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Endlich zu Null: Schalke-Abwehr auf dem Prüfstand

Das große Manko des S04 war in dieser noch jungen Saison die Leistung im Defensivverhalten. Es gab viele Gegentore und schwere Fehler. Die Formkurve zeigt nun leicht nach oben.

ANALYSE
Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Teils vogelwild agierte der FC Schalke 04 in den ersten drei Spielen der noch frischen Bundesligasaison. Das Resultat folgte prompt: drei Spiele, neun Gegentore! Gemessen an den Ambitionen der Akteure und der Verantwortlichen war solch eine Quote inakzeptabel. Als die bisher ungeschlagene Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen den Weg in die Veltins-Arena fand, hielt die sonst wackelige Abwehr plötzlich dicht – Schalke gewann 2:0. Ein positiver Ausrutscher oder hat sich die Defensive wirklich stabilisiert?

Nur im Kollektiv stark

Dass eine Abwehr auch immer davon abhängig ist, wie die Vorderleute mit nach hinten arbeiten, wurde am vergangenen Samstag deutlich. Der FC Schalke 04 schlug mit einer tollen Mannschaftsleistung die bis dahin punktverlustlose Werkself von Bayer Leverkusen, die gerade für ihren ausgeprägten Offensivdrang und ihre zielstrebige Torgefahr bekannt ist. Die Außenspieler um Jefferson Farfan und Julian Draxler gingen weite Wege, besonders gegen den Ball. Auch Neuzugang Kevin-Prince Boateng half in der Rückwärtsbewegung aus. Hinzu kam eine bärenstarke Vorstellung der beiden Sechser Marco Höger und Roman Neustädter, die vor der Viererkette ordentlich mit dem Staubsauger unterwegs waren.

Generell ging durch das Team des FC Schalke ein großer Ruck, der insbesondere auch in der Abwehr zu spüren war. Dabei mussten die Schalker die Ausfälle von Kapitän Benedikt Höwedes (Rotsperre) und Christian Fuchs (Gelbrot-Sperre) kompensieren. Vor allem Höwedes wies in den Spielen die beste Zweikampfquote auf (siehe unten). Der Japaner Atsuto Uchida rief seine Leistung ab, wie auch das Innenverteidiger-Duo um Felipe Santana und Joel Matip. Abgerundet wurde die beeindruckende Performance von einem starken Dennis Aogo.

Spielername Einsätze gewonnene
Zweikämpfe
verlorene
Zweikämpfe
Passquote
Benedikt Höwedes 3 74% 26% 85%
Felipe Santana 3 57% 43% 76%
Joel Matip 3 57% 43% 82%
Atsuto Uchida 3 47% 53% 79%
Christian Fuchs 3 48% 52% 76%
Dennis Aogo 3 48% 52% 72%
Tim Hoogland 1 55% 45% 82%

Quelle: bundesliga.de

Noch nicht eingespielt

Dennoch muss man festhalten, dass trotzdem noch einige Wackler zu sehen waren. Gleichwohl: es lässt sich nicht alles verhindern und ein bisschen Glück gehört immer dazu. Trainer Jens Keller bot in den bisherigen vier Bundesligapartien stets eine andere Viererkette auf, in jedem Spiel wurde mindestens ein Verteidiger ausgetauscht. Somit war es noch nicht möglich eine gewisse Routine, eine Eingespieltheit zu entwickeln. Dies birgt Risiken. Wobei erwähnt sein muss, dass die Abwehr gegen Bayer Leverkusen in der Form noch nie zusammenspielte und trotzdem die Null stand. Um allerdings die nötige Konstanz im Hinblick auf eine lange und schwere Spielzeit zu erlangen, braucht es blinde Verständigung, die kommt nur mit der eben erwähnten Routine.

Schalke 04 verfügt über vier etablierte und kampfstarke Innenverteidiger. Nationalspieler Benedikt Höwedes wird für Jens Keller gesetzt sein, dahinter duellieren sich Joel Matip, Felipe Santana und der sich noch im Aufbau befindende Kyriakos Papadopoulos. Wer beim nächsten Bundesligaspiel bei Mainz 05 den Platz neben Höwedes einnehmen wird, ist zwar noch unklar, aber es dürfte wohl Felipe Santana sein, der gegenüber Joel Matip in der Partie gegen Leverkusen den souveräneren Eindruck hinterließ. Sollte der Grieche Papadopoulos wieder völlig hergestellt sein, wird der Kampf im Abwehrzentrum spannend, denn der 21-Jährige war vor seiner schweren Knieverletzung Stammspieler.

Auf den Außenverteidigerpositionen gilt der japanische Nationalkicker Atsuto Uchida als gesetzt. In den ersten Begegnungen zeigte "Uschi" große Schwächen im Stellungsspiel und im Zweikampfverhalten. Wie ein Phönix aus der Asche stieg dieser gegen die Werkself plötzlich empor und lieferte eine tadellose Vorstellung ab. Den Kritikern bewies der 25-Jährige, dass seine Formkurve nun wieder nach oben zeigt. Sein Pendant auf der linken Seite war Dennis Aogo, der den teils schwerfälligen Christian Fuchs ersetzen musste. Fuchs fand bis dato nicht seinen Rhythmus und verteidigte nicht zufriedenstellend. Dennis Aogo spielte allerdings groß auf und wird den Österreicher von seinem Startplatz verdrängt haben.

In den noch kommenden schweren Spielen wird es wichtig sein, dass die Abwehr des FC Schalke 04 Unterstützung von den Vorderleuten erfährt. Ausgeglichenheit, Kampf, Wille und Selbstvertrauen sind die Schlüssel zu stabilem Spiel. Das Personal hat Schwachpunkte, die hat allerdings jede Abwehr, deshalb wird es umso wichtiger sein, die eigenen Fehler weitgehend zu minimieren. Dann steht bei den Schalkern in der Defensive noch viel öfter die Null.

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