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Saisoncheck: Bayer 04 Leverkusen

Die Nervosität steigt, die Fingernägel werden kürzer: Die Bundesliga startet in ihre neue Saison und wir machen den Check! Wie gut ist Bayer 04 Leverkusen gerüstet?

Leverkusen. Bayer 04 Leverkusen beendete die vergangene Saison als drittstärkste Mannschaft der Bundesliga und darf endlich wieder Champions League spielen. Auch in Zukunft will man eine gute Rolle spielen und den dritten Platz mindestens bestätigen. Sami Hyypiä hat nun das alleinige Sagen bei der "Werkself" und muss sein Know-How unter Beweis stellen. Trotz namhafter Abgänge wurde es geschafft, den Kader weiter zu verstärken. Damit ist eine ordentliche Ausgangslage für die Saison 2013/14 garantiert. Der erste Pflichtspielsieg im DFB-Pokal-Erstrundenspiel beim SV Lippstadt zeigte bereits, dass mit Bayer zu rechnen ist.


FORM & VORBEREITUNG

Der 6:1-Erfolg beim Regionalligisten war das Resultat einer soliden Vorbereitung, die Anfang Juli mit den ersten Testspielen begann. "Es war natürlich wichtig, dass wir dieses Spiel souverän gewonnen haben. Jeder weiß, dass so ein Pokalspiel auch nach hinten losgehen kann", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler. Für den Bundesliga-Auftakt gegen den SC Freiburg am 10. August ist man auf jeden Fall gerüstet.

Von sieben Begegnungen konnte man fünf Stück gewinnen. Nur gegen 1860 München (1:2) und den 1. FC Kaiserslautern (1:1) gab es keinen Sieg. Dennoch wurden auch daraus erfolgreiche Nachrichten mitgenommen. Gegen 1860 erzielte Neuzugang Heung-Min Son seinen ersten Treffer im Bayer-Trikot, gegen Kaiserslautern traf der Langzeitverletzte Karim Bellarabi in seinem ersten Einsatz nach fünf Monaten Pause gleich wieder.

In den anderen Spielen dominierte Bayer die Gegner und fuhr lockere Siege ein. Der italienische Erstligist Udinese Calcio wurde mit 3:0 geschlagen und auch gegen Vitesse Arnheim aus der niederländischen Eredivisie gab es ein klares 4:0. Sami Hyypiä setzte in den Testspielen auch immer wieder auf Spieler aus der eigenen Jugend. Gegen Schwarz-Weiß Essen (4:1) traf beispielweise der junge Paterson Chato und Neuzugang Levin Öztunali - seines Zeichens Enkel von HSV-Ikone Uwe Seeler - trug sich gegen Essen in die Torschützenliste ein. Zudem gab es noch Erfolgserlebnisse gegen den VfL Bochum (2:0) und den belgischen Klub KV Mechelen (2:0).

TRANSFERS

Mit der Verpflichtung von Emre Can vom FC Bayern München bewies die Leverkusener Vereinsführung mal wieder ihr ausgezeichnetes Verhandlungsgeschick. Der 19-Jährige kam für 5 Millionen Euro vom Rekordmeister und soll sich in Zukunft für höhere Aufgaben beweisen. Mit Can hat man bei Bayer nun endlich den Mittelfeldallrounder, den man sich so sehr gewünscht hat.

Überhaupt hat sich im Rheinland in dieser Transferphase sehr viel getan. Mit Andre Schürrle (FC Chelsea) und Dani Carvajal (Rückkehr zu Real Madrid) verließen zwei absolute Leistungsträger die "Werkself". Zudem verließen mit Michal Kadlec, Daniel Schwaab, Hajime Hosogai, Manuel Friedrich, Junior Fernandes und Michael Rensing weitere Back-Ups den Verein, sodass auf fast jeder Position Handlungsbedarf bestand.

Als neuen Ersatztorhüter verpflichtete man den erfahrenen Spanier Andres Palop vom FC Sevilla. Ebenfalls aus Sevilla kam der bosnische Nationalmannschafts-Kapitän Emir Spahic, der sich in der Vorbereitungsphase einen Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpfte und Philipp Wollscheid wohl erstmal auf die Bank verdrängen wird. Als Ersatz für den abgewanderten Carvajal verpflichtete man den Italiener Giulio Donati von Inter Mailand. Der 23-Jährige überzeugte bei der U21-Europameisterschaft und machte so auf sich aufmerksam. Auch der ehemalige Stuttgarter Roberto Hilbert, der ablösefrei von Besiktas Istanbul kam, kann die Position auf der rechten Abwehrseite bekleiden.

Viel erwartet man sich auch vom Australier Robbie Kruse, der von Absteiger Fortuna Düsseldorf kam und zu den wenigen Lichtblicken der Fortuna in der vergangenen Saison zählte. Der Rechtsaußen muss sich zu Saisonbeginn aber wohl erstmal anstellen. Gleiches gilt für die beiden neuen Youngsters Levin Öztunali (17) und Konstantinos Stafylidis (19). Beide überzeugten in der Vorbereitung. Öztunali wird wohl vorerst nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommen. Stafylidis hat mit Sebastian Boenisch einen harten Konkurrenten auf der linken Abwehrseite vor sich.

