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Das portugiesische Gespann lebte drei Jahre bei Real Madrid nebeneinander her, ohne viel zu sprechen und wurde nur durch Agent Jorge Mendes zusammengehalten.

BERICHT
Von Ben Hayward | Spanien-Experte

Madrid. Es war ein ikonisches Bild: Cristiano Ronaldo rannte zur Seitenlinie, streckte die Arme aus und umarmte Jose Mourinho. Die Kameras klickten, die Fans jubelten, und die Wiederholungsschleife begann, während der Real-Madrid-Star und sein Trainer Einigkeit und Stärke demonstrierten. Die Welt war Zeuge. Aber war das auch echt?

Cristiano erzielte alle drei Treffer beim 3:1-Sieg über Levante im Februar 2012, und er hatte versprochen, mit Fitnesstrainer Rui Faria zu feiern, sollte ihm ein Hattrick gelingen. Also rannte er los um sein Versprechen zu halten, nachdem sein gewaltiger Streich ins Netz geflogen war. Ronaldo rannte dreißig Meter in Richtuing Bernabeu-Bank, während Faria sich erwartungsvoll aus seinem Sitz erhob. Aber Mourinho war schneller – und Ronaldo konnte nicht einfach an seinem Trainer vorbeilaufen, also umarmte der Angreifer stattdessen Mou.

Das Bild suggerierte eine harmonische Beziehung, doch in Wirklichkeit war diese von Beginn an schwierig; Mourinho spürte einen Hauch zu viel Selbstvertrauen bei CR7 in den gemeinsamen Gesprächen. Der Spieler war nicht glücklich über Kritik und hatte an der Taktik seines Trainers etwas auszusetzen.

Es kam oft zu Konflikten zwischen ihnen, sogar in Mourinhos erster Saison in Madrid. Nur wenige Tage nach dem Gewinn der Copa del Rey dank Ronaldos Siegtreffer per Kopf gegen Barca im Mestalla verlor Real daheim 0:2 gegen Barcelona. Unzufrieden mit der ultra-defensiven Taktik seines Teams, ermunterte Ronaldo seine Teamkollegen, mehr anzugreifen. Später putzte Mou seinen Starspieler herunter, und es kam zum Streit. Ronaldo teilte nach Abpfiff den Reportern mit, dass ihm der konservative Ansatz Reals überhaupt nicht gefallen habe. Die Folge? Ronaldo wurde für das nächste Spiel nicht berücksichtigt, einer 2:3-Niederlage daheim gegen Saragossa.


Zum einen Ohr rein... | Mourinho hatte das Gefühl, Ronaldo sei immun gegen seine Anweisungen

Mourinho gab seine Anweisungen an Ronaldo zu meist über seine Assistenten weiter. Sie waren aber gezwungen, mit dem portugiesischen Agenten Jorge Mendes übereinzukommen - einem Freund und Geschäftspartner von Mourinho und Ronaldo. Als der Real-Coach seinen Superstar auf die Bank setzte und ihm so den Gewinn der Pichichi-Trophäe, der Torjägerkanone der spanischen Liga, erschwerte, war Mendes zur Stelle und schlichtete den Streit.

Einen solchen Ärger in dieser Form sollte es nie wieder geben. Mourinho und Ronaldo haben viel Geld mit Mendes‘ Firma Gestifute gemacht und ganz nebenbei ging es auch noch darum, die geschäftlichen Beziehungen zu Real Madrid nicht in Gefahr zu bringen. "Ihre Beziehung war sehr kompliziert. Während ihren drei gemeinsamen Jahren in Madrid haben sie nur sehr wenig gesprochen", erklärte eine nahestehende Klub-Quelle gegenüber Goal. "Es war Mendes, der die beiden zusammenhielt!"

Und Mendes musste einmal mehr eingreifen. Im Januar dieses Jahres stand Mourinho in der Kritik, als er Real-Kapitän Iker Casillas auf die Ersatzbank verbannte. Der Portugiese musste sich sogar den lautstarken Zorn der eigenen Anhänger anhören und gefallen lassen. Innerhalb der Mannschaft verlor Mourinho mehr und mehr die Bindung zu seinem Team, auch seine Befürworter kehrten ihm vermehrt den Rücken zu. Der Trainer brauchte dringend einen Verbündeten. Und wer sollte da besser sein, als der wohl wichtigste Spieler des Klubs?

