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Wie ein Oberlehrer? Pep Guardiola regiert mit eiserner Hand

Hat Robben es sich mit seinem Trainer verscherzt? Es ist ihm nicht zu wünschen - denn wie das endet, kann er bei Zlatan Ibrahimovic erfragen.

KOMMENTAR
Von Peter Staunton

"Man kann eine Entscheidung nicht damit abhaken, dass man sagt: Ich bin der Trainer." Stefan Effenberg ist bekanntermaßen ein streitbarer Mann. So verwundert es nicht, dass Pep Guradiola ins Visier der Kritik des "Tigers" geraten ist.

"Man muss solche Entscheidungen begründen, das ist Pflicht", stellte er nach der berüchtigten Demütigung Arjen Robbens durch Guardiola klar. Der Niederländer hatte sich im Spiel gegen den FSV Mainz 05 den Ball geschnappt, um einen Strafstoß auszuführen, als der Trainer ihm deutlich machte, dass ein anderer Akteur schießen solle. Der Niederländer folgte der Anweisung, war damit jedoch alles andere als glücklich.

"Das möchtest du nicht vor 80.000 Zuschauern erleben, dass du mit dem Ball zum Punkt gehst, eigentlich den Elfmeter schießen möchtest, überzeugt bist - und dann sagt der Trainer wie ein Lehrer mehr oder weniger: Du nicht, sondern Thomas Müller."

Robben gab sich anschließend schmallippig: "Dazu möchte ich nichts sagen."

Zum Zeitpunkt des Elfmeters führte Bayern mit 3:1. Müller verwandelte wenige Minuten vor Abpfiff zum 4:1. Ein weitaus weniger bedeutender Strafstoß, als die von Robben verschossenen in Dortmund 2012 und wenig später im Champions-League-Finale gegen Chelsea. Nichtsdestotrotz wurden wir Zeugen eines Machtspiels. Pep hat entschieden.

Was der Trainer sagt, zählt.


"Er war noch ein bisschen sauer wegen Samstag."

-
Franck Ribery

Arjen Robben kann ein schwieriger Zeitgenosse sein. Sowohl Müller als auch Ribery können ein Lied davon singen, waren sie doch beide schon in handfeste Auseinandersetzungen mit dem 29-Jährigen involviert. Bei der EM 2012 hüpfte Robben bei einer Auswechslung über die Werbebande, anstatt Coach Bert van Marwijk und dem Einwechselspieler die Hand zu geben.

Guardiola reichte ihm einige Tage nach dem Mainz-Spiel die Hand, Robben nahm sie aber nicht an. Bayern bekam in der Champions-League-Partie gegen Viktoria Pilzen einen weiteren Elfer zugesprochen, der Spanier rief "Arjen! Arjen!", um dem Mann, den er kurz zuvor enttäuscht hatte, Wiedergutmachung anzubieten.

Der aber lehnte ab. Er gab den Ball Franck Ribery, der verwandelte, äußerte sich nach Abpfiff wohlwollend über seinen Mitspieler. 1:0 stand es nach dem Treffer von Ribery - für Robben fühlte es sich jedoch wie ein 1:1 an. Wenn ein Spieler Guardiolas Autorität untergräbt, kann es jedoch nur einen Gewinner geben. Arjen, Deine Karten stehen schlecht.


"Bin ich in dieser Familie der Waisenjunge, der Typ, der hier nicht hergehört?"

- Zlatan Ibrahimovic

Wer wissen will, wie Guardiola mit Problembären umgeht, sollte Zlatan Ibrahimovics Autobiografie lesen. Die Abneigung gegen den Spanier ist deutlich spürbar, und zwar auf jeder Seite, auf der er erwähnt wird. Bei der Lektüre des Buches fällt außerdem ins Auge, das kein Champions-League-Titel erwähnt wird - der Schwede hat die Trophäe mit den großen Ohren noch nie gewinnen können. Guardiola hingegen gelang das mehr als einmal - und zwar ohne Spieler wie Ibrahimovic.

