiel seine "persönliche" Genugtuung. Goal.com beleuchtet den Karriereverlauf des beim BVB gescheiterten Mittelfeldakteurs.

Wunschspieler mit allen Qualitäten

Im Sommer 2011 wurde Ivan Perisic für rund fünf Millionen Euro als Königstransfer bei den Dortmundern präsentiert. Der kroatische Nationalspieler kam vom belgischen Erstligisten FC Brügge mit der Empfehlung von 22 Toren in 37 Ligapartien – und dies als Mittelfeldspieler. Zu Recht wurde er zum "Spieler der Saison 2010/2011" in Belgien ausgezeichnet. Eins fiel jedoch bereits da auf: In der Liga glänzte der Kroate, in der Europa League blieb er blass.

Nach der ersten Meistersaison suchte der BVB Alternativen für die Offensive. Perisic passte perfekt in die Anforderung. "Er ist beidfüßig, schnell, strategisch nicht unbegabt und hat einen starken Kopfball", schwärmte Jürgen Klopp bei der Verpflichtung. Sportdirektor Michael Zorc bezeichnet ihn als "sinnvolle Verstärkung". Die Borussen nahmen erstmals seit langer Zeit viel Geld in die Hand, um auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Für den Perisic-Deal ging der BVB bis an die "finanziellen Grenzen", so Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Ivan Perisic | Vereinsdaten
Saison Einsätze (Startelf)
Tore Vorlagen Ein-/Auswechslung
Spielminuten
2010/11 46 (43) 22 10 3/7 3787
2011/12 41 (11) 9 6 30/3 1552
2012/13 34 (15)  5  2  19/8  1413
           
2012/13 (BVB) 23 (8) 3 1 15/3  871
2012/13 (VfL) 11 (7) 2 1 4/5  542
*Daten von transfermarkt.de

Potential blitzt hier und da auf


Daher waren die Verantwortlichen mehr als froh, diesen Transfer eingetütet zu haben – zumal der Kroate als Offensiv-Allrounder praktisch überall im Mittelfeld eingesetzt werden konnte. Die Ernüchterung folgte jedoch schnell. Perisic wurde verstärkt auf der linken Außenbahn eingesetzt, wo er sich im Konkurrenzkampf mit dem Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz befand. Sein Vorteil gegenüber seinem Konkurrenten: Seine Offensivstärke. Unvergessen sein Traumtor zum 1:1-Ausgleich gegen den FC Arsenal in der Gruppenphase der Champions League der Saison 2011/12.

Auch die Partie gegen Werder Bremen hat sich in den Köpfen der Fans eingeprägt. Kurz vor der Pause (43.) brachte Perisic die Schwarzgelben in Führung. Kurz vor dem Treffer wurde er mit der Gelben Karte verwarnt (39.). Erwähnenswert, denn nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff sah er die Ampelkarte nach einem groben Einsteigen gegen den heutigen Dortmunder Sokratis – damals Bremen. Der EM-Teilnehmer von 2012 avancierte zum tragischen Helden.

Auch im Anschluss konnte sich Perisic  wegen seiner schwankenden Leistungen nicht dauerhaft in die Startelf des BVB spielen. Zumal er in der Rückwärtsbewegung gegenüber der "Laufmaschine" Großkreutz deutlich unterlegen war. Seine Laufwege, sein defensives Denken und sein Timing in Zweikämpfen ließen zu wünschen übrig.

Klopp erbat sich mehr Geduld für den Neuzugang, der sich erst an die Abläufe gewöhnen musste: "Ivan ist ein herausragender Kicker. Er hatte nur in einigen Situationen Riesenpech, ansonsten stünde er jetzt mit deutlich mehr Treffern da." Und weiter: "Er ist schnell, er ist technisch stark. Er hat super Laktatwerte. Aber man sollte nicht außer Acht lassen, wie das ist, in einer ganz neuen Umgebung zu sein."

Mit Anlaufproblemen hatte der BVB in der Vergangenheit bereits Erfahrungen gemacht. Das Musterbeispiel: Robert Lewandowski. Man hatte die Hoffnung, dass der Kroate es dem polnischen Nationalspieler gleich tun konnte und auch einen Leistungssprung machen würde – leider geschah dies nicht.

Der Eklat

Die Situation des kroatischen Mittelfeldspielers verschlechterte sich spätestens nach der Verpflichtung von Marco Reus, der explizit für die "schwache" linke Offensivseite geholt wurde. Nun fanden sich sowohl Großkreutz als auch Perisic häufig auf der Bank wieder. Durch den Ausfall von Jakub Blaszczykowski rückte Reus auf die rechte Außenbahn, wo durch Links der Konkurrenzkampf zwischen Großkreutz und Perisic erneut entfacht wurde – der gebürtige Dortmunder setzte sich jedoch durch. Mit der Rückkehr von "Kuba" war kein Platz für keinen der beiden.