So widmete Ronaldo Mourinho nicht nur einen Treffer beim 4:3-Sieg gegen Real Sociedad (nachdem ihn Mendes darum bat), sondern stärkte ihm auch in der Öffentlichkeit den Rücken. Der Spieleragent fragte Ronaldo, ob er der Presse nicht mitteilen könne, dass Mourinho nur zum Wohle seiner Mannschaft handele. Und Mourinho atmete erleichtert auf.

Wenn ich in taktischer Hinsicht konstruktive Kritik übte, akzeptierte er das nicht."

- Mourinho über Ronaldo

Aber zehn Tage später verschlechterte sich die Beziehung noch mehr: Mourinho gratulierte seiner Mannschaft, nachdem Madrid Valencia 2:0 in der Copa del Rey geschlagen hatte, aber kritisierte Ronaldo während der Begegnung, auch nach dem Spiel in der Kabine, vor allen anderen. "Sei ruhig und lauf!" soll er ihn vor seinen Teamkollegen angeschrien haben. "Du musst nach hinten arbeiten, du musst mehr Solidarität mit deinen Kollegen zeigen!" fügte er später hinzu.

Ein Streit folgte, bevor Mou ging und Ronaldo unter der Dusche verschwand, und Florentino Perez musste den Scherbenhaufen aufkehren. "Keine Sorge, Präsi", sagte einer der Spieler zu ihm. "Das passiert öfter."

Ronaldo fühlte sich angegriffen – in einer Zeit, da er seinem Boss sowohl über Aussagen in der Presse beigesprungen war als auch dadurch, dass er ihm ein Tor in der vorigen Woche gewidmet hatte, von seinen exzellenten Leistungen auf dem Platz ganz zu schweigen.

"Ich denke, das war der Zeitpunkt, zu dem die Beziehung abkühlte", so der ehemalige Madrid-Keeper Paco Buyo gegenüber Goal. "Ronaldo war unglücklich über die Kritik von Mourinho, besonders, da er zu diesem Zeitpunkt die meisten Tore erzielte."

Mourinho sagte später, dass der 28-Jährige nicht in der Lage sei, Kritik anzunehmen: "Wenn ich in taktischer Hinsicht konstruktive Kritik übte, weil ich dachte, er könne sich noch verbessern akzeptierte er nicht, was ich sagte. Vielleicht, weil er glaubt, dass er schon alles weiß und der Trainer ihm nicht mehr helfen kann, besser zu werden..." so Mou zur Presse.

Ich beiße nicht die Hand, die mich füttert, und ich spreche nicht über Leute, die schlecht über mich sprechen. Ich fokussiere mich auf das Positive."

- Ronaldo über Mourinho

Aber was er nicht erwähnte, war der Ursprung seines Konflikts mit Cristiano, der eher auf dem persönlichen Beitrag Ronaldos beruhte als auf taktischen Dingen. Der Angreifer war auch enttäuscht, wie er behandelt wurde, Tage nachdem er seinem Boss große Unterstützung hatte zukommen lassen. Unserer Quelle zufolge fühlte er sich frustriert und hängengelassen.

Und der 50-Jährige legte gegen seinen ehemaligen Spieler noch einmal nach, als er sagte, Cristiano sei nicht der "echte Ronaldo" – im Vergleich zu seinem Namensvetter, dem brasilianischen Stürmer. Allerdings ließ sich der ehemalige ManUnited-Mann nicht auf die Kontroverse ein, sagte: "Manche Dinge sind es nicht wert, sie zu kommentieren."

Und in typischer Ronaldo-Manier ließ er am  Mittwoch Taten auf dem Platz sprechen, als er gegen seinen ehemaligen Trainer antrat und im Spiel gegen Chelsea einen Doppelpack zum verdienten 3:1-Erfolg für Madrid erzielte.

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