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Julian Draxler trifft auf Andre Schürrle: Das Duell der Mourinho-Lieblinge

Am Dienstagabend kommt es zum Duell zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Chelsea. Draxler vs. Schürrle - zwei deutsche Nationalspieler mit einer Gemeinsamkeit.

ANALYSE
Von Hassan Talib Haji

Flutlicht, TV-Kameras soweit das Auge reicht, ausverkauftes Haus und die Hymne der Champions League: Viel größer könnte die Bühne kaum sein. Es sind genau jene Spiele, in denen sich Julian Draxler und Andre Schürrle beweisen wollen. Sie wollen sich international etablieren, sind Dienstagabend in der Veltins-Arena die Hauptdarsteller

Dabei ist das deutsch-deutsche Aufeinandertreffen beim Duell Schalke gegen Chelsea nicht ohne Brisanz: Schließlich waren die Blues im Sommer ausgerechnet hinter Draxler her. Es kam jedoch Schürrle und der ehemalige Leverkusener verdient sich langsam die Anerkennung von Starcoach Jose Mourinho. Goal blickt auf das Spitzenspiel der Champions-League-Gruppe E aus schwarz-rot-goldener Sicht. Ein Match, das auch Joachim Löw brennend interessieren dürfte.

Von Liam Twomey | Goal UK
"Mou" mag Schürrles Arbeitsauffassung

Mit einer Ablöse von 23 Millionen Euro und dem Status eines der vielversprechendsten Talente Deutschlands zu sein, hatte Andre Schürrle seit Ankunft beim FC Chelsea zu leben. Seine ersten Auftritte waren nicht überzeugend, zudem wartet er noch auf sein erstes Tor. Er ließ zum Beispiel gegen Hull City, Everton und Tottenham beste Chancen ungenützt. Einige Chelsea-Fans kritisierten ihn bereits als "teurere Version von Victor Moses".

Jedoch hat Schürrle seine Qualität in den folgenden Schlüsselspielen unter Beweis gestellt. Im europäischen Super-Cup-Finale quälte er Bayern Münchens David Alaba, düpierte ihn ein ums andere Mal und legte Fernando Torres das Führungstor auf. Einen Monat später, als Chelsea in der Königsklasse 4:0 gegen Steaua Bukarest gewann, war Schürrle der Star des Abends. Das war das einzige Spiel, in dem er auf seiner bevorzugten Position auf dem linken Flügel spielen durfte: Denn sein Konkurrent um einen Stammplatz heißt Eden Hazard und ist nur ganz schwer zu verdrängen.

Außerdem war Schürrle nicht Mourinhos Wunschspieler. Der Ex-Leverkusener wurde schon lange vorher von Sportdirektor Michael Emenalo auserkoren. Dennoch mag ihn The Special One mittlerweile. Schürrles Tempo, sein Wille und besonders seine harte Arbeit auf dem Platz, sind Eigenschaften die Mourinho schätzt, demnach wird er häufig Chancen bekommen, um weiter zu beeindrucken. Die Chelsea-Fans haben gesehen, zu was er imstande ist. Nach dem jüngsten Auftritt in der deutschen Nationalmannschaft sieht es aus, als sei er auf dem besten Weg zur Topform.
Verführung a la Mourinho

Schalkes Manager Horst Heldt betont seit dem rasanten Aufstieg Draxlers gebetsmühlenartig, dass dieser immer wieder mit dem Interesse der europäischen Spitzenklubs konfrontiert wird. Schon bei seiner erster Duftmarke im DFB-Pokal 2011 gegen den 1. FC Nürnberg (3:2), als er in der Nachspielzeit eingewechselt wurde und mit einem fulminanten Linksschuss zum Sieg traf, wurde er in den Gazetten verschiedener Länder gefeiert. Die spanische Sportzeitung AS wollte schon damals wissen, dass kein Geringerer als Real-Coach Mourinho Notiz vom Jungstar genommen habe.

