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Der Revierklub denkt groß und ist der zweitgrößte Verein Deutschlands. Auf sportlicher Ebene läuft S04 diesem Anspruchsdenken in der Bundesliga jedoch gnadenlos hinterher.

ANALYSE
Von Hassan Talib Haji

Auf Schalke herrscht Tristesse. Zum zweiten Mal in Folge kann der Revierklub die Top Drei der Bundesliga nicht angreifen. Ernüchterung macht sich breit, vor allem unter den Fans. Die selbst auferlegten Ansprüche schürten eine gewisse Erwartung - doch der wird die junge Schalker Mannschaft nicht oder nur kaum gerecht.

Während es in der Champions League (Platz zwei nach drei Spielen) wie auch im DFB-Pokal gut aussieht, zeigt die Bundesligatabelle deutlich, welche Kluft es bereits zu dem Trio FC Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gibt. Nach nur zehn Spieltagen weist Schalke 04 bereits einen Rückstand von 11 Punkten auf Tabellenplatz drei aus.

Unsägliches Verletzungspech

Wie der Volksmund zu sagen pflegt: "Wenn es kommt, dann meist knüppeldick." So auch beim S04. Immer wieder fallen absolute Leistungsträger monatelang verletzungsbedingt aus. Dadurch geht selbstverständlich Qualität verloren. In der Sommerpause versuchten die Entscheidungsträger dem vorzubeugen. Es hieß, dass die Breite im Kader nun auch qualitativ und nicht nur quantitativ verstärkt worden sei. Dies stellt sich Stand jetzt als Trugschluss heraus.

Die Mannschaft des FC Schalke ist mit die jüngste in der gesamten Bundesliga - ohne Anführer und wichtige Spieler wie Klaas-Jan Huntelaar oder Jefferson Farfan ist ein attraktiver und erfolgreicher Fußball nicht konstant zu führen. Die Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng war dementsprechend nötig und absolut richtig. Phasenweise zeigen die Königsblauen, dass sie hervorragenden Fußball spielen können. Jedoch ist die Anzahl der individuellen Fehler und das teils katastrophale Defensiv-Verhalten oft die Schlinge um den Hals in einzelnen Partien. Der Bundesligist kassiert im Schnitt 2,2 Gegentore pro Spiel. Das ist eine Quote, die selbst die starke Offensive nicht auffangen kann.

Keller in Erklärungsnot

Am Ende solcher Diskussionen stellt sich auch stets die Frage nach dem Trainer. Unter vielen Fans in sämtlichen Internetforen genießt Jens Keller kein Vertrauen mehr. Angesichts des immer aufgeregten Umfelds des FC Schalke und der eigenen gehobenen Ansprüche ist dies nach den Bundesligaplatzierungen und Punkteabständen nicht wirklich überraschend. "Keller raus"-Rufe gab es im Stadion bis dato nicht. Für Keller ist die Situation nicht einfach. Der Übungsleiter hatte auf Schalke von Beginn an lediglich Kredit bei den Verantwortlichen und musste stürmische Zeiten in der Rückrunde erleben. Noch nicht ein Mal konnte er seine Wunsch-Elf spielen lassen. Bisher hat der 42-Jährige jedoch das auferlegte Ziel erreicht. Schalke 04 will jedes Jahr Champions-League-Fußball erleben - nicht am TV-Gerät, sondern als Teilnehmer. Dank der UEFA-Fünfjahreswertung berechtigt Platz vier zumindest zu zwei Qualifikationsspielen. Dieser Platz ist derzeit für Schalke 04 das Maximum.


Verein 2008/2009 2009/2010 2010/2011 2011/2012 2012/2013
FC Bayern München Platz 2 Platz 1 Platz 3 Platz 2 Platz 1
Borussia Dortmund Platz 6 Platz 5 Platz 1 Platz 1 Platz 2
Bayer 04 Leverkusen Platz 9 Platz 4 Platz 2 Platz 5 Platz 3
FC Schalke 04 Platz 8 Platz 2 Platz 14 Platz 3 Platz 4

Manager Horst Heldt stützt Keller weiterhin. Vor einigen Monaten wurde viel über mögliche Nachfolger des ehemaligen Jugendtrainers spekuliert. Armin Veh, Roberto di Matteo, Stefan Effenberg und Thomas Tuchel waren die Kandidaten, um nur einige zu nennen. Dass der Manager Gespräche führte, war nicht wirklich ein Vertrauensbeweis gegenüber Keller. Vor der aktuellen Saison sprach sich der Klub für Kontinuität aus, besonders auf dem Posten des Cheftrainers. Demnach wird an Keller festgehalten: Der gebürtige Stuttgarter bekommt Zeit.

Großes Denken, kleines Auftreten

Wohin nur mit der Erwartungshaltung? Die Schalker Fans bringen es meist knallhart auf den Punkt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt bei den Knappen überhaupt nicht. Noch immer und seit Jahren hat der mit 170 Millionen Euro Verbindlichkeiten belastete Ruhrgebietsverein sehr hohe Personalkosten. Dafür erntet der Klub zusehends Kritik, da der sportliche Erfolg seit 2011 (DFB-Pokalsieg, Halbfinale in der Champions League) in weite Ferne gerückt ist. Andere Bundesligaklubs mit wesentlich weniger finanziellen Spielräumen rücken S04 allmählich auf die Pelle. Die Entwicklung zeigt eher nach unten, als dass die Tendenz in Richtung Bayer Leverkusen (Platz drei) geht. Schalke 04 hat den Status, in Deutschland zweite Kraft zu sein, vor drei Jahren beginnend nun endgültig an Borussia Dortmund verloren. Selbst als dritte Kraft in der Bundesliga präsentiert sich der Werksklub aus Leverkusen.

Im Großen und Ganzen beutelt den Verein das große Verletzungspech. Die spielerische Linie zeigt zudem auf, wo es dem S04 mangelt. Ein Defensiv-Konzept wird händeringend gesucht, das Laufpensum muss drastisch erhöht werden. Die Schalker Mannschaft läuft in einem Spiel so wenig wie kein anderer Bundesligaverein. Besonders im großen Revierderby am vergangenen Samstag (1:3) wurde dies deutlich. Das Team von Borussia Dortmund hatte nach den ersten 45 Minuten schon 5 Kilometer mehr auf dem Lauf-Konto als die Keller-Elf.

Es wurden Fehler gemacht. Dennoch bleibt das Ziel der erneute Einzug in die prestigeträchtige und finanziell lukrative Champions League. Dazu genügt auch ein Platz vier, verbunden mit dem Erfolg in den darauffolgenden Play-Off-Spielen. Um die Top-Drei der Liga angreifen zu können, bedarf es weniger Schwierigkeiten. Sowohl auf der Verletztenliste als auch im Produzieren diverser individueller Fehler im Spiel. Dass die junge Mannschaft Qualität hat, ist wohl unbestritten. Diese mit wirklicher Konstanz auf den Rasen zu bekommen, ist für Schalke 04 das größte Problem.

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