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Josep Guardiola will Thiago Alcantara zum FC Bayern München lotsen

Das offene Interesse an Thiago Alcantara: Guardiolas erstes Risiko mit dem FC Bayern

Josep Guardiola will Thiago Alcantara zum FC Bayern München lotsen

AFP

Pep Guardiola bestätigte am Donnerstag offen das Interesse an Thiago Alcantara vom FC Barcelona. Die Äußerungen des Spaniers könnten die Stars des FC Bayern abgeschreckt haben.

KOMMENTAR
Von Enis Koylu

Es schien alles so vollkommen! Pep Guardiola wird nach München gelotst und findet dort eine perfekt eingestellte Mannschaft wieder: Den Triple-Gewinner und als Sahnehäubchen Mario Götze, eines der größten Talente des Weltfußballs.

Aber das war nicht genug! Während des Trainingslagers in Trentino verkündete Guardiola das Interesse an Thiago Alcantara, einem seiner ehemaligen Spieler vom FC Barcelona.

Die Bemühungen um den spanischen U21-Europameister erscheinen zwar logisch, denn der Spanier spielt mittlerweile seit fünf Jahren bei Barcelona und ist im Hinblick auf schnelles Passspiel und den dominanten Stil der Katalanen sehr versiert.
MEINUNG AUS SPANIEN
Tito Vilanova würde Thiago Alcantara gerne beim FC Barcelona behalten, kann ihm allerdings keine Einsatzgarantie bieten. Thiago selbst will zur Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien. Er will zu einer Mannschaft, in der er regelmäßig spielt und sich bei Vicente del Bosque empfehlen kann.

Seine mögliche Rolle bei Manchester United ist noch unklar. Thiago würde sich unter Pep in jedem Fall wohler fühlen.

Das neue 4-1-4-1 unter Guardiola könnte ihm Einsatzzeit garantieren.

- Pilar Suarez | Korrespondent, Barcelona

Und dennoch stellt das Interesse ein Problem dar. Die Bayern haben in der vergangenen Spielzeit Europa dominiert und zwar aus dem Mittelfeld heraus. Es ist nicht zwingend nötig, weitere Spieler hinzu zu holen.

Javi Martinez gibt den Bayern die nötige Stabilität, Bastian Schweinsteiger die nötige Ruhe und Toni Kroos liefert die Klasse. Thiago ist für 18 Millionen Euro zwar ein Schnäppchen, bringt allerdings keinen Mehrwert.

Im Gegenteil: Es ist ein negativ zu wertendes Zeichen an die aktuellen Stars der Bayern. Kroos hatte sich erst vor seiner Verletzung im April in der Mannschaft der Bayern etabliert. Er hatte seinen persönlichen Torrekord eingestellt und seinen Platz als Spielmacher hinter Mario Mandzukic gefestigt.

Auch gegenüber Götze ist das Interesse an Thiago leicht herablassend zu werten. Der 21-jährige Youngster avancierte durch die Ablösesumme von 37 Millionen Euro zum teuersten deutschen Spieler aller Zeiten, ganz abgesehen davon, dass er einer der stärksten Spieler der vergangenen Saison war. Guardiola entwertet jedoch die Qualitäten des ehemaligen Dortmunders: "Götze ist ein hervorragender Spieler, aber ich brauche Thiago", erklärte der Trainer. Das ist nicht gerade die nötige Anerkennung, die ein junger Spieler bei den Bayern braucht.

Guardiola lobt hier einen 22-jährigen Thiago in den Himmel, der in den vergangenen zwei Jahren sein Potenzial nicht ausschöpfen konnte und nichts Großes erreicht hat. Kroos und Götze hingegen haben in der letzten Spielzeit teilweise wahre Wunder bewirkt.

Es stellt sich auch die Frage, auf welcher Position Thiago bei den Bayern spielen würde und wer für ihn auf die Bank müsste. Pep erklärte bereits, dass Thiago überall im Mittelfeld spielen könne. Kroos zu ersetzen wäre wahnwitzig, Schweinsteiger ist eine Klubikone in der Blüte ihrer Karriere, während Martinez in der vergangenen Saison den Unterschied gemacht hat.

Letzterer könnte zwar in die Innenverteidigung rücken. Spielen die Bayern allerdings ohne einen abräumenden Akteur im defensiven Mittelfeld könnte das gegen Mannschaften wie Augsburg vielleicht noch funktionieren - Dortmund oder andere große Klubs würden diese Möglichkeit aber für Konter nutzen.

Die Verpflichtung eines weiteren Mittelfeldspielers würde auch die Balance innerhalb der Mannschaft stören. Luiz Gustavo ist zwar kein Superstar, kann in der Defensive aber jede Position ausfüllen. Sollte er in der Hackordnung weiter nach hinten geraten, könnte er mit einem Transfer liebäugeln. An der Seitenlinie warten außerdem Emre Can und Pierre-Emile Hojbjerg auf ihre Einsätze. Es handelt sich um zwei der talentiertesten Mittelfeldspieler der Bundesliga. Für einen Verein, der vorgibt, sich um seine Spieler zu sorgen, wäre das eine schockierend unfaire Behandlung zweier Youngster. Das hätten sie nicht verdient.

Auf seiner ersten Pressekonferenz im Juni erklärte Guardiola noch, er wolle sich dem FC Bayern anpassen. Mit der bevorstehenden Verpflichtung von Thiago könnte er ein überdimensionales Risiko eingehen, dass das Gleichgewicht innerhalb des Klubs massiv stören würde.

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