Zur Szenerie in Barcas Umkleidekabine schrieb Ibrahimovic ziemlich prahlerisch: "Jeder war still, freundlich, alle waren Teamplayer. Manchmal dachte ich mir, diese Typen sind Superstars. Trotzdem verhalten sie sich wie Schuljungen."

Sie ordnen sich dem Kollektiv unter. Sie gewinnen Titel. "Er scheint nicht in der Lage zu sein, mit Typen wie mir umgehen zu können. Vielleicht liegt es an etwas Einfachem wie etwa der Angst vor dem Verlust seiner Autorität." Er konnte sehr wohl mit Dir umgehen, Zlatan: Er hat Dich verkauft.

Kein Respekt vor großen Namen

Ibrahimovic war erstaunt, dass er mit seinen Fähigkeiten sowie seinem Ego im Camp Nou nicht Fuß fassen konnte. Es waren  Xavi, Lionel Messi, Andres Iniesta, Pedro und Sergio Busquets, die Barca zu dem Verein machten, der es ist. Das haben sie mit Pep, für Pep getan.

Der Respekt vor großen Namen hielt sich bei Guardiola stets in Grenzen: So wurde ein in die Jahre gekommener Ronaldinho verkauft. Auch Deco störte und musste gehen. Ebenso verabschiedete man sich von Samuel Eto'o und Thierry Henry. Auch Zlatan reihte sich in diese Liste ein.

"Wir sind normale Typen", versuchte Guardiola Ibrahimovic einzubläuen. Der Stürmer spricht immer wieder von der schulischen Struktur bei Barca. Vom Kindergarten bis zum Abschluss, übertragen auf das Fußballgeschäft.

Es war nicht so, dass Kreativität und Ausdruck bei Barca nicht toleriert wurden. Aber diese Eigenschaften waren Teil eines größeren Ganzen. Dem Team. Das Team und dessen Fortbestehen steht über allem.


"Es geht darum, Kontrolle zu haben und autoritär zu sein."

- Sir Alex Ferguson

27 Jahre, nachdem er bei Manchester United anheuerte, wurde Alex Ferguson vom Management-Magazin Harvard Business Review darum gebeten, über seinen Führungsstil zu sprechen. Das ganze bekam den Titel "Die Ferguson-Formel".

"Die Aufgabe eines Trainers, wie auch eines Lehrers, ist es, die Leute zu inspirieren, besser zu werden." Da war es wieder: lehren, erziehen. Auch Sir Alex wusste, was zu tun war, wenn Spieler nicht in seine Struktur passten oder ihr entwuchsen. Von Spiel 1 bis zu Spiel 1.500 ging immer nur ein Mann aus persönlichen Machtkämpfen als Sieger hervor. Und der hieß nicht David Beckham, Roy Keane oder Ruud van Nistelrooy.

"Ich habe mir gesagt: Ich erlaube keinem anderen, stärker zu sein, als ich es bin. Deine Persönlichkeit muss größer als ihre sein. Das ist unverzichtbar." Und will irgendjemand Fergusons Erbe in Frage stellen?


"Ich bin ein großer Freund meiner Spieler, wenn sie akzeptieren, was ich sage."

- Pep Guardiola

Pep geht denselben Weg. Seinen Weg. Natürlich bevorzugt er Spieler, die im Verein verwurzelt und seit der Jugend für den Klub aktiv sind, die gewissermaßen für den Klub leben. Der Typus ist ihm lieber als jemand, der kommt und geht. Seine Führungskräfte Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben Bayern im Blut. Die nächste Generation besteht aus Toni Kroos, David Alaba und dem Mann, der Robbens Elfmeter schießen durfte.

Solche Spieler sind es, die Teams von Guardiola erfolgreich machen. Zlatan und der Rest kann außerhalb der Schulmauern bleiben. Diejenigen, die auf der Ersatzbank sitzen oder mit ihrer Rolle im Team nicht zufrieden sind, sind Kollateralschäden. Man kann nicht alle zufriedenstellen.

Bislang hat der Erfolg Pep immer recht gegeben.

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