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Boateng oder Hummels? Falsche Neun oder Stoßstürmer? 4-1-4-1 oder 4-2-3-1? Joachim Löw hat auf vielen Gebieten die Qual der Wahl. Wir haben Gedankenspielerei betrieben!

DEBATTE
Von Stefan Döring & Florian Teichert

Noch ein Punkt fehlt der deutschen Nationalmannschaft zur WM-Qualifikation. Dass diese zügig unter Dach und Fach gebracht wird, daran gibt es keinen Zweifel. Und mit der fixierten Teilnahme beginnt auch bereits die Vorbereitung auf die Endrunde in Brasilien. Schließlich sollen Joachim Löws Schützlinge im Sommer 2014 mit dem goldenen Pokal aus Südamerika zurückkehren.

Es ist ein weiter Weg bis zum Turnierstart kommenden Juni. Doch das Hauen und Stechen um die Plätze im Luxuskader des DFB ist längst im Gange. Auf vielen Positionen herrscht ein enormer Konkurrenzkampf. Da trifft es sich gut, dass wir in Deutschand 80 Millionen Bundestrainer haben. Überall werden dieser Tage die Wunschformationen diskutiert, auch innerhalb unserer Redaktion haben wir uns Gedanken gemacht.

Die Goal-Redakteure Stefan Döring und Florian Teichert sind sich einig, dass Löw weiterhin im bewährten 4-2-3-1 spielen lassen sollte. Ein bavarisch-katalonisches 4-1-4-1 halten sie für zu gewagt. Beim gewählten Personal sind die beiden jedoch ziemlich unterschiedlicher Auffassung. Wie sollte also Deutschlands Startelf zum WM-Auftakt aussehen, falls alle Spieler fit sind? Hier sind ihre Meinungen:

"BVB-Block und Mesut Özil für die Spielkultur!"


Von Stefan Döring

Im Tor ist Manuel Neuer gesetzt. Zwar wurden in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Namen wie Rene Adler genannt, doch auch er patzte in den vergangenen Bundesligaspielen einige Male. Neuer war für die DFB-Elf immer ein sicherer Rückhalt, gehört zu den besten Keepern der Welt - deshalb steht er zurecht zwischen den Pfosten.

Auch in der Abwehr setze ich auf bekannte Gesichter. Hinten rechts verteidigt Philipp Lahm. Er ist der beste Rechtsverteidiger der Welt, gehört auch auf diese Position und nicht auf Links oder ins defensive Mittelfeld. Er kann Druck nach vorne machen und in der Defensive hat er grundsätzlich selten Probleme. Außerdem ist er der Kapitän der Elf, soll das Team führen. In der Mitte verteidigt Per Mertesacker neben Mats Hummels. An beiden Innenverteidigern führt kein Weg vorbei. Ersterer ist bei England gereift, entwickelte sich beim FC Arsenal zu einem Führungsspieler. Er ist zweikampfstark und hat ein gutes Stellungsspiel.

Für Spieleröffnung ist der Ex-Bremer hingegen nicht bekannt, deswegen steht ihm auch Hummels zur Seite. Bis zur Weltmeisterschaft hat er sich wieder stabilisiert und darf hoffentlich unter Löw seine so gefürchteten Steilpässe spielen, diese würden zudem das Mittelfeld in engen Partien entlasten. Er ist definitiv der beste deutsche Innenverteidiger und gehört in die Mannschaft.

Links verteidigt Hummels' BVB-Kollege Marcel Schmelzer. In Dortmund entwickelte sich dieser zu einem der besten Linksverteidiger der Liga. Er hält in aller Regelmäßigkeit seine Seite dicht, auch seine Vorstöße sind zumeist brandgefährlich. Marcel Janssen oder Dennis Aogo machen gegen Schmelle keinen Stich. Dass er und Hummels im Verein nebeneinander auflaufen, kann nur von Vorteil sein.

