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Pierre-Michel Lasogga will bei Hertha BSC wieder in die Startformation

Pierre-Michel Lasogga: Neustart für den "Hoffnungsträger" von Hertha BSC

Pierre-Michel Lasogga will bei Hertha BSC wieder in die Startformation

Stuart Franklin

Der Berliner Publikumsliebling ist nach seinem Kreuzbandriss zurück und heiß auf die Bundesliga. Der "Hoffnungsträger" muss sich aber zuerst wieder einen Stammplatz erkämpfen.

ANALYSE
Von André Bellert

Berlin
. Pierre-Michel Lasogga beendete seinen Urlaub vier Tage früher, um von Anfang an mit der Mannschaft in die Vorbereitung für die Bundesligasaison zu gehen. Nach seiner Teilnahme an der U21-EM sollte er eigentlich erst am 4. Juli zur Mannschaft stoßen. Beim ersten Trainingsspiel von Hertha BSC musste "Lasagne", wie er in Berlin genannt wird, dann allerdings erst einmal zuschauen. "Das war mit dem Trainer so abgesprochen. Ich werde langsam wieder ran geführt, soll meinen Rhythmus finden", erklärte der 21-Jährige gegenüber der BZ.

Kreuzbandriss stoppte Lasoggas steilen Aufstieg

Der kantige Stürmer wechselte im Sommer zur Berliner Hertha, die gerade als Bundesliga-Schlusslicht abgestiegen war, nachdem er 2009/10 für die U19 von Leverkusen 25 Tore in 33 Partien gemacht hatte. In der folgenden Saison, in der der "Betriebsunfall" Abstieg mit Trainer Markus Babbel souverän korrigiert wurde, avancierte er zum Publikumsliebling. In seiner ersten Profi-Saison gelangen ihm 13 Tore und fünf Vorlagen und in der darauf folgenden Bundesligasaison war er mit acht Treffern, der erfolgreichste Berliner.

Ein Riss des vorderen Kreuzbands im rechten Knie stoppte die Entwicklung des 1,89-Meter-Mannes. Die Relegationsspiele und den sogenannten "positiv besetzten Platzsturm" konnte er nur von der Tribüne aus verfolgen.

PIERRE-MICHEL LASOGGA | Die Anfangsjahre bei den Hertha-Profis

Saison Einsätze
Tore Assists Gelbe Karten
Rote Karten
 2010/2011
(2. Bundesliga)
26 13 5 5 0
 2011/2012
(Bundesliga)
36 10 4 4 0
 2012/2013
(2. Bundesliga)
7 1 2 0 0
Total 69 24 11 9 0

Im Aufstiegsjahr 2012/13 stand der Stiefsohn von Ex-Profi Oliver Reck in der Rückrunde nur 249 Minuten auf dem Feld. Sein einziges Tor (am 30. Spieltag gegen Sandhausen) machte die Leidenszeit vergessen und den Aufstieg rechnerisch perfekt. "Ich war so froh, als der Ball endlich über die Linie ging", sagte Lasogga nach der Feier im Stadion zur Berliner Zeitung, "das war ein Gefühl, das ich fast gar nicht mehr kannte."

VfB Stuttgart und die Wechselgedanken

Der VfB Stuttgart legte im Winter ein Angebot über vier Millionen für den 11-fachen U21-Nationalspier (vier Tore) auf den Tisch, aber die Berliner lehnten einen Wechsel ab. Seine Mutter Kerstin, die ihn managt, ging in die Offensive, als ihr Schützling nach der überstandenen Verletzung nicht in der ersten Elf stand: "Immer nur die Bank, das geht nicht. Wenn sich an der Situation nichts ändert, ist er im Sommer weg", sagte sie zur Bild.

Manager Michael Preetz zeigte Verständnis, aber stellte im kicker klar, dass Hertha weiter mit ihm plane: "Nachdem die Mannschaft ohne ihn gut gespielt hatte, war es für ihn nach seinem Kreuzbandriss schwierig, die nötigen Einsatzzeiten zu kriegen, um in seinen Rhythmus zu kommen. Aber wir planen mit ihm bis 2015."

