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Debatte: Ist die Primera Division langweilig?

Diego Simeone ist überzeugt: Spaniens Eliteliga ist uninteressant, weil nur zwei Teams den Titel holen können. Aber stimmt das? Wir lassen zwei Experten zu Wort kommen!

DEBATTE
Von Carlo Garganese & Ben Hayward

Sie gilt bei vielen Experten als beste Liga der Welt. Sie ist die Heimat der besten Spieler des Planeten und einige der größten Klubs sind hier zuhause. Aber ist die Primera Division auch langweilig?

Das meint jedenfalls Diego Simeone. Der Trainer von Atletico Madrid erklärte am Montag, sein Team habe keine Chance auf den Titel. Er hält die Liga für "langweilig", weil nur der FC Barcelona und Real Madrid sie gewinnen könnten: "Real Madrid und Barcelona spielen in einer anderen Liga. Das ist eine langweilige Meisterschaft", so der Argentinier.

Simeone und Atletico landeten am Ende der letzten Spielzeit auf dem dritten Rang, 24 Punkte hinter Meister Barcelona. Er glaubt, dass sich an diesem Kräfteverhältnis erst wieder etwas ändern kann, sobald die TV-Gelder in Spanien gerechter verteilt werden.

Aber hat er Recht? Die Goal-Experten Carlo Garganese und Ben Hayward diskutieren, ob La Liga ihren Glanz verloren hat. Fad oder fesselnd? Hier sind ihre Meinungen:

"CLASICO-DOMINANZ IST LACHHAFT FÜR LA LIGA"


Von Carlo Garganese

Als neutraler Fußballfan wünsche ich mir einen harten Wettbewerb in einer umkämpften Liga. Es sollen mehr als zwei Mannschaften eine realistische Chance auf den Titel haben und Qualität sollte auf allen Ebenen vorhanden sein.

In Spanien ist das einfach nicht der Fall. La Liga ist nicht nur eine Zwei-Klubs-Liga des "Clasico"-Pärchens, der Abstand zu den anderen Vereinen ist außerdem astronomisch. In den letzten vier Jahren betrug der Abstand zwischen Platz zwei und Platz drei am Saisonende im Durchschnitt 21 Punkte. Eine lachhafte Zahl für diese Liga!

Barcelona und Real Madrid haben praktisch ein Monopol bei der Verteilung der TV-Gelder und das macht es den anderen Vereinen unmöglich, Paroli zu bieten. Alle Topspieler der Liga stehen bei den beiden Klubs unter Vertrag. Mal abgesehen von Thibaut Courtois - der noch nicht einmal Atletico Madrid gehört - wäre kein Spieler der anderen 18 Mannschaften Stammkraft bei Real oder Barca.

Wegen der Finanzkrise (die 40 Vereine aus der Primera und Segunda Division drücken insgesamt vier Milliarden Euro Schulden) und dem Exodus von Topspielern in diesem Sommer werden wir die Saison mit dem größten Gefälle überhaupt erleben. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sowohl Madrid, als auch Barcelona am Ende die 100-Punkte-Marke knacken.

Barcelona und Madrid spielen tollen Fußball. In der Champions League sehe ich sie lieber als viele andere Teams. Atletico und Athletic sind ebenfalls hübsch anzuschauen. Der spanische Fußball ist auch nicht langweilig, aber die spanische Liga als Wettbewerb, die ist langweilig.

Für diejenigen, die noch immer La Liga blind verteidigen - stellt Euch selbst folgende Frage: Möchtet Ihr nicht lieber das Rad der Zeit zehn Jahre zurückdrehen? Damals strotzen auch Mannschaften wie Valencia und Deportivo vor Talent. Sie gewannen Titel und Spanien war auch erfolgreicher in der Champions League. Oder habt Ihr lieber eine Liga, in der Real und Barca regelmäßig zur Halbzeit mit Rugby-Spielständen in Front liegen?

Ich weiß, was mir lieber wäre!

"EINE AUFREGENDE ÄRA FÜR DEN SPANISCHEN FUßBALL"


Von Ben Hayward

Simeone hat Recht, wenn er sagt, einzig Barcelona und Real Madrid könnten La Liga derzeit gewinnen. Aber er hat Unrecht, wenn er die Primera Division als langweilig bezeichnet.

Wir waren in den letzten Jahren Zeugen des faszinierenden Duells zwischen Barcelona und Real, jeweils angeführt von den beiden besten Fußballern der Welt: Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Der Kampf dieser beiden Ausnahmekünstler ist eine Freude für die Fans und er wird in dieser Saison in die nächste Runde gehen. Dazu kommt die Ankunft Neymars in Barcelona und der Wechsel von Isco nach Madrid. Gareth Bale könnte noch hinzukommen - uns erwartet eine spannende Spielzeit.

Während diese Beiden also immer stärker werden, waren andere Spitzenvereine in diesem Sommer gezwungen, Stars zu verkaufen, um Schulden abzubauen. Malaga hat viele Spieler aus der Mannschaft abgegeben, die im Vorjahr das Viertelfinale der Champions League erreichte. Atletico Madrid hat Falcao verloren und Robert Soldado kehrte Valencia den Rücken. Nahezu jedes Team der Primera Division verlor ein Toptalent.

Und dennoch gibt es viele reizvolle Spieler in La Liga außerhalb von Madrid und Barcelona: Valencia hat den hochgelobten Kolumbianer Dorlan Pabon für Soldado geholt und wirkt unter Miroslav Djukic sehr stabil. Atleti hat mit David Villa eine neue Speerspitze und Athletic Bilbao verstärkte sich mit Ernesto Valverde auf der Trainerbank und Benat im Mittelfeld. Sevilla mag zwar Jesus Navas und Alvaro Negredo verloren haben, in der Breite ist der Kader jedoch besser aufgestellt, und Betis bewies am Sonntag im "Santiago Bernabeu", dass der Verein an gewissen Tagen mit den Großen mithalten kann.

Es ist schade, dass nur zwei Teams um die Meisterschaft kämpfen. Aber die Menge an Talent in dieser aufregenden Ära des spanischen Fußballs macht La Liga alles andere als langweilig.

EURE MEINUNG: Ihr seid gefragt! Ist Spaniens Topliga langweilig? Falls ja, wieso? Und falls nicht, warum seid Ihr dieser Ansicht?

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