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Weder ein Beckham noch ein Ronaldo - Für Gareth Bale wird es schwer, seine Ablösesumme wieder einzuspielen

Real Madrid hat für den Waliser den Transferweltrekord gebrochen. Aber kann Bale für die "Blancos" kommerziell so wertvoll werden, wie es David Beckham und Cristiano Ronaldo waren?

Von Paul MacDonald

Real Madrid ist wie ein Hollywood-Studio; Jeden Tag produzieren wir einen Film. Und Fußball ist wie ein Film, der sich besser verkauft, wenn Tom Cruise mitspielt. Wir haben sozusagen Tom Cruise verpflichtet."

Jose Angel Sanchez sagte diese Worte 2007 und er weiß besser als jeder andere, was ein "Galactico" wert ist. Real Madrids Generaldirektor war an der Seite von Florentino Perez seit dieser sein extravagantes Projekt im Jahr 2000 mit Luis Figo begann. Gestärkt wurde es mit David Beckham und erreichte mit Cristiano Ronaldo seinen Höhepunkt. Nun wird es also mit Gareth Bale, dem ersten 100-Millionen-Spieler fortgeführt.

Große Namen kamen Reihenweise

Man kann sagen, das Konzept des "Fußballer als Filmstar" wurde von Perez umgesetzt, sorgfältig entwickelt von seinem Kompagnon Sanchez. Sie entschieden, dass sie millionenschwere Blockbuster-Transfer tätiogen wollten. Allerdings nur für solche Spieler, die eine globale Anziehungskraft haben und damit die Investitionen wieder einspielen. Seit 2000 haben sie den Weltrekord für die höchste Ablöse fünfmal gebrochen und nun glauben sie, dass Gareth Bale die Marketingmaschine befeuern und jede Menge Umsatz generieren kann.

Gemessen an dem, was er im Santiago Bernabeu erreichen kann, ist Reals Wertschätzung für Bale atemberaubend. Vor ihm kamen David Beckham, Kaka und Cristiano Ronaldo als Ballon-d'Or-Gewinner und Champions-League-Sieger nach Madrid. Bale kann das nicht vorweisen. Dennoch verkörpert er den aktuellen Zeitgeist. Er ist das Gesicht der Premier League, ein global marktfähiger Superstar. Wie auch die Verpflichtung der "Galacticos" hat Bales Verpflichtung wenig mit sportlicher Taktik zu tun. Die Integration des 24-Jährigen in Carlo Ancelottis Team ist die Aufgabe des Trainers.

Bale ist erst dabei, sich einen Namen zu machen

WELTREKORDLER
 LUIS FIGO | 2000 | 50 Millionen Euro

Schweineköpfe flogen nach Luis Figos spektakulärem Wechsel zu Real. Fünf Jahre hatte er für den Erzrivalen Barcelona gespielt, dann wurde er der erste "Galactico".
  ZINEDINE ZIDANE | 2001 | 68 Millionen Euro

Einer der größten Spieler aller Zeiten und ein echter Charakterkopf. Der Wechsel des Franzosen von Juventus zu Real war ein beeindruckendes Ereignis.
  KAKA | 2009 | 70 Millionen Euro

Nach einer bärenstarken Zeit beim AC Milan konnte Kaka in Spanien die hohen Erwartungen, die an seine Ablöse geknüpft waren, nicht erfüllen.

  CRISTIANO RONALDO | 2009 | 94 Millionen Euro

Vor Bale der Transferrekord. Ex-Weltfußballerb Ronaldo war sein Geld wert, ihm gelingt im Schnitt mehr als ein Treffer pro Spiel für Real.
Aber im Gegensatz zu anderen ist Bale nicht von Beginn an einer, der die Gelddruckmaschine anschmeißt. Als Beckham 2003 für 30 Millionen Euro kam, wurden binnen sechs Monaten genug Trikots verkauft, um die Ablöse reinzuholen. In seinen vier Real-Jahren wuchsen die Werbeeinnahmen um 65 Millionen Euro.

Ronaldos Ankunft war noch lukrativer: Zwar kostete er 94 Millionen Euro, doch der Klub schätzt, dass alle Kosten für den "CR7"-Deal innerhalb eines Jahres wieder eingespielt waren. Kaka, im Sommer desselben Jahres verpflichtet, amortisierte sich ebenfalls zügig. Bale passt dagegen noch nicht ganz in die Kategorie seiner profitablen Vorgänger, die weltweit zu Gesichtern für Real wurden.

Ein Marketingexperte sagte Goal: "In Bales Alter hat Ronaldo bereits deutlich mehr Geld verdient. Allerdings unternimmt Bale gerade merklich Schritte, seine Marke auszubauen. Er macht den "11-Of-Hearts"-Torjubel zu seinem Markenzeichen, das ist ein cleverer Businesszug."

"Ein wesentlicher Faktor ist allerdings auch die Beliebtheit der Spieler bei Social Media. Beckham als Revolutionär können wir außen vor lassen. Bales Zahlen dort verblassen im Vergleich zu anderen Premier-League-Größen, von Ronaldo und Kaka ganz zu schweigen."

"Im Moment muss er noch eine Menge aufholen. Doch er ist jung genug, um noch Fortschritte zumachen und irgendwann einer Liga mit Ronaldo, Messi, Kaka, Rooney, und anderen zu spielen.”

Ronaldo wird bald einen absurd lukrativen neuen Vertrag unterschreiben. Er wird auch künftig einen größeren Teil seiner Persönlichkeitsrechte halten, Reals Anteil daran wird auf 20 Prozent halbiert. Diesen Verlust wollen die "Blancos" ausgleichen, indem sie sich einen hohen Prozentsatz der Persönlichkeitsrechte Bales sichern. Die Werbeeinnahmen des Vereins haben 2011/12 die 150-Millionen-Euro-Marke geknackt und diese Zahl wird nach dem Weltrekordtransfer weiter steigen. Trotz Spaniens Wirtschaftskrise ist Real Madrid von der schwindenden Kaufkraft der Menschen nicht betroffen.

Der Deal kostet Real eine Fünftel Milliarde Euro

Neben seiner eigenen Bekleidungskollektion, die er in Zusammenarbeit mit Adidas auf den Weg gebracht hat, war Bale zuletzt in den USA und Asien verstärkt präsent. In beiden wichtigen Märkten war er DAS Gesicht mit dem die Premier League warb. In Madrid haben sie den Eindruck, dass seine wachsende Popularität das Risiko von mehr als 100 Millionen Euro Ablöse und einem Jahregehalt von etwa zwölf Millionen Euro wert ist.

Alles in allem, inklusive Bonuszahlungen und weiteren fixen Zahlungen, belaufen sich die Kosten für die Verpflichtung des Spielers auf eine Fünftel Milliarde Euro.

Analyse: Wo Gareth Bale bei Real Madrid reinpasst

Der Marktwert eines Fußballers wird längst nicht mehr an gewonnenen Titeln, erzielten Toren oder gebauten Statuen gemessen. In diesem Fall ist es aber ein interessantes Projekt, da Real keinen internationalen Superstar verpflichtet, sondern einen Spieler, der noch auf dem Weg dorthin ist. Mit diesem Transfer betritt Spaniens Rekordmeister Neuland.

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