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Werder Bremens neue Sturmhoffnung Franco Di Santo: Der „kleine Crespo“ will zur WM

Wird es ein Diego oder eher ein Elia? Werder Bremen hat mit Franco di Santo wieder einen hochveranlagten Kicker verpflichtet. Wir stellen Euch den Argentinier vor!

PORTRÄT
Von Falko Blöding

Franco di Santo ist es also geworden. Dass Werder Bremen in der Offensive noch eine Verstärkung holen wollte, war kein Geheimnis und das Rennen hat der 24 Jahre alte Argentinier gemacht. Zuletzt spielte er bei Wigan Athletic und sein Vertrag dort war ausgelaufen. Er kostet die Bremer also keine Ablöse.

"Werder hat einen sehr guten Namen und die Bundesliga ist eine attraktive Liga. Ich möchte hier zeigen, was ich drauf habe", verkündete di Santo in einem ersten Statement auf Werders Homepage. Einen Tag vor seiner offiziellen Präsentation stellt Goal Euch den Neuzugang vor.

Über Chile nach Europa

Di Santo wurde im April 1987 im argentinischen Mendoza geboren. Er hat italienische Wurzeln und daher neben der argentinischen auch die italienische Staatsbürgerschaft. Seine ersten Schritte auf dem Fußballplatz unternahm er bei Gody Cruz, ehe er sich im Dress des chilenischen Spitzenvereins Audax Italiano einen Namen machte. Als 17-Jähriger schaffte er dort den Sprung in die erste Mannschaft, traf regelmäßig und sammelte Erfahrungen in der Copa Libertadores, Südamerikas Königsklasse.

FRANCO DI SANTO
STÜRMER | WERDER BREMEN

LEISTUNGSDATEN 2012/13
Einsätze 35
Tore 5
Assists 5
NATIONALMANNSCHAFT
Einsätze A-Elf (Tore) 2 (0)
Einsätze U-20 (Tore) 25 (5)
Letztes A-Länderspiel 26.03.13 vs. Bolivien

Europas Spitzenklubs wurden auf den kantigen Offensivspieler aufmerksam. Es soll Interesse von Manchester United und Real Madrid gegeben haben, das Rennen machte indes der FC Chelsea. Di Santo wechselte im Januar 2008 für umgerechnet 4,5 Millionen Euro an die "Stamford Bridge". Ein echter Kulturschock für den Youngster, der fortan mit Didier Drogba, Andrey Shevchenko, Claudio Pizarro und Nicolas Anelka um einen Platz im Angriff konkurrierte. "Ich finde, man muss immer positiv denken. Ich habe Selbstvertrauen. Nach einer gewissen Zeit, vielleicht zwei Monate oder vielleicht ein Jahr, kann ich mit jedem um meine Position kämpfen", sagte er damals. Einen Spitznamen hatte er ebenfalls schnell weg: In Anlehnung an seinen Landsmann Hernan Crespo taufte ihn Abwehrspieler Ricardo Carvalho "Crespito", den "kleinen Crespo".

Arbeitsbiene ohne Platz im Starensemble
"ER IST IRGENDWIE IN VERGESSENHEIT GERATEN"

"Ein Verein wie Werder, der zuletzt solche Probleme hatte, sollte vermutlich keine Spieler wie di Santo holen. Er ist nicht gut genug für die Startelf und man kann sich nicht auf regelmäßige Tore von ihm verlassen. Von Außen betrachtet wirkt es nicht so, als liefen die Dinge für Werder künftig besser, wenn sie Leute wie di Santo verpflichten. Auch, wenn er ablösefrei ist.

Er ist immer noch erst 24 und unterschiedliche Ligen liegen unterschiedlichen Spielern. Eventuell erweist er sich als guter Griff, doch selbst dann traue ich ihm nicht mehr als zehn Tore in einer Saison zu.

Es ist nicht so, dass er in England einen schrecklichen Ruf hat. Vielmehr ist er irgendwie in Vergessenheit geraten, die Leute haben keine besondere Meinung von ihm."

