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Die Summe, die man für den Sociedad-Star ausgab, legt nahe, dass Ancelotti etwas anderes als der Konterstil von Mou vorschwebt und er Barca mit deren eigenen Waffen schlagen will.

KOMMENTAR | Von Graham Ruthven

In einem Zeitalter, in dem der spanische Fußball international dominiert, hat sich Real Madrid oft gegen das Konzept des "Tiki-Taka" gewehrt. Während Spanien dieses passintensive Spiel für den Rest der Welt verkörpert, hat es immer noch nicht das Santiago Bernabeu erreicht, aber das könnte sich unter Carlo Ancelotti bald ändern.

Tatsächlich: Wenn die 32,2-Millionen-Euro-Verpflichtung Asier Illarramendi von Real Sociedad ein Zeichen dessen ist, was ihm bei seinem neuen Klub vorschwebt, dann könnte es sein Plan sein, ein Sakrileg zu begehen: nämlich den schärfsten Rivalen Barcelona zu kopieren.

Mit Ancelotti am Ruder erwarten viele, dass Madrid in anderer Form auftreten wird als zuletzt gewohnt, wenn die Saison im nächsten Monat startet. Ihre Identität wird jünger, dynamischer, spanischer – und mehr wie Barca.

ILLARRA WILL ALLE TITEL
In Abstimmung mit diesem neuen Credo haben "Los Blancos" den Deal mit Illarramendi eingetütet, nachdem der in diesem Sommer für Spanien bei der U21-EM überzeugt hatte. Die Vergleiche mit seinem jetzigen Kollegen, dem aus Reals Jugend stammenden Xabi Alonso, sind zahlreich, aber in Wirklichkeit war Alonso immer die Ausnahme in Mourinhos "Fast & Furious"-System.

Das ermöglichte es ihm, zwischen den verschiedenen Stilen Real Madrids und der größtenteils Barca-dominierten spanischen Nationalmannschaft hin- und herzuwechseln. Doch wenn Ancelotti sowohl Alonso als auch Illarramendi bringen will, würde letzterer wohl eine ähnliche Rolle wie Sergio Busquets bei Barca einnehmen. Wie beim Dreh- und Angelpunkt bei den Katalanen liegen Illaramendis Stärken darin, den Ball zu erobern und im Raum zwischen Abwehr und der etwas vorgezogenen Mittelfeldraute zu operieren.

Sein starkes Stellungsspiel und seine Effizienz zwischen den Linien wird Ancelotti eine zentrale Plattform geben, die er benötigt, um Attacken etwas vorgezogen inszenieren zu lassen. Und wenn Real Madrid seinen eigenen Busquets will, in dem Fall in Person von Illarramendi, haben sie ihren Iniesta bereits gefunden, als sie sich für 27 Millionen Euro die Dienste von Malagas Isco sicherten.

Bei Chelsea gab Ancelotti einen Einblick in seine Fußball-Prinzipien, indem er kommentierte: "Unser System ist etwas anders, wir wollen Ballbesitz und Angriffsfußball spielen. Unser Ziel ist es, das Spiel über Ballbesitz zu kontrollieren."

Und als ausgewiesener Taktikfuchs, sowohl als Spieler als auch als Coach, verfasste er sogar als junger Student in Italien eine Diplomarbeit mit dem Titel “Il futuro del calcio. Piu dinamictica” - Die Zukunft des Fußballs. Mehr Dynamik.

Sollte Ancelotti eine Formel für mehr Dynamik verfolgen, wird er nirgendwo ein besseres Beispiel dafür finden als das, was im Camp Nou in den letzten fünf Jahren gegeben wird. Das Ziel des italienischen Coaches ist es, Real in puncto Stil und Identität näher an Barca zu bringen, auch wenn er dabei nicht auf ein La-Masia-artiges Konzept bauen kann, das ihm dabei hilft.

Natürlich ist Real Madrids Jugendakademie noch immer eine der produktivsten in Europa, wenn man sich die Absolventen anschaut, die es in den Profifußball geschafft haben, aber wenn man sagt, das System des Vereins produziere für den Massenmarkt, dann ist es bei Barcelona eher für das High-End-Spektrum.

Es gibt keine zweite Mannschaft mit ausgezeichneten, technisch versierten Jungspielern, die darauf warten, ihre große Chance zu bekommen, dass Ancelotti sie einsetzt, aber Madrids Aktivität auf dem Transfermarkt bis jetzt legt den Gedanken nahe, dass sie sich am Vorbild ihres Rivalen orientieren.

Einige mutmaßen, dass die Barcelona-DNA bröckelt und La Masia sich schwertut dabei, weiterhin Talente en masse ins erste Team zu bringen. Während Barca bereits 57 Millionen dafür ausgab, das Brasilien-Idol Neymar zu verpflichten und weiterhin mit Namen wie Thiago Silva und Fernando Torres in Verbindung gebracht wird, hat Madrid eine etwas bedachtere Transferstrategie gewählt – die Rollen haben sich vertauscht.

Ancelotti und Perez haben bereits begonnen, den Spielstil und die Teamdynamik auseinanderzunehmen, die Mourinho etabliert hatte, dabei den ehemaligen Jugendspieler der "Blancos" Dani Carvajal von Bayer Leverkusen zurückgeholt, dazu die Jugend-Verpflichtungen Carlos Casemiro und Isco.

Der portugiesische Coach hatte in seinen drei Jahren in der spanischen Hauptstadt eine unberechenbare und explosive Mannschaft geformt, dabei seinem Team eine Identität gegeben, die zu einem gewissen Teil seine eigene widerspiegelte, aber wenn auch sein Nachfolger aus Italien seine eigene Art hat, dann beruht sie auf einem offensiv gepolten, modernen System, das im Bernabeu nächste Saison gespielt werden soll.

Mourinho war als der Mann geholt worden, der Barca stürzen sollte, aber Ancelotti könnte derjenige sein, der sie mit den Waffen ihres eigenen Spiels zu schlagen versucht.

EURE MEINUNG: Wie erwartet Ihr die "Königlichen" unter Ancelotti?

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