Bastian Schweinsteiger ist das Gesicht der Nationalmannschaft. Er entwickelte sich über die Jahre zu einem der stärksten Sechser der Welt und hat seinen Platz bei Löw sicher. Nach hinten macht er den Laden dicht, nach vorne kann er Akzente setzen. Zudem ist er der Leitwolf. Neben ihm muss Ilkay Gündogan auflaufen. Als offensiver Sechser kann er Wahnsinnspässe spielen, das stellt er jede Woche für den BVB unter Beweis. Im Deutschland-Trikot konnte er diese Qualität ebenfalls nachweisen, für die Spielkultur ist er unerlässlich, zumal er eine grandiose Übersicht hat - vor allem im Zusammenspiel mit Mesut Özil. Dieser zeigt gerade bei Arsenal, wie wichtig er für eine Mannschaft sein kann und das wissen auch wir.

Özil ist ein begnadeter Spielmacher mit dem Blick für den Mitspieler. Er ist lauf- und abschlussstark - ohne ihn funktioniert unsere Nationalelf nicht. Auf den Außenpositionen im Mittelfeld haben wir ein Luxusproblem. Andre Schürrle, Julian Draxler, Lukas Podolski, Thomas Müller. Das Rennen machen allerdings Marco Reus auf links sowie Mario Götze auf rechts. Das kongeniale Duo zauberte in der letzten Saison zusammen bei Borussia Dortmund und kennt sich daher bestens. Reus ist in dieser Saison wieder ein Führungsspieler und sehr torgefährlich. Über die Qualität von Götze brauchen wir uns an dieser Stelle nicht zu unterhalten. Ist er fit, spielt der Bayern-Star definitiv. Daran führt kein Weg vorbei.

Auch in der Sturmspitze setzen wir auf Altbewährtes: Miroslav Klose. Der Lazio-Stürmer verfügt über enorme Qualität und kann den Ball in fast allen Situationen verwerten. Außer Frage steht aber, dass Stefan Kießling in den Kader gehört. Unumstritten bringt er seit Jahren stabil gute Leistungen. Dass er von Löw bislang nicht einmal nominiert wurde, grenzt an eine bodenlose Frechheit. Dabei wird es wohl leider bei der WM in Brasilien bleiben. Deshalb ist Klose erste Wahl. Mario Gomez konnte im Nationaltrikot nie überzeugen und auch Max Kruse oder Kevin Volland kommen maximal als Ergänzungsspieler in Frage. Schade für Gomez oder Kießling, aber Klose ist und bleibt der Stürmer Nummer eins.

"SAM IST DFB-TAUGLICH, MÜLLER AUF DIE BANK!"


Von Florian Teichert

Im Tor besteht kein Zweifel: Rene Adler war zwar mal verdammt nah dran am Stammplatz, in der laufenden Spielzeit fiel der gebürtige Leipziger aber immer wieder durch Unkonzentriertheiten auf und fügte sich "souverän" in die Instabilität des Hamburger SV ein. Manuel Neuer ist momentan Deutschlands klare Nummer eins, auch wenn er ab und an mal daneben greift. Zudem würde eine unnötige Änderung auf der Position sicher für viel Diskussionsstoff sorgen.

In der Abwehrreihe startet Philipp Lahm hinten rechts und beendet somit die leidige Diskussion um seine Flexibilität. Lahm gehört auf die rechte Seite, auch wenn er genau so gut links spielen könnte oder gar eine Alternative im zentralen Mittelfeld ist. Da aber weder Benedikt Höwedes, noch andere Kandidaten an Lahms starke Auftritte auf rechts herankommen, ist der Kapitän hier für mich gesetzt. In der Innenverteidigung sehe ich definitiv Jerome Boateng, der sich bei Bayern zu einem echten Leistungsträger entwickelt hat und mitunter nun auch Torgefahr ausstrahlt. Sein Nebenmann heißt Per Mertesacker. Der 29-Jährige Leuchtturm vom FC Arsenal hat unglaublich viel Erfahrung und könnte bald dem Klub der DFB-100er beitreten. Ihn sehe ich vor dem Dortmunder Mats Hummels, der zwar eine echte Alternative darstellt und bei der EM 2012 seine Klasse beweisen durfte, zuletzt aber immer wieder - vor allem in wichtigen Spielen - patzte und als Unsicherheitsfaktor auffiel. Die Ruhe und Abgeklärtheit eines Mertesacker bringen hier deutliche Vorteile.

