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Bayer 04 Leverkusen ist drauf und dran, sich als dritte Kraft in Deutschland zu etablieren. Trainer Sami Hyypiä hat einen Bärenanteil daran - mit Ruhe und Gelassenheit.

Leverkusen. Bayer 04 Leverkusen muss am Dienstagabend zum ukrainischen Champion Schachtjor Donezk und kann einen großen Schritt Richtung Champions League-Achtelfinale machen. Dies wäre ein großer Erfolg für den aktuellen Tabellendritten der Bundesliga - und besonders für Trainer Sami Hyypiä. Er sorgte in den letzten Monaten für einen gewaltigen Aufschwung unterm Bayerkreuz...

Dabei saß der 40-Jährige noch am vergangenen Wochenende mit böser Miene und gehörig Kopfschmerzen auf der Bank im Braunschweiger Eintracht-Stadion. Er musste mit ansehen, wie seine Rotationsmaßnahmen völlig nach hinten losgingen. Beim Tabellenschlusslicht setzte es eine verdiente 0:1-Pleite, damit ging auch der Anschluss an das Spitzenduo um Borussia Dortmund und den FC Bayern verloren.

Leverkusen bleibt - bildlich gesehen - lediglich das fünfte Rad am Wagen, beziehungsweise das dritte Rad am Fahrrad. "Ich weiß um meine Verantwortung, ich stehe zu meiner Entscheidung", knarzte Hyypiä auf der anschließenden Pressekonferenz und verbat sich weitere Nachfragen.

Gegen Braunschweig erstmals vergriffen

In den letzten anderthalb Jahren hat Hyypiä fast alles richtig gemacht - nun setzte er den ersten Schuss in den Ofen. Dennoch: Wer ihn kennt, weiß, dass er diesen Fehler wohl kaum ein zweites Mal machen wird. Mit Stefan Kießling, Sidney Sam, Lars Bender und Emir Spahic ließ der Übungsleiter am Ende zu viele Stammkräfte draußen - die zweite Garde konnte nicht überzeugen.

In Leverkusen kann man mit dieser Niederlage dennoch leben. Der Anschluss an die Tabellenspitze wurde zwar verloren, auf Platz vier ist jedoch weiter Vorsprung. Und genau das muss das Ziel der nächsten Monate sein: sich als dritte Kraft in Deutschland zu etablieren. Beobachtet man die jüngste Entwicklung, ist das durchaus möglich. Hyypiä hat der ehemaligen Bayer-Komfortzone wieder neues Leben eingehaucht.

HYYPIÄS SIEGERTYPEN

SIDNEY SAM
STEFAN KIESSLING
SIMON ROLFES GIULIO DONATI

EINSÄTZE LIGA
11
11
9
8
TORE LIGA
7 6 2 0
VORLAGEN LIGA 4
3 3
0
EINSÄTZE CL
3 3 3 2
TORE CL
1
2 3
0
VORLAGEN CL 1 1 0 1

Allen voran das Duo um Sam und Kießling zeigt sich in der laufenden Saison in Bestform. In Braunschweig bemerkte man von Beginn an das Fehlen der beiden Säulen - Robbie Kruse und Eren Derdiyok konnten die Lücke nicht ausfüllen. Kießling hat bereits vergangene Saison bewiesen, wie wichtig er ist, sicherte sich als erster Spieler der Werkself seit Ulf Kirsten wieder die Torjägerkanone in der deutschen Eliteliga.

Sam machte in den letzten Monaten dagegen einen echten Wandel durch, entwickelte sich vom manchmal zu egoistischen Alleinunterhalter zum absoluten Teamplayer. Auch Bundestrainer Joachim Löw ist mittlerweile auf ihn aufmerksam geworden und lädt ihn regelmäßig zur Nationalmannschaft ein.

Der beste Rolfes?

Kapitän Simon Rolfes spielt schon seit 2005 bei den Rheinländern, erlebte viele Auf und Abs. Nicht wenige bescheinigen dem sympathischen Blondschopf allerdings erst jetzt, "der beste Rolfes aller Zeiten" zu sein. In den letzten Jahren wirkte der 31-Jährige oftmals lethargisch und zu bequem in seiner Spielweise - unter Hyypiä blühte er auf, überzeugt mit großem Kämpferherz als Antreiber auf und neben dem Platz. Überdies trat er in der Champions League zuletzt auch als echter Torjäger auf und traf in bisher jedem Gruppenspiel einmal.

Und dann wäre da noch der etwas unscheinbare Giulio Donati auf der rechten Außenverteidigerposition. Nach dem Abgang von Dani Carvajal zu Real Madrid hatte man im Umfeld große Sorgen. Die Verpflichtungen von Donati und auch Roberto Hilbert wurden skeptisch aufgefasst - zumindest Ersterer konnte die Kritiker bisher zum Schweigen bringen.

Der Italiener ist in der Offensive zwar nicht ganz so auffällig wie Carvajal in der vergangenen Saison, dafür glänzt er im defensiven Bereich und schaltete unter anderem Franck Ribery in dieser Saison aus. Donati hat das Zeug zum echten Kultkicker. Mit seinem eigenen Hashtag #stärkebayer ist er auf Twitter sowie Facebook schon jetzt zum absoluten Leverkusener Publikumsliebling herangewachsen.

Man darf gespannt sein, ob und wie sich Leverkusen vom Rückschlag in Braunschweig erholt. Aber eigentlich spricht nichts dagegen: Hyypiä gehört zu den akribischen Arbeitern und strahlt absolute Ruhe aus - anders als es Vorgänger wie Robin Dutt oder Bruno Labbadia immer wieder vorgeworfen wurde. Er ist nicht der Mann für große Töne oder ausschweifende Interviews über sein System oder taktische Vorstellungen - vielmehr ist er ein typischer Finne. Er schweigt gerne, arbeitet lieber still und heimlich für sich im Kämmerchen und lässt seine Mannschaft den Rest machen.

Schritt für Schritt zum Top-Trainer

Dass dabei Fehler passieren, ist klar - Wunderdinge darf keiner erwarten. Hyypiä wird aber aus den Fehlern lernen und Schritt für Schritt zum Top-Trainer reifen. Mit Leverkusen hat er eine spielstarke Mannschaft, die vom Potenzial einiges zu bieten hat. Dieses wurde sehr gut ausgeschöpft - ungewöhnlich für einen Neuling. Gerade deshalb gebührt ihm ein großes Lob.

Und auch in Zukunft gehört man definitiv zum Kreise jener, die sich um den dritten Platz streiten wird. Blickt man auf die Tabelle ist es nicht unwahrscheinlich, dass Bayer diesen in den nächsten Jahren regelmäßig für sich beanspruchen wird. Dann könnte der Klub in einer eigenen Liga spielen - irgendwo zwischen Bayern und Dortmund auf der einen, und dem Rest auf der anderen Seite.

Der ganz große Wurf ist wohl erstmal nicht zu erreichen - aber man nähert sich der Spitze. Mit Sami Hyypiä hat man in jedem Fall einen Trainer, der sich in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Klub entwickeln kann.

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