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Alles Roger, Pep Guardiola? - Die ersten 100 Tage beim FC Bayern

100 Tage sind seit dem offiziellen Amtsantritt verstrichen: Was hat sich bei den Münchnern unter Guardiola verändert? Was macht der Spanier anders als dazumal bei Barca?

ANALYSE
Von Fabian Biastoch

München/Barcelona. Pep Guradiola wird Trainer des FC Bayern München. Jene Meldung im Januar 2013 ließ die Fußballwelt aufhorchen. Der Titelgarant des FC Barcelona wagt tatsächlich den Sprung in die deutsche Bundesliga. Er werde Deutschland revolutionieren, hieß es schnell. Doch was ist nun 100 Tage nach seinem offiziellen Amtsantritt am 1. Juli geblieben?

Wie auch bei den Katalanen beeindruckte der Spanier gleich von Beginn weg: Die Auftakt-Pressekonferenz in der Allianz Arena hielt er nahezu komplett auf Deutsch ab. Er löste damit ein ehrfürchtiges Raunen in der Journalistenrunde aus, wie schon fünf Jahre zuvor bei Barca. "Schnallt Euch gut an", erinnert sich Goals Spanien-Experte Ben Hayward an die legendären Worte Guardiolas von damals, "denn wir starten eine große Fahrt."

"Vor allem nach der Partie gegen Manchester City gab es wichtige Erkenntnisse. Der FC Bayern von Pep Guardiola wird eine Kombination aus dem Ballbesitzspiel des FC Barcelona und solide organisierter deutscher Tugenden", sagt Goals Bayern Experte Fabio Porta.

Diese große Fahrt versprach sich nach dem FCB in Katalonien auch der FCB in München. Doch in beiden Fällen stotterte der Motor zuerst. Mit dem späteren Zauberteam verlor Guardiola seine Auftaktpartie beim späteren Absteiger Numancia (0:1) und auch bei der Heimpremiere gegen Racing Santander reichte es nur zu einem 1:1. Erst das 6:1 gegen Sporting Gjion ließ den Knoten damals platzen und eine beeindruckende Serie von neun Siegen in Folge und 19 Dreiern aus 20 Spielen folgen.

Spielidee langsam zu erkennen

Im deutschen Supercup, dem ersten offiziellen Pflichtspiel des neuen Bayern-Masterminds, setzte es eine herbe 2:4-Pleite gegen Borussia Dortmund. In der Liga ist der Rekordmeister zwar unbesiegt, strauchelte aber nicht nur zu Beginn, sondern konnte auch kaum spielerische Glanzlichter liefern. Die vielen taktischen Experimente schienen die Spieler zu verunsichern. Ob Thomas Müller im Sturmzentrum oder eben Philipp Lahm im Mittelfeld, es lief keineswegs wie geschmiert. Bis zur letzten Woche, wie Goals Bayern-Reporter Fabio Porta meint: "Die Spielidee war spätestens gegen Manchester City zu sehen und wird sich mit der Zeit weiter verbessern."

"Man sollte weiterhin Geduld mit Guardiola haben, denn er bringt genau das ein, was ein Triple-Sieger nach einer grandiosen Saison benötigt: Er sorgt dafür, dass die Bayern nicht an Hunger verlieren", betont Porta. Dazu hat der Coach eine ungemeine Konkurrenzsituation geschaffen.

Die Säulen des Erfolgs sind nicht automatisch gesetzt. Ein Bastian Schweinsteiger hat namhafte Konkurrenz auf nunmehr einer Sechserposition. Zwar fehlten in den ersten Wochen noch Stars wie Thiago, Mario Götze oder Javi Martinez. Sind sie allerdings fit, wird auch der Druck in der Offensivabteilung weiter zunehmen.

Keine Angst vor großen Namen

Solche Konkurrenz herrschte auch in Barcelona. Opfer von Guardiolas Personalpolitik fanden sich hier genauso schnell wie in München. Während Arjen Robben im Sommer als potenzieller Abgang gehandelt wurde, darf er sich als Gewinner des neuen Systems bezeichnen. Anders als Mario Gomez oder Brasiliens Nationalspieler Luiz Gustavo, der als Stammspieler dort immerhin den Confederations Cup eroberte.

Gomez, als Parade-Joker das i-Tüpfelchen auf der vergangenen Saison, wurde in die Serie A abgeschoben, Gustavo nach Wolfsburg verkauft. Die Namen in Barcelona waren noch bekannter und größer: Deco, Zlatan Ibrahimovic und Ronaldinho mussten die harte Seite Guardiolas kennenlernen, die Katalanen verlassen.

  BARCAS PEP vs BAYERNS PEP

1. Juli 2008 OFFIZIELLER AMTSANTRITT
1. Juli 2013
1:2-Niederlage gegen Numancia ERSTES LIGASPIEL
3:1-Sieg gegen Mönchengladbach
1:2-Niederlage gegen Numancia ERSTE LIGANIEDERLAGE
bisher noch keine
6:1 gegen Sporting Gijon ERSTER LIGASIEG
3:1 gegen Mönchengladbach
13 von 18 möglichen (Platz 4) PUNKTESCHNITT NACH 100 TAGEN
20 von 24 möglichen (Platz 1)
zwei Jahre Barcelona B ERFAHRUNG BEI AMTSANTRITT insgesamt sechs Jahre Barca
6 (Rekord) TITEL IN SEINER ERSTEN SAISON
bisher 1

Für seine Idee von einem variablen 4-1-4-1-System opfert er jene Spieler, die ihm nicht helfen können. Da sind große und verdiente Namen kein Tabu. Dem Team ist alles unterzuordnen. Wenn der 41-Jährige auch nicht den Ball neu erfindet, so drehte er in der bestens geölten Maschine Bayern an einigen Stellschrauben.

"Das ist Tiki-Taka-Bavaria"

Sei es der Streit um die direkte medizinische Versorgung an der Säbener Straße oder die vermehrten Geheimtrainings - alles dient dem Ziel, die Bayern noch besser zu machen. Auch TV-Experte Lothar Matthäus sah nach dem starken 1:1 gegen Bayer Leverkusen die Veränderungen beim Triplesieger:

"Ich würde sagen, das ist Tiki-Taka-Bavaria. Das ist Fußball, wie wir ihn in der Vergangenheit aus Spanien gekannt haben. Das ist neu beim FC Bayern", analysierte der deutsche Rekordnationalspieler nach einem Remis, das Leverkusen nur halten konnte, weil es einen bärenstarken Bernd Leno zwischen den Pfosten hatte.

Die Münchner kommen immer besser ins Rollen. Das bekam nicht nur Manchester City zu spüren. Auch für die Kontrahenten in der Bundesliga wird es immer schwerer, den FC Bayern unter Pep Guardiola aufzuhalten.

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