Sam Lee, Assistant Editor Goal UK


Den Sprung in das Londoner Starensemble schaffte di Santo indes nicht, traf dafür aber regelmäßig in Chelseas Reserve. Mittlerweile war er über 1,90 Meter groß und hatte sich auf das Spiel in England eingestellt. Nach wenigen Monaten auf der Insel sagte er: "Ich war immer größer als die Spieler in meinem Alter. Als ich in Chile spielte war ich stets der Größte auf dem Platz. Nun bin ich hier und hier bin ich nur einer von vielen großen Spielern. Mir ist es egal, wo ich bin. Ich will in jedem Training alles geben und das soll man in den Matches auch sehen. Hier ist das Tempo sehr hoch und man muss immer fighten. Ich bin der erste Verteidiger und muss es den gegnerischen Abwehrspielern so schwer wie möglich machen."

Seine emsige Spielweise fiel auch den Blackburn Rovers auf, sie liehen ihn zur Spielzeit 2009/10 aus. Di Santo hatte dort zunächst mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Trainer Sam Allardyce war dennoch angetan von seinem Schützling, der im Herbst 2009 gegen Burnley seinen ersten Treffer in der Premier League markierte. Blackburn dehnte die Ausleihe von Februar 2010 auf das Saisonende 2010 aus. Weil di Santo aber anschließend unter Ladehemmung litt, blieb ihm nur die Rolle des Jokers.

In England haben sie auch wegen seiner Abschlussschwäche nicht die beste Meinung von ihm. Sam Lee, Assistant Editor bei Goal UK, meint: "Er muss seinen Abschluss dringend verbessern. Im Schnitt trifft er nur alle acht Spiele. Er ist zwar groß, aber in der Luft nicht überragend. Seine Ballbehandlung ist ordentlich, allerdings kann man auch nicht behaupten, dass er eine tolle Technik hat. Gut ist er, wenn er mit dem Rücken zum Tor den Ball behaupten soll."

Er kehrte kurz zu Chelsea zurück, ehe ihn Wigan für 2,3 Millionen Euro fest verpflichtete. Es folgten drei Jahre bei den "Latics", in denen er zwischen Startelf und Ersatzbank pendelte. Er absolvierte nur wenige Partien über die vollen 90 Minuten. In 97 Pflichtspielen gelangen ihm 13 Tore und zehn Vorlagen. Durchaus eine ausbaufähige Quote für einen Stürmer, der allerdings eine kraftraubende Spielweise pflegt und für vollen Einsatz auf dem Rasen bekannt ist. Er ist technisch beschlagen und dynamisch am Ball.

Di Santo wollte nicht verlängern

Wigan wollte den im Sommer ausgelaufenen Vertrag gerne verlängern, di Santo schlug die Offerte im Frühjahr jedoch aus. Dem Vernehmen nach spekulierte er auf das Angebot eines Spitzenklubs - vergeblich. Gerüchte besagen, dass es Interesse von West Bromwich Albion und vom FC Everton gab. Konkret wurde es mit beiden Klubs jedoch nicht.

Dass kein großer Fisch anklopfte war Werders Glück. Die Bremer sicherten sich das einstige Talent nun ablösefrei. Zweifellos hoffen Geschäftsführer Thomas Eichin und Trainer Robin Dutt darauf, dass der 24-Jährige sein Potenzial ausschöpft. Immerhin zählte er lange Zeit zum Stamm der argentinischen U-20-Nationalmannschaft, absolvierte dort 25 Partien (fünf Tore). Außerdem hat er zwei Länderspiele für die "Albiceleste" absolviert.




Für Werder ist nun die Frage, ob er den Durchbruch schafft, wie es einst Diego, Mesut Özil und Co. an der Weser taten. Oder, ob er in die Kategorie Carlos Alberto oder Eljero Elia fällt. Also mit viel Begabung gesegnet, aber nicht in der Lage, dies (konstant) in der Hansestadt abzurufen.

Eichin ist jedenfalls optimistisch, wie er am Mittwoch mitteilte: "Wir haben nach einem robusten Stürmer gesucht, der bereits über Erfahrung in einer großen Liga verfügt. Wir sind uns sicher, dass wir mit Franco Di Santo eine gute Lösung gefunden haben. Er hat Erfahrung, aber er hat auch noch genug Entwicklungspotenzial, um einen großen Schritt nach vorn zu machen. Er möchte mit Argentinien zur WM 2014 und wir würden uns freuen, wenn er in Bremen so auf sich aufmerksam macht, dass er das Ziel erreicht."

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