Und dann wäre da noch der Königstransfer: Heung-Min Son. Der 20-Jährige kam für 10 Millionen Euro vom Hamburger SV und ist damit der teuerste Neuzugang in der Vereinsgeschichte. Der Südkoreaner soll Andre Schürrles Part in der Offensive übernehmen und für viele Tore sorgen. In der Vorbereitung klappte das schon ganz ausgezeichnet - besonders im Duo mit Rechtsaußen Sidney Sam, der ebenfalls eine starke Vorbereitung spielte.

Der Shootingstar
Der Brecher
Der Allrounder



GEWINNER & VERLIERER DER VORBEREITUNG

+ Sidney Sam - Der 25-Jährige erlebte in Leverkusen iimmer wieder Auf und Abs. In der vergangenen Saison glänzte er als Siegtorschütze gegen den FC Bayern München, fiel aber auch immer wieder durch schlechte Leistungen und viel Verletzungspech auf. Das Debüt in der Nationalmannschaft kam überraschend - schien den schnellen Flügelflitzer aber zu beflügeln. In der Vorbereitung glänzte er und dürfte somit erstmal einen Stammplatz sicher haben.

+ Karim Bellarabi - Obwohl Bellarabi nur ein Vorbereitungsspiel absolvierte, kann man ihn zu den Gewinnern zählen. Sein Tor gegen Kaiserslautern sorgte für große Freude und bewies, dass der Youngster endlich wieder fit ist und seine hartnäckige Schambeinentzündung nach acht langen Monaten wohl überwunden hat. Der 23-Jährige hat das Zeug dazu, in der kommenden Saison so richtig durchzustarten.

- Gonzalo Castro - Ausgerechnet Gonzalo Castro gehört zu den Verlierern der Vorbereitung! Nach der vielleicht besten Saison seiner Karriere lief es für das Leverkusener Eigengewächs nicht sonderlich gut in den letzten Wochen. Sami Hyypiä fand keinen Platz für den Halbspanier. Sidney Sam und Heung-Min Son spielten sich auf den Außenbahnen fest, Reinartz, Rolfes und Bender bildeten das Zentrum. Für Castro scheint es beim ersten Saisonspiel gegen Freiburg nur einen Platz auf der Bank zu geben.

- Philipp Wollscheid - Auch Philipp Wollscheid dürfte seinen Stammplatz erstmal verloren haben. Der ehemalige Nürnberger überzeugte zwar im ersten Jahr im Bayer-Trikot, scheint allerdings dem deutlich erfahreneren Emir Spahic, der als richtiger Brecher gilt und der richtige Mann für die Champions League ist, weichen zu müssen.




DAS TALENT

Mit Konstantinos Stafylidis haben sich die Leverkusener einen Spieler gesichert, der durchaus Potenzial hat. Der junge Grieche wurde bereits im vergangenen Jahr von PAOK Thessaloniki verpflichtet, sogleich aber wieder verliehen. In diesem Sommer kam er nach Leverkusen - und zeigte sich gleich selbstbewusst. "Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe hier und bin bereit, alles zu geben", sagte der 19-Jährige während seinen ersten Tagen.

Auf der linken Abwehrseite ist zwar Sebastian Boenisch gesetzt, Stafylidis steht dem Polen aber in nichts nach und will seine Chance nutzen. Besonders im Testspiel gegen den italienischen Klub Udinese Calcio überzeugte Stafylidis und empfahl sich für weitere Aufgaben. Gegen Freiburg wird Hyypiä noch auf Boenisch seten, der junge Grieche steht jedoch in den Startlöchern.



ZIELSETZUNG


"Wir wollen auf jeden Fall wieder um die internationalen Plätze spielen - am liebsten natürlich Champions League", sagte Rudi Völler vor einer Woche. Das bedeutet mindestens Platz 4! In der Königsklasse würde man natürlich gerne das Achtelfinale erreichen, muss aber abwarten, in welchem Topf man bei der Auslosung landet, um ein mögliches Ziel auszumachen. Mit dem Sieg in der ersten Pokalrunde machte man einen guten ersten Schritt. Der Pokal ist wohl die realistischste Chance für Bayer, endlich wieder einen Titel zu gewinnen.

GOAL-PROGNOSE

Das internationale Geschäft ist Pflicht, ein Platz unter den ersten vier eigentlich auch. Neben Bayern und Dortmund hat Bayer wohl den besten Kader der Liga und sollte sich mit Schalke einen Fight um Platz 3 liefern. Teams wie Wolfsburg, Stuttgart oder Mönchengladbach sind zwar nicht schlecht - sind letztendlich doch eher hinter Bayer anzusiedeln. Spannend wird die Frage sein, wie und ob die Neuzugänge einschlagen. Sollten Son oder Can enttäuschen, wäre dies ein Horror-Szenario. Im Umkehrschluss kann Bayer aber auch die Überraschung der Saison werden und die starke vergangene Spielzeit sogar nochmal übertrumpfen. Goal rechnet mit Startschwierigkeiten, am Ende reicht es für Platz 4 und die erneute Teilnahme an der Champions League.

EURE MEINUNG: Was erwartet Ihr von Bayer 04 Leverkusen in dieser Saison?

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