Lasogga: "Konkurrenzkampf härter als bei Bayern"

Die Frage ist, ob sich der bullige Stürmer seinen Stammplatz als einzige Spitze zurückerobern kann. Im von Luhukaay favorisierten 4-2-3-1-System ist nur eine Spitze vorgesehen, die Konkurrenz ist groß. Im einzigen Pflichtspiel, in dem die von Jos Luhukaay trainierten Männer mit zwei Stürmern spielten, verloren sie. Die erste Niederlage nach zuvor 21 ungeschlagenen Partien.

"Bei uns ist der Konkurrenzkampf noch einen Tick härter als bei Triple-Sieger Bayern. Dort rangeln nur drei Stürmer um einen Platz, bei uns sind es vier", beschrieb Lasogga kürzlich gegenüber Bild den Konkurrenzdruck. Um den Platz in der Startelf bewerben sich beim Aufsteiger gleich vier gelernte Stürmer: Pierre-Michel Lasogga, Adrian Ramos, Sandro Wagner und Sami Allagui.

Er kann der Situation jedoch auch Positives abgewinnen: "Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir Stürmer verstehen uns trotz des harten Kampfes um die Plätze gut. Das wird uns pushen und weiterhelfen."

Luhukay: "Ich habe vier Mittelstürmer, da kann nicht jeder spielen"

Während Allagui in der Aufstiegssaison oft über den Flügel kam und Wagner eher Typ Brechstange für die letzten 15 Minuten ist, hat Ramos sich nach teilweise desaströsen Leistungen in der Abstiegssaison wieder Kredit erspielt. Nach Ronny war er der erfolgreichste Torschütze bei der "Alten Dame" in der abgelaufenen Spielzeit. Elf Mal hat der Kolumbianer getroffen, davon acht Mal zum wichtigen 1:0, außerdem steuerte er neun Vorlagen bei. Zwar kam der 27-Jährige auch schon oft über die linke Außenbahn, aber mit der Verpflichtung von Alexander Baumjohann wird der Konkurrenzkampf im offensiven Mittelfeld auch nicht geringer.

Der niederländische Coach von Hertha BSC kann sich glücklich schätzen, die Qual der Wahl zu haben. "Ich habe vier Mittelstürmer, da kann nicht jeder spielen", motivierte er die Kandidaten via Bild. Wer am ersten Spieltag gegen Frankfurt stürmt, wird Luhukaay auch von den Eindrücken aus der Vorbereitung abhängig machen. Ronny kam mit den schlechtesten Laktatwerten aller Profis aus dem Urlaub, aber auch Adrian Ramos kehrte mit schwachen Werten zurück. Lasogga hingegen präsentierte sich fit. "Ja, nur zwei Wochen Pause, da geht nicht viel an körperlicher Verfassung verloren", sagte er der BZ.

Rainer Adrion sah ihn ihm 2011 schon den "Hoffnungsträger"

Rainer Adrion hatte 2011 den damals 19-jährigen sogar schon für die A-Nationalmannschaft auf dem Zettel. "Wir müssen schauen, dass nach Gomez und Klose etwas nachkommt. Dafür ist er ein Hoffnungsträger", sagte der damalige U21-Nationaltrainer zur BZ. Wenn er sich den Stammplatz zurückerobert und gute Leistungen in der Bundesliga und der U21 zeigt, wird "Lasagne" vielleicht auch für Jogi Löw interessant.

Viel wird über variable Spieler gesprochen. Eine falsche Neun ist im Trend. Eine deutsche Nationalmannschaft ohne echten Stürmer gab es zuletzt auch schon, aber das System ist auch immer abhängig von den verfügbaren Spielern und ein treffsicherer Mittelstürmer hat noch keiner Mannschaft geschadet.

EURE MEINUNG: Wer wird sich im Sturmzentrum der Hertha durchsetzen? Was traut Ihr Lasogga in Zukunft zu?

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