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Der Revierklub kündigt den auf heftige Kritik gestoßenen Vertrag mit Viagogo – fristlos. Eine Nachricht, die gestern mit viel Freude bei den Mitgliedern aufgenommen wurde.

KOMMENTAR
Von Hassan Talib Haji | Goal-Korrespondent

Gelsenkirchen. Der FC Schalke 04 gab am Dienstag bekannt, den Vertrag mit Viagogo fristlos zu kündigen. Der Ticketanbieter habe "von Beginn an vertragliche Regelungen trotz mehrfacher Aufforderungen nicht eingehalten", heißt es in einer ersten Stellungnahme. Der Revierklub vertreibt hiermit die Geister, die er selbst rief.

Schalke 04 hat sich vor einiger Zeit den Claim gegeben: "Wir leben dich" – dies wurde bei der Jahreshauptversammlung Ende Juni unüberhörbar vermittelt, allerdings von den Mitgliedern. Die Ticketbörse Viagogo gilt in Deutschland unter den Fußballfans als Abzocker-Firma. Eintrittspreise werden weit über Normalpreis weiterverkauft. Der S04 schloss mit diesem Portal dennoch einen Vertrag über drei Jahre ab und ließ sich Bedingungen in diesen Kontrakt schreiben, die Viagogo nach nur wenigen Tagen nicht einhielt. Genau davor warnten die Mitglieder und Viagogo-Gegner den Verein bereits vor Monaten.

Viagogo gab selbst ebenfalls eine Stellungnahme ab: "Wir haben alle Aspekte unseres Vertrags erfüllt. Die Ankündigung, dass Schalke 04 die Partnerschaft mit uns nach nur einer Woche lösen will, hat uns daher sehr überrascht." Es ist allerdings davon auszugehen, dass S04 bei diesem hochexplosiven Thema diesen Schritt auch mit rechtlicher Substanz unterfüttert hat und nicht ins Blaue schießt. Der Verein selbst sagt, man habe Viagogo mehrfach aufgefordert, die vertraglichen Regelungen einzuhalten - warum die Ticket-Firma nun "überrascht" ist, hinterlässt Verwunderung.

Die Macht der Mitglieder

Es hat auf der diesjährigen Mitgliederversammlung richtig geknallt und der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies fand wohl auch die passenden Worte: "Wir haben Prügel bekommen, wie ich sie in 19 Jahren noch nie erlebt habe." Der FC Schalke 04 ist allerdings kein Verein, wo nur Amateure in den obersten Gremien sitzen und diese nicht wissen, was sie tun. Es war allen Beteiligten bewusst, dass solch ein Vertrag auch gewisse Gegner auf den Plan rufen wird – dazu ist Schalke viel zu mündig.

Doch nun dürfte auch der Letzte verstanden haben, dass durch diesen Klub wieder ein Ruck gehen muss, die Kündigung des Vertrags mit Viagogo ist der erste Schritt, die von Tönnies beschriebenen "Gräben" mit viel Sand und Vereinsliebe "wieder zuzuschütten".

Alexander Jobst hat Schalke kennengelernt

Im privaten Leben ist es auch so: Wenn es richtig scheppert, lernt man den anderen erst wirklich kennen. Marketingvorstand Alexander Jobst, der den Deal mit Viagogo eintütete, ist kein Schalker. Der Mann kommt von außerhalb, war bei Real Madrid und der FIFA – somit ist auch er kein Amateur. Schalke 04 hat er nicht verstanden, vielleicht war dieser umstrittene Vertrag dazu nötig, um ihm vor Augen zu führen, dass S04