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96 muss die erste Heimniederlage der Saison hinnehmen. Der Unparteiische war dabei nicht ganz unbeteiligt, Dufner vermutete gar Konzessionsentscheidungen zugunsten der Kraichgauer.

Aus Hannover berichtet Claas Philipp

Hannover. Das Phantomtor zu Sinsheim war gerade verdaut, da stand die TSG Hoffenheim schon wieder im Mittelpunkt strittiger Schiedsrichterentscheidungen. Dieses Mal mussten sich die Kraichgauer allerdings nicht benachteiligt fühlen, im Gegenteil waren sie beim 4:1-Sieg bei Hannover 96 die Profiteure - zum Leidwesen der Niedersachsen.

Nicht einmal zehn Minuten waren gespielt, als die Partie am Samstagnachmittag ihren ersten Aufreger hatte. Nach starkem Beginn von 96 grätschte Christian Schulz im Strafraum, Anthony Modeste kam zu Fall - Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte auf den Punkt. "Den Elfmeter kann man geben", erkannte 96-Sportdirektor Dirk Dufner richtigerweise, um dann zähneknirschend anzufügen: "Das war eine der wenigen richtigen Entscheidungen heute."

Dioufs Blitz-Gelb-Rot

Den fälligen Strafstoß verwandelte Sejad Salihovic sicher, richtig hitzig wurde es aber erst in den folgenden Minuten. Mame Diouf, gerade erst von einer langwierigen Verletzung zurückgekehrt, sah im Nachgang des Elfmetertores zunächst Gelb wegen Meckerns, ehe er zwei Minuten später im Hoffenheimer Strafraum am Ball war und nach einem Zweikampf mit Niklas Süle zu Boden ging. Den gewünschten Strafstoß bekam er nicht - stattdessen die Ampelkarte. Stieler unterstellte dem Senegalesen eine Schwalbe und zeigte ihm die Gelb-Rote Karte, die schnellste der Bundesligageschichte.

Eine Entscheidung, die mit Fingerspitzengefühl nicht viel zu tun hatte und die Dufner mit den Worten "völliger Wahnsinn" kommentierte. "Mame wird zweimal festgehalten und lässt sich dann natürlich auch fallen." Das aber sei "jetzt nicht ungewöhnlich im Strafraum. Aus meiner Sicht kann man sogar darüber nachdenken, ob man Elfmeter gibt." Schon die erste Gelbe Karte für Diouf war für Dufner "albern. Wenn man sich ein bisschen über einen Elfmeter aufregt, muss man dafür nicht unbedingt Gelb geben."

"Schwierig, cool zu bleiben"

Nach dem Platzverweis gegen Diouf ging bei konsternierten 96ern zunächst Nichts mehr, das 0:2 durch Kai Herdling nach 17 Minuten war die logische Folge. Dufner sah die Schuld dafür beim Schiedsrichter, und zwar nicht nur aufgrund von dessen Entscheidungen in den heiß diskutierten Szenen: "Auch die einfachen Zweikampfentscheidungen wurden permanent für Hoffenheim gewertet. Das ist das, was Dich zermürbt. Da ist man als Spieler emotional geladen und es ist schwierig, cool zu bleiben."

Gegen Ende der ersten Halbzeit kriegten die 96-Akteure ihre Nerven dann aber vorerst wieder in den Griff, kamen kurz nach der Pause in Unterzahl sogar zum Anschlusstreffer durch Salif Sane. Plötzlich war man wieder dran und machte Druck - bis Leon Andreasen sich nach einer guten Stunde im Mittelfeld einen folgenschweren Ballverlust leistete, der schließlich im 1:3 und damit der Entscheidung mündete. "Das Tor geht auf meine Kappe. Das war scheiße", so Andreasens unverblümter Kommentar zum Treffer durch Roberto Firmino.

Verständnis für Marcelo

Nur zwei Minuten später traf Firmino zum zweiten Mal, foulte zuvor allerdings Gegenspieler Marcelo. Stieler gab den Treffer trotzdem - und Marcelo platzte die Hutschnur. Der Brasilianer protestierte wild, der Unparteiische zeigte ihm glatt Rot. "Das kann ich emotional nachempfinden, aus professioneller Sicht natürlich weniger", meinte Dufner zum Verhalten Marcelos.

Unflätig sei der Innenverteidiger gegenüber dem Unparteiischen nicht geworden: "Er sagt, er hat den Schiedsrichter überhaupt nicht beleidigt und die anderen Jungs haben das bestätigt", erklärte Dufner. "Er ist natürlich auf ihn zugelaufen", da sei es nachvollziehbar, "dass sich dann ein Schiedsrichter nicht gut behandelt fühlt".

Nicht gut behandelt fühlten sich naturgemäß auch die 96er. Dufner hatte in der Halbzeit sogar von einem "Skandalspiel" gesprochen, nahm diese Aussage später aber wieder zurück: "Das würde ja bedeuten, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging. Das meine ich nicht. Aber die Schiedsrichterleistung war sicherlich hundsmiserabel."

Konzessionsentscheidungen?

Dennoch hatte der hannoversche Sportdirektor eine Theorie zu dem, was sich da auf dem Rasen ereignet hatte. Dufner vermutete Konzessionsentscheidungen aufgrund des Phantomtors, das in der Vorwoche gegen die TSG gegeben wurde. "Ich hatte von der ersten Sekunde an das Gefühl, dass man es aufgrund der Geschichte in der letzten Woche mit den Hoffenheimern jetzt mal besonders gut meinen musste." Das verstehe er ja auch, aber man könne "Unrecht nicht mit Unrecht korrigieren".

Andreasen war sich unterdessen sicher, dass 96 "mit elf Mann drei Punkte geholt hätte". Ob er recht hat, wird sich nicht abschließend klären lassen. Fakt ist, dass die Partie für Hannover schlechter kaum hätte laufen können, der Däne sprach sogar von einem "Desaster". Was bleibt, ist die Flucht nach vorn und der Blick auf den nächsten Gegner. "Das Leben geht weiter", betonte Andreasen. "Wir konzentrieren uns jetzt auf Werder Bremen."

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