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Der heutige Co-Trainer von Carlo Ancelotti war der Eckpfeiler des ersten Projekts von Florentino Perez. Aus Marketingsicht läutete sein Transfer eine neue Epoche ein.

ANALYSE
Von Ben Hayward

Madrid. Florentino Perez hatte sich auf die Vergangenheit besonnen. Seine Inspiration: Das gefürchtete Real Madrid der späten 50er und 60er - mit Legenden wie Alfredo Di Stefano, Ferenc Puskas oder Paco Gento. Das war im Jahr 2000, und der neue Präsident wollte etwas Ähnliches aufbauen: ein Team mit den weltweit besten Fußballern. Luis Figo machte mit seinem aufsehenerregenden Wechsel vom FC Barcelona den Anfang, der wahre Star der "Galaktischen" sollte aber Zinedine Zidane sein.

Perez ließ seine Muskeln spielen. Juventus Turin machte den Spaniern mehr als einmal deutlich, dass man Zidane nicht abgeben werde. Perez aber fand einen Weg. Bei einer Gala in Monte Carlo traf er auf "Zizou", dem er eine Serviette reichte, auf der geschrieben stand: "Willst Du für Real Madrid spielen?" Zidane wurde ein Stift gereicht, und er notierte auf dem Tuch das Wort "ja". Im Sommer 2001 schließlich wechselte der französische Weltmeister in die spanische Hauptstadt, die Ablösesumme betrug 75 Millionen Euro.

Grundpfeiler Zidane

Zidane wurde auf einen Militärflughafen in Madrid eingeflogen, um die gespannt wartenden madrilenischen Medien zu umgehen. Bei seiner Vorstellung sprach der Weltfußballer lediglich Französisch, die Message aber wurde auch so deutlich: Real baute das beste Team der Welt auf, mit den größten Spielern des Planeten. Und Zidane war der Grundpfeiler des Projektes Perez, erster Teil.

Man verfolgte eine kühne und mutige Strategie. Zuvor konnten Vereine wie Juventus, Barcelona oder Manchester United ihre Stars ohne große Probleme halten, wenn andere Top-Klubs anklopften. Perez aber hatte den Plan, Madrid sowohl auf als auch neben dem Platz zum glamourösesten und größten Klub zu machen - das war reizvoll für die Topspieler. Und Real hatte jede Menge Geld, das man dafür in die Hand nehmen konnte.

Erst Erfolg, dann dubiose Entscheidungen

Zidanes ersten beiden Spielzeiten verliefen äußerst erfolgreich: Ein großartiges Tor des Franzosen im Champions-League-Finale 2001/02 gegen Bayer Leverkusen sicherte den "Königlichen" den in Europa wichtigsten Titel. Es folgten der Weltpokal und die spanische Meisterschaft. Madrid wurde zu der dominierenden Kraft, die Perez kreieren wollte - auch wenn der Real-Präsident lediglich beim letzten der drei Champions-League-Titel innerhalb von fünf Jahren das Sagen hatte.

Jedoch folgten dubiose Entscheidungen. Man ließ Vicente del Bosque nach Ablauf seines Vertrages 2003 ziehen, Sechser Claude Makelele wurde an den FC Chelsea verkauft. Die Idee war, den großen Stars junge Spieler an die Seite zu stellen. Das Ganze bekam das Label "Zidanes y Pavones", bezogen auf Francisco Pavon, ein Real-Eigengewächs. Der Plan ging letztlich nicht auf, dem Nachwuchs mangelte es an der nötigen Qualität. Madrid kam ins Straucheln und Perez trat schließlich 2006 zurück.

Es war Zidanes letzte Saison, und sie war von Enttäuschungen geprägt. Mit fast 34 Jahren wirkte der Mittelfeldmann langsam und über den Zenit seiner Karriere hinaus. Mit Frankreich sollte der Ausnahmefußballer bei der WM in Deutschland aber noch einmal glänzen, als er sein Land ins Finale gegen Italien führte, das "Les Bleus" nach Zidanes legendärem Kopfstoß gegen Marco Materazzi im Elfmeterschießen verloren.

Zidane "der günstigste Spieler"

Perez verteidigt seit jeher seine Einkaufspolitik. Es sei richtig, die weltweit teuersten Spieler zu verpflichten. "100 Millionen können günstig und 20 Millionen teuer sein", sagte er 2009, "Zidane hat 73 Millionen Euro gekostet und war der günstigste Spieler, den wir verpflichtet haben…"

Der Bauriese bezog sich damit auf die Einnahmen aus dem Merchandising, Trikotverkäufen, lukrativen Freundschaftsspielen, Bildrechten - und so weiter und so fort. Zidane war bei seiner Ankunft in Madrid der weltweit beste Spieler und machte Real zu einer noch größeren globalen Marke. Obwohl man für die Qualitäten von Zidane nicht gerade wenig auf den Tisch legen musste, wird geschätzt, dass er seine Transfersumme in den fünf Jahren im Bernabeu mehr als wieder einspielen konnte - alleine durch Merchandising und Sponsoring.

Ronaldo und Bale als Nachfolger von Zizou und Figo

Sieben Jahre später findet Real sich in einer ähnlichen Situation wieder: Perez ist Präsident des weltweit reichsten Klubs, trotzdem konnte die Mannschaft den hohen Erwartungen bislang nicht entsprechen. Nur eine Meisterschaft, ein Pokaltitel und ein Gewinn der spanischen Supercopa innerhalb Perez' zweiter Amtszeit ist angesichts der signifikanten Ausgaben zu wenig. Der Präsident aber wird seinen Kurs nicht ändern. Was einst Figo und Zidane waren, sind heute Cristiano Ronaldo und Gareth Bale. "Die besten Spieler sind nicht teuer", wiederholte der Klub-Boss in diesem Sommer, als Madrid 100 Millionen Euro für den Waliser ausgab.

Es begann zwar alles mit Figo im Jahr 2000, aber Zidane war und wird für Perez immer der ultimative "Galactico" sein. Die Verpflichtung des Franzosen war ein markantes Statement und hat eine Strategie definiert, die das Gesicht des modernen Fußballs nachhaltig verändert hat - abseits des Platzes. Derzeit ist "Zizou" Co-Trainer von Coach Carlo Ancelotti, und es wird offenbar darauf hingearbeitet, dass er den Klub eines Tages führt - Perez wird hoffen, dass Madrid mit seiner Hilfe auch auf dem Platz eine Epoche prägen kann.

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