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Das Duell zwischen dem deutschen Rekordmeister und den "Sky Blues" ist für Guardiola vermutlich ein ganz besonderes - hätte er doch durchaus auch beim Gegner landen können.

SPECIAL REPORT
Von Greg Stobart

Manchester. Irgendwann am Mittwochabend wird Manuel Pellegrini an der Seitenlinie neben sich blicken und sehen, wie Pep Guardiola Anweisungen an die Spieler des FC Bayern München gibt. Der Trainer von Manchester City weiß vermutlich, dass der jetzige FCB-Coach an seiner Stelle stehen würde, wenn die Verantwortlichen des englischen Vize-Meisters ihren Willen bekommen hätten.

Guardiola wurde während seiner Auszeit in der letzten Saison von mehreren europäischen Spitzenklubs umworben, inklusive Manchester United und Chelsea.

In der Endauslosung standen zwei Vereine - es waren ausgerechnet ManCity und der FC Bayern, jene Vereine, die sich nun in der Champions League gegenüberstehen.

City zögert

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Während die Münchener den etwas rücksichtslos anmutenden, aber klaren Plan hatten, sich von Jupp Heynckes zu verabschieden, um ihn durch den begehrtesten Trainer des Weltfußballs zu ersetzen, zögerten die Citizens zunächst damit, sich von Roberto Mancini zu trennen.

Nun gastiert Guardiola mit dem Champions-League-Sieger im Etihad Stadium, wohl wissend, dass er durchaus auch in Manchester hätte landen können. Dort hätte ihn die Aufgabe erwartet, die bisher äußerst dürftige Ausbeute der Citizens in der Königsklasse zu verbessern - die "Sky Blues" kamen in Europas höchstem Vereinswettbewerb in den letzten zwei Jahren nicht über die Gruppenphase hinaus.

Es waren aber die Bayern, die den Zuschlag bekamen. Beim deutschen Rekordmeister sah man in Guardiola den Mann, der auf der Grundlage des momentanen Erfolges eine Ära prägen sollte, in der man national und international alles beherrscht.

Pellegrini kommt nicht an Guardiola ran

Die gleichen Vorstellungen hatten die aus Abu Dhabi stammenden Besitzer von Manchester City. Citys Machthaber, Geschäftsführer Ferran Soriano und Txiki Begiristain, der Direktor der Abteilung Fußball, haben mit Pellegrini eine durchaus clevere Verpflichtung getätigt, vor allem, wenn man sich dessen Bilanz in europäischen Wettbewerben anschaut.

An die Erfolge oder die Reputation eine Pep Guardiola kommt Pellegrini allerdings nicht heran. Der ehemalige Trainer des FC Barcelona hat mit den Katalanen 13 Titel in vier Jahren geholt, nachdem er im Camp Nou von Soriano und Begiristain eingesetzt worden war.

Die drei einte in Barcelona eine enge Freundschaft - vor allem Begiristain und Guardiola. So verwundert es nicht, dass man diverse informelle Gespräche führte und einen Wechsel Guardiolas nach Manchester thematisierte. Man tauschte sich darüber aus, wie der ehemalige Mittelfeldspieler die Citizens zu ganz großen Erfolgen führen könnte, während parallel daran gearbeitet wurde, ein sich selbst finanzierendes Geschäftsmodell zu entwickeln, bei dem der Fokus auf der Jugendakademie liegt.

Pep flirtete mit der Premier League

City hätte sich Guardiolas Gehalt mit Leichtigkeit leisten können, er selbst betonte wiederholt, wie sehr die Premier League ihn reizt.

Während ihrer ersten Saison in Manchester wollten sich Soriano und Begiristain aber nicht aus der Reserve locken lassen. In Sachen Mancini gab man sich abwartend, fast betont lässig.

Natürlich hatte der Italiener kurz zuvor den ersten Titel für die Citizens nach 44 Jahren geholt und war entsprechend beliebt bei den Fans. Dennoch waren seine Tage nach der Verpflichtung der neuen Führungsriege mit Soriano und Begiristain abgelaufen, und das wusste er - trotz der Unterschrift unter einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag.

Schmutzige Scheidung

Es endete mit einer schmutzigen Scheidung, nachdem City die Titelverteidigung verpasste und im FA-Cup-Finale an Wigan scheiterte. Die Kritik an Mancini wurde unüberhörbar.

Zu dieser Zeit war die Sache längst gegessen, und Mancini musste nervige Fragen über Pellegrinis bevorstehendem Wechsel nach Manchester beantworten - wohlgemerkt während er die Citizens noch trainierte. Schließlich wurde er vor die Tür gesetzt.

Wenn Soriano und Begiristain ihrem Instinkt gefolgt wären und Mancini eher gefeuert hätten, wäre eine Verpflichtung Guardiolas wohl möglich gewesen. Die Citizens hätten den Mann bekommen, den sie wirklich wollten und so ihre Version des FC Barcelona in Manchester weiter ausbauen können. Aber auch unter Pellegrini wird deutlich, in welche Richtung es gehen soll: Der Etihad-Campus, inspiriert von La Masia, wird im nächsten Sommer in Ost-Manchester eröffnen und soll Ausdruck einer neuen Klub-Philosophie sein.

Guardiola noch nicht abgeschrieben

Es ist ein Langzeit-Projekt, und zwar eines, für das die Machthaber von City sich insgeheim immer noch einen Pep Guardiola in einer bedeutenden Rolle wünschen. Sie werden ihn und die Bayern ganz genau beobachten.

Pellegrini, der für den Bayern-Trainer einst eine große Inspiration war, scheint durchaus fähig, die Vision von Soriano und Begiristain in den nächsten Jahren zu verwirklichen. Mit inzwischen 60 Jahren aber wird es schwer, darüber hinaus etwas aufzubauen.

Bei dem Verein, der im Moment fast die gesamte Fläche von Manchester neu gestaltet, denkt man jedoch langfristig. So ist es zwar der Fall, dass Guardiola am Mittwoch zwar als Gegner ins Etihad Stadium kommt, die Vereinsverantwortlichen ihn aber noch nicht abgeschrieben haben. Manchester City und Pep Guardiola - dieses Thema könnte uns noch beschäftigen.

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