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Die Offensive der TSG 1899 Hoffenheim wollte Bayern München vor eine schwierige Aufgabe stellen und tat dies auch in einigen Phasen der Partie am Samstag.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Sinsheim.
Die TSG 1899 Hoffenheim hat sich bravourös gegen Bayern München behauptet. Dabei vertraute Trainer Markus Gisdol wieder seinem starken Offensivdreieck, das dem Spitzenreiter nicht nur im Spiel nach vorne Sorgen bereitete, sondern auch gegen Ball diszipliniert arbeitete. Bei der 1:2-Niederlage konnte man vor allem nach der kurzzeitigen Führung Akzente.

Wie zuletzt ließ Gisdol seine Mannschaft in einer 4-3-2-1-Grundformation auflaufen, in dem "Tannenbaum" bildete Anthony Modeste die Spitze. Er wurde von Kevin Volland und Roberto Firmino flankiert oder einer der beiden hielt sich in dessen Schatten auf.

In der Anfangsphase fokussierte sich Hoffenheim zunächst auf die Arbeit gegen den Ball. Dabei verzichtete der Gastgeber bewusst auf frühes Anlaufen. Vielmehr orientierte sich Modeste stark an Bayerns Sechser Javi Martinez, sodass Dante und Jerome Boateng beim Spielaufbau weit nach vorne stoßen konnten.

Nervöser Spielaufbau

Hoffenheim konzentrierte sich darauf, in der eigenen Hälfte die Räume dicht zu machen. Da sich deshalb alle Spieler nach hinten zurückzogen, war für Modeste oder Volland nach einer Balleroberung der Weg zum gegnerischen Tor, beispielsweise durch einen der Hoffenheimer Sechser, sehr groß.

Modeste versuchte immer wieder zentral einen Ball aufzunehmen und diesen für einige Momente zu halten, damit weitere Spieler nachrücken konnten. Insgesamt blieb diese Arbeit sehr mühevoll. Nach rund zwanzig Minuten zitierte Gisdol den Franzosen zu sich, gab ihm anscheinend die Anweisung verstärkt auf den Flügel auszuweichen, wo sich jeweils der Ball befand. Außerdem löste er sich vermehrt von Martinez und attackierte Dante.

Bis zum Führungstor blieb Hoffenheims Neun jedoch ohne große Wirkung. Dies lag mitunter am Aufbau der Kraichgauer. Bayern stellte eine hochstehende zweite Linie, die hinter Mandzukic oder Müller bereits an der Mittellinie anlief. Hoffenheim wusste sich in diesen Situationen nur mit sehr frühen Vertikalbällen Richtung Modeste zu helfen. Natürlich waren diese Pässe schwer zu verarbeiten.

Volland im Zentrum

In der Anfangsphase blieb Volland auch relativ wirkungslos. Entweder wurde er auf der rechten Seite isoliert oder hatte in der Zentrale wenige Ballkontakte. Dies änderte sich mit zunehmender Spielzeit - spätestens nach dem Treffer in der 34. Minute wurde der 21-Jährige ein zunehmender Faktor im Angriffsspiel. Er rückte immer wieder in die Mitte, während Andreas Beck alleine die rechte Seite bearbeitete und Sebastian Rudy auf der Halbposition häufig Volland mit Vertikalpässen einsetzte.

Volland ging in einigen Szenen tief in der Münchener Hälfte in die Mitte. Der Vorteil bei diesen Bewegungen besteht darin, dass der Außenverteidiger zum richtigen Zeitpunkt übergeben muss, um nicht den Flügel zu entblößen. In der Rückwärtsbewegung orientierte sich Volland zumeist an Bastian Schweinsteiger, versuchte zusammen mit Rudy den rechten Halbraum so gut es ging zu zuzustellen.

KEVIN VOLLAND - SPIELDATEN
Ballkontakte
Pässe
Passgenauigkeit (in %)
Zweikämpfe (in %)
Laufstrecke (in km)
Sprints

*Daten von Bundesliga.de
38
24
71,0
28,6
12
23



Im Gegensatz zu Volland war Firmino längere Zeit fast unsichtbar. Der Brasilianer hatte nach einer halben Stunde lediglich vier Ballkontakte und dies hing nicht nur damit zusammen, dass er aufgrund des hohen Münchner Pressings selten gut anspielbar war. Insgesamt verharrte der 22-Jährige einige Male in ungünstigen Positionen. Die Abstimmung mit Linksverteidiger Sejad Salihovic und auch Kai Herdling, der dazu tendierte auf die linke Seite zu laufen, schien nicht optimal.

Änderungen in der Pause

Im zweiten Durchgang wandelte sich das Bild. Gisdol nahm einige Veränderungen in der Offensive vor. So agierte Volland in den zweiten 45 Minuten konsequent zentraler. Hinter ihm baute sich eine sehr breite Dreierreihe auf, wobei Rudy bei Hoffenheimer Ballbesitz rechts neben ihm spielte. Erhielt Volland in der ersten Halbzeit acht Zuspiele von Beck nahe der Außenlinie, so bekam er nach dem Seitenwechsel einige Male diagonal durch den Halbraum Zuspiele von Rudy.

Firmino versuchte seinerseits entweder die linke Seite zusammen mit Salihovic und Herdling durch Überzahlsituationen zu bearbeiten oder er unterstützte in der Zentrale Volland. Beide Offensivspieler hielten sich zumeist hinter Modeste auf, ließen sich abwechselnd zurückfallen oder einer der beiden rückte situativ als zweite Spitze auf. Insgesamt zeigte sich der Kraichgauer Angriff bis zum Gegentor durch Thomas Müller in der 75. Minute variabel. Danach fehlte allerdings die Kraft, um noch entscheidende Aktionen zu forcieren. Auch die Hereinnahme von Tarik Elyounoussi hatte keinerlei Wirkung mehr.

Dass Pep Guardiola im Vorfeld der Partie in Sinsheim die starke Offensive des Gegners unterstrich, konnte Hoffenheim in einigen Phasen bestätigen. Das Spiel des Tabellen-Achten basiert auf einem hohen Maß an Fluidität und gezielten Umstellungen Gisdols. Auffällig war auch, dass sich besonders in der ersten Halbzeit die Positionen der Hoffenheimer situativ änderten. Das kann den Zugriff erschweren und wird gegen einige Bundesliga-Konkurrenten noch Wirkung zeigen.

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