Auf der linken Abwehrseite hat Deutschland wenig Alternativen. Zuletzt durfte Dortmunds Marcel Schmelzer regelmäßig auflaufen - zur Zeit spielt sich jedoch ein anderer Spieler zurück in den Fokus: Schalkes Dennis Aogo! Nach der Ausmusterung beim HSV und dem Wechsel nach Gelsenkirchen scheint der 26-Jährige sein Formtief endlich überwunden zu haben. Besonders im Defensivverhalten liegt bei mir Aogo vor Schmelzer, der zwar nach vorne hin gute Arbeit leistete, sich in der Rückwärtsbewegung aber gerne überlaufen lässt.

Vor der Abwehr steht auf der Doppelsechs Bastian Schweinsteiger an erster Stelle. Bei den Bayern ist seine positionelle Zukunft ungewiss, schließlich kehren Javi Martinez und Thiago bald zurück. Im DFB-Dress ist er aber unersetzbar in der Mitte. Als Führungsspieler gibt er den Ton an, übernimmt Verantwortung auf dem Platz. Sein Nebenmann heißt Lars Bender. Der Leverkusener entwickelte sich im letzten Jahr hervorragend und hat auch in der Nationalmannschaft bewiesen, wie wichtig er sein kann. Ich sehe ihn momentan knapp vor Real Madrids Sami Khedira, der in seiner Entwicklung etwas stagniert und zur Zeit nur selten auf sich aufmerksam gemacht hat.

Das Prunkstück der deutschen Mannschaft: die Offensive! Mesut Özil hat der Wechsel auf die Insel sichtlich gut getan, so dass er auch für Löw ein absolutes "Muss" darstellen sollte. Er ist ein echter Zehner, hat oft bewiesen, wie gut er diese Rolle spielen kann. Im Gegensatz zu Mario Götze hadert Özil auch nicht mit sich und seinem Körper, geht dahin, wo es weh tut. Das wird sehr wichtig für das anstehende Turnier sein. Auch Toni Kroos ist sicherlich eine Option, hat allerdings zu selten konstant starke Leistungen unter Löw erbracht. Auf den Außenpositionen ist Fußball-Deutschland gesegnet und hat die Qual der Wahl. Auf der linken Seite hat Marco Reus die Nase vorn. Er überzeugt in der Elf von Jürgen Klopp durch unheimliche Spielfreude und viel Zug zum Tor. Mit Julian Draxler, Andre Schürrle sowie Lukas Podolski ist die Konkurrenz für Reus zwar ungeheuerlich, dennoch passt der Dortmunder hier am besten ins Gesamtbild.

Die Wahl auf der rechten offensiven Außenbahn fällt nicht einfacher. In Verbindung mit der einzigen Spitze habe ich mich hier etwas überraschend für den Leverkusener Sidney Sam entschieden und Thomas Müller draußen gelassen. Warum? Wie schon angedeutet, ist das Leverkusener Offensivduo mit Stefan Kießling und eben Sam momentan in überragender Form und ganz klar nationalmannschaftstauglich. Müller hat zwar immer wieder tolle Leistungen gezeigt, trotzdem sollte man diesem Duo eine Chance geben. Warum sollte es nicht auch in der Nationalmannschaft klappen?

Und da wären wir auch schon bei der Diskussion um Kießling. Dass der Stürmer wirklich noch einmal unter Löw im DFB-Trikot spielen wird, ist mittlerweile überaus unwahrscheinlich. In den vergangenen Wochen ist viel geredet worden: Leistungsprinzip war das Stichwort, welches oft gefallen ist. Und da muss man dem Bundestrainer einfach den Vorwurf machen, dass er Kießling so vehement zurückweist. Natürlich: Niemand weiß wirklich, was Kießling für ein Typ ist und ob es persönliche Differenzen gibt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist eine Nichtnominierung des amtierenden Bundesliga-Torschützenkönigs nicht nachzuvollziehen. Klose und Gomez in allen Ehren, aber Kießling ist zur Zeit einfach der beste deutsche Stürmer! 

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