So war es auch jener Mourinho, der als neuer und alter Trainer des FC Chelsea den mittlerweile 20-Jährigen im Sommer 2013 unbedingt an die Stamford Bridge holen wollte. Draxler lehnte jedoch ab, wie auch die Angebote aus Madrid und von Manchester City. The Special One lotste im Anschluss daran Draxlers Landsmann Schürrle von Bayer Leverkusen zu den Blues. Dieser stand schon im Jahr zuvor auf dem Zettel von Roman Abramovich.

Dribblings at its best

Schürrle und Draxler sind es auch, die im Nationalteam um die Gunst von Bundestrainer Löw, der in der letzten Woche die Vertragsverlängerung bis 2016 bekannt gab, rittern. Beide sind auf einer ähnlichen Position daheim, haben aber unterschiedliche Vorzüge: Schürrle lebt von seiner Explosivität, der Schnelligkeit und ausgeprägten Antizipation. Draxler begeistert dagegen technisch, mit großer Spielintelligenz und einem gefährlichen Schuss aus der Distanz.

Bei Draxler und Schürrle gilt es als sicher, dass diese an der WM 2014 in Brasilien teilnehmen werden. Vor allem der 22-Jährige Ex-Leverkusener hat mit seinem Hattrick im letzten Qualifikationsspiel in Schweden (5:3) gezeigt, dass er einen Schritt in seiner Entwicklung gemacht hat. Draxler bleibt in der Nationalelf zunächst nur die Rolle des Reservisten.

Hätte der in Gladbeck geborene Jungspund wie Schürrle ebenfalls in die schnelle, kampfbetonte Premier League gepasst? Er selbst sagt, dass er vom spanischen Fußball begeistert sei und es ein Traum wäre, dort spielen zu dürfen – vorzugsweise für Real Madrid oder den FC Barcelona.

Der beidfüßige Filigrantechniker hat sicherlich die Klasse, um in einer der bedeutsamen Ligen Europas zu bestehen, doch ihm fehlt in diesen noch jungen Jahren die nötige Konstanz. Für Draxler ist Schalke 04 ein Biotop, in dem dieser sich in Ruhe entwickeln kann. Bei einem Topklub der Premier League müsste das Eigengewächs sofort funktionieren, Fehler oder schlechte Phasen werden kaum toleriert. Draxler tat gut daran, noch zu warten.

JULIAN DRAXLER VS ANDRE SCHÜRRLE
Klub-Leistungsdaten 2013/2014

PFLICHTSPIELE:
13

TORE: 3

ASSISTS: 3
Klub-Leistungsdaten 2013/2014

PFLICHTSPIELE: 9

TORE: -


ASSISTS:
1

Doch auch Schalke ist in der Lage, dem Talent zu zeigen, dass auf heimischem Boden große Möglichkeiten bestehen, entscheidend gefördert zu werden. In der Champions League führen die Königsblauen aktuell die Gruppe E an. Mit einem Heimsieg über Chelsea stünde S04 mit einem Bein im Achtelfinale. Dies hätte Signalwirkung, würde Draxler aufzeigen, dass er auf höchstem Niveau weiterhin am Berger Feld an seinem Potenzial feilen kann - im gewohnten Umfeld.

Der 20-Jährige ist auf dem Boden geblieben. Seine Familie besteht aus Schalke-Fans – ein Weggang würde ihm sehr schwer fallen. Zudem besitzt Draxler eine gute Selbsteinschätzung. Er wird den Verein wohl kaum verlassen, wenn er selbst nicht der Ansicht ist, er wäre reif genug dafür. Dennoch könnte es schnell gehen, besitzt er doch eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2018 laufenden Vertrag.

Das Duell zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Chelsea ist somit ein richtungsweisendes Spiel. Für den Revierklub selbst, aber auch für den Jungen aus Gladbeck.

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