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Die Nervosität steigt, die Fingernägel werden kürzer: Die Bundesliga startet in ihre neue Saison und wir machen den Check! Wie gut ist Hannover 96 gerüstet?

Hannover. Vom Fast-Absteiger zum viertbesten Klub der Bundesliga: Diesen Sprung hat Hannover 96 vor zwei Jahren geschafft. Seitdem stagnieren die Niedersachsen jedoch in der Entwicklung und blieben nach einem zweiten, recht kurzen Gastspiel in Europa in der Vorsaison hinter den mittlerweile sehr hohen Erwartungen zurück. Nicht nur unter den Fans ist die Messlatte erstaunlich hoch angesetzt, allen voran verlangt Präsident Martin Kind Großes und spricht sogar von der Champions League. Ein Ziel, das mit einem zwar vermeintlich stark besetzten, aber oft von Verletzungen geplagten Kader utopisch scheint.


FORM & VORBEREITUNG

Die Vorbereitung verlief durchwachsen. Lichtblicke, wie der 2:1-Erfolg gegen Premier-League-Klub West Brom, wechselten sich mit Schattenmomenten ab, wie der 0:3-Pleite gegen PSV Eindhoven. Alles in allem kristallisierte sich aber heraus, dass 96 noch nicht bereit scheint, in die Saison zu gehen. An Abstimmung innerhalb des Teams mangelt es und gerade in der Offensive funktioniert noch nicht viel.

Bezeichnend dafür ist das schwache 2:0 im DFB-Pokal gegen Regionalligist Victoria Hamburg. Das Ergebnis ist schmeichelhaft, von einem Klassenunterschied war kaum etwas zu merken. Besonders auffällig: Hannover trat zwar dominant auf und hatte mehr Ballbesitz, Gefahr entstand daraus aber selten. Schon im Vorjahr hatten die "Roten" große Probleme, als Team aufzutreten, dass das Spiel macht. In der brillanten Saison 2010/2011 glänzten die Niedersachsen vor allem als Konter-Mannschaft, die gemäß der "10-Sekunden-Regel" überfallartig die gegnerischen Reihen überwandt. Genau darauf hat sich die Konkurrenz mittlerweile jedoch eingestellt. Hannover scheint so der Zahn gezogen.

Darüberhinaus fehlt 96 auch defensiv noch die Sicherheit. Einzig Neuzugang Salif Sane wusste in der Abwehr zu überzeugen, dem Senegalesen mangelt es jedoch an stabilen Nebenleuten. Nichtsdestotrotz wollen die Verantwortlichen vorerst mit dem vorhandenen Personal in die Saison gehen und die ersten Ergebnisse abwarten. Zum Gradmesser könnte da schon das kommende Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg werden.

TRANSFERS

Das Augenmerk bei den Neuverpflichtungen lag auf der Abwehr und dem Mittelfeld. Dementsprechend handelte Manager Dirk Dufner und verstärkte den Defensiv-Verbund mit den Innenverteidigern Salif Sane vom AS Nancy und Florian Ballas aus der Jugend des 1. FC Nürnberg. Insbesondere in Sane werden große Hoffnungen gesetzt: Der 1,96-Meter-Hüne könnte sich als Glücksgriff erweisen und hinterließ in den Testspielen einen bleibenden Eindruck. Auch Florian Ballas wusste zu überzeugen und zählt durchaus zu den Kandidaten auf einen Platz in der Stammformation.

Ähnliches wird auch den Neuzugängen im Mittelfeld zugetraut: Von Absteiger Greuther Fürth kam der vielumworbene Edgar Prib, von Borussia Dortmund wechselte Leonardo Bittencourt an die Leine. Letzterer verpasste jedoch weite Teile der Vorbereitung und scheint noch nicht ganz angekommen in Hannover. Anders Edgar Prib: Der 23-Jährige wurde auf Anhieb zur echten Alternative für die Startelf. Noch unterlaufen dem vielseitigen Mittelfeldmann zu viele Fehler, die ersten Auftritte, in denen Prib oft mit Laufbereitschaft und Kampfgeist bestach, lassen jedoch hoffen, dass der einstige Fürther seine Schwächen ablegen kann.

Die Liste der Abgänge scheint auf den ersten Blick schmerzhaft und ist mit prominenten Namen gespickt. Unersetzlich ist von den abgegebenen Spielern jedoch niemand. Zumal Konstantin Rausch, Mohammed Abdellaoue (beide VfB Stuttgart) und Sergio da Silva Pinto (Levante) nur bedingt zum Stammpersonal zählten. Unumstritten war keiner der drei, die zuletzt außerdem nur selten mit starken Auftritten glänzten. Weiterhin verließen den Verein: Deniz Aycicek (Duisburg), Samuel Radlinger (Leihe zu Rapid Wien), Daniel Royer (Austria Wien), Niko Gießelmann (Fürth), Sofian Chahed (vereinslos), Mario Eggimann (Union Berlin) und Sascha Schünemann (Hansa Rostock).


Halt Hoffnung Halligalli



GEWINNER & VERLIERER DER VORBEREITUNG

+ Christian Pander - Der Linksverteidiger hat eine - wohlwollend ausgedrückt - schwache Saison hinter sich. Der 29-Jährige zog sich früh eine Verletzung im Oberschenkel zu, die im Laufe der Spielzeit nie völlig verheilte. Seine größte Stärke - einer der wohl besten linken Füße der Liga - konnte Pander daher kaum ausspielen. Bei Flanken und Schüssen war er immer behindert. In der Vorbereitung kurierte die Blessur aber aus und der Linksverteidiger kämpfte sich zurück in die erste Elf. Auch der linke Fuß läuft wieder rund: Im Pokal-Spiel gegen Victoria Hamburg bereitete Pander die Führung mit einer starken Flanke vor und leitete so den Sieg ein.

+ Florian Ballas - Entgegen aller Erwartungen entwickelte sich der 20-jährige Innenverteidiger zur echten Alternative in der Abwehr. Einhellig wurde Ballas als "Gewinner der Vorbereitung" betitelt und überzeugte in den ersten Testspielen. Das 0:3 gegen PSV Eindhoven erwies sich jedoch als Rückschlag: Gegen die agilen Angreifer der Niederländer sah der ehemalige Nürnberger kein Land und wirkte überfordert. Das sind jedoch keine Schwächen, die sich nicht abstellen lassen können. Das Zeug, zum Stammspieler zu werden, hat Florian Ballas zumindest.

+ Salif Sane - Auch der zweite Neuzugang in der Innenverteidigung untermauerte mit starken Leistungen seine Stammplatz-Ansprüche. Im Gegensatz zu Ballas erlaubte sich Salif Sane keine schwachen Phasen und gehörte auch gegen Eindhoven zu den wenigen 96-Akteuren, die zu überzeugen wussten. Der 22-Jährige deutet an, dass er auf Anhieb zum Abwehrchef aufsteigen kann und hat das Potenzial, in den Kreis der besten Defensivspieler der Liga aufzusteigen.

- Adrian Nikici - Der Schweizer wollte nach einer auskurierten Hirnhautentzündung zur neuen Saison voll angreifen. Bis dato ist das dem 23-jährigen Mittelfeldspieler aber nicht geglückt. Nikici fehlt die Bindung im Spiel der Niedersachsen, zudem gehen ihm Torgefahr und Kreativität ab. Stand jetzt ist für ihn kein Platz in Hannovers Mannschaft, auch ein Sitz auf der Bank scheint nur bedingt realistisch.

- Sebastien Pocognoli - Parallel zum starken Comeback von Christian Pander verläuft der Abwärtstrend beim Belgier Sebastien Pocognoli. Im Winter als Vorgriff auf die neue Saison geholt, schien der Linksverteidiger auf Anhieb zur sicheren Stammkraft zu avancieren - bis sich der Abwehrspieler nach einem Ausraster mit Trainer Mirko Slomka überwarf. Seitdem scheint das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler angespannt, was sich auch bei der Aufstellung deutlich macht. Trotz durchaus ansprechender Leistungen in der Vorbereitung erhielt immer öfter Christian Pander den Vorzug. Auch im Pokal stand der 29-Jährige von Beginn an auf dem Platz und scheint Pocognoli - vorerst - verdrängt zu haben.

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DER KOMMENDE STAR


Im Winter war Andre Hoffmann zu den Niedersachsen gestoßen und hat sich auf Anhieb durchgesetzt. In seinem ersten Bundesliga-Halbjahr überzeugte der 20-Jährige vor allem mit Zweikämpf- und Kopfballstärke und fungierte als Abräumer vor der Abwehr. Immer wieder deutete Hoffmann aber an, auch offensiv eine Rolle zu spielen und beispielsweise seine Kopfballstärke zu nutzen, was er mit zwei Treffern in der Vorsaison bestätigte. Kann der Mittelfeldspieler seine Schwächen in Pass- und Stellungsspiel abstellen, könnte der 20-Jährige zum Fixpunkt in Hannovers Mittelfeld werden.




ZIELSETZUNG


Ehrgeizig wie eh und je formulierte Präsident Martin Kind die Ziele: "Wir wollen die Plätze drei bis sechs erreichen." Das internationale Geschäft scheint zumindest aus Sicht der höchsten Instanz bei 96 Pflicht und mehr noch: Kind erachtet auch das Erreichen der Champions League als realistisches Ziel. Nach der zweimaligen Teilnahme an der Europa League in drei Spielzeiten soll also in der kommenden Saison der nächste Schritt gemacht werden - mitten im Umbruch.


GOAL-PROGNOSE

Denn genau darin befindet sich Hannover derzeit. Im Winter eingeleitet und im Sommer fortgesetzt verändert sich das Gesicht der Mannschaft allmählich. Abgeschlossen ist der Umbruch jedoch noch nicht und so befinden sich die Niedersachsen in der Findungsphase. In der Vorbereitung und im Pokal hat sich schon angedeutet, dass 96 noch Zeit brauch; unwahrscheinlich, dass die wenigen Tage bis zum Saisonstart ausreichend waren. Mit einem holprigen Start ist also zu rechnen. Und dennoch: Hannover 96 besitzt durchaus Potenzial. Mit Edgar Prib, Andre Hoffmann, Salif Sane, Leonardo Bittencourt, Artur Sobiech oder Florian Ballas stehen hochtalentierte Spieler im Kader, die das Zeug haben, in dieser Saison zu Leistungsträgern aufzusteigen. Allen anfänglichen Problemen zum Trotz: Mit den Niedersachsen ist zu rechnen, nicht unbedingt im Kampf um die Champions-League-Ränge, aber bei der Verteilung der Europa-League-Plätze.

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