Öffentlich monierte der Kroate seine Situation: "Ich möchte nicht darauf warten, dass sich jemand verletzt, um zu spielen. Dann müssen wir eine andere Lösung finden". Und weiter: "Ich bin hierhergekommen, um zu spielen, nicht, um auf der Bank zu sitze." Für sein Vorgehen wurde Perisic scharf kritisiert. " Öffentliches Beschweren ist Kindergarten", kommentierte Klopp die Aussagen seines Schützlings: " Ein Fußballprofi ist unzufrieden, wenn er nicht spielt. Hält er dann die Fresse, ist das am Ende meistens besser. Trainieren, hart arbeiten und in die Mannschaft spielen."

In der Retroperspektive kann dieser Zeitpunkt als der Anfang vom Ende Perisic' beim BVB betrachtet werden. Zumal der Mittelfeldakteur gegenüber dem Fernseh-Sender Nora-TV nachlegte: "Ich kann mit meiner Situation im Verein nicht zufrieden sein und fühle, dass ich von Klopp nicht richtig unterstützt werde. Als ob er etwas gegen mich hätte." Der Berater kündigte an, im Winter seinen Klienten transferieren zu wollen – was ihm schließlich auch gelang.



"Flucht" nach Wolfsburg

In der Autostadt gab es einige personelle Veränderungen. Neben einem neuen Trainer – Dieter Hecking – wurde mit Klaus Allofs auch ein neuer Sportdirektor installiert. Seine erste Aufgabe: In der Winterpause 2012/13 einen neuen Spieler für die Offensive zu verpflichten. Dabei spielte es dem Ex-Bremer in die Karten, dass der in Dortmund unglückliche Perisic auf Klubsuche war.

Die Verpflichtung ging relativ schnell über die Bühne und beide Parteien freuten sich, ein "gutes Geschäft" gemacht zu haben. Der BVB bekam acht Millionen Euro und die Wölfe ihre Verstärkung für die Offensive. Abermals wurde der Rechtsfuß als Königstransfer deklariert.
SAISONDATEN 2013/14
Einsätze (Startelf)
Ein-/Auswechslungen
Tore
Torvorlagen
Zweikämpfe (in %)
Pässe
Passgenauigkeit (in %)
Spielminuten

*Daten von Bundesliga.de

10 (5)
5 / 3
1
2
47,4
253
73,9
560



Doch auch beim Europapokalanwärter Wolfsburg  – zumindest so das Selbstverständnis – kam der Kroate nicht richtig in die Gänge. Zwar stand er in den ersten fünf Partien für seinen neuen Verein in der Startelf, konnte jedoch nicht überzeugen. Nach einem Innenbandriss im Knie fiel der inzwischen 24-Jährige sogar über einen Monat aus. Ausgerechnet gegen den BVB feierte er sein furioses Comeback in der VfL-Startformation. Beim 3:3 traf er zwei Mal gegen seine Ex-Kollegen und meldete sich beeindruckend im Dress der Volkswagen-Kicker zurück.

Durchwachsene Leistungen

Auch in dieser Saison sind die Leistungen von Perisic schwankend und wenig konstant. Hecking setzt ihn – im Gegensatz zu Klopp – auf verschiedenen Positionen ein, doch er kann kaum Akzente im Wolfsburger Spiel setzten. Ausnahme gegen Bremen. Der Mittelfeldspieler trumpfte groß auf und zeigte, warum ihn Wolfsburg – und auch der BVB zuvor – verpflichtet haben. Gegen die Norddeutschen erzielte der kroatische Nationalspieler sein erstes Saisontor und bereitete einen weiteren Treffer von Landsmann Ivica Olic vor.

In dieser Partie zeigte er alles, was ihn auszeichnete: Schnelligkeit, Technik und Übersicht für den Mittspieler. Am vergangenen Wochenende gegen Eintracht Frankfurt blieb Perisic aber erneut blass und zeigte nur eine mittelmäßige Partie. Das Problem, weshalb er auch in Dortmund scheiterte, ist die fehlende Konstanz. Findet er diese, kann er ein wichtiger Spieler für die Wölfe werden, um das Ziel "internationaler Wettbewerb" zu erreichen. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein kann Perisic beweisen, dass er über das nötige Potential dafür verfügt. 

Folge Arthur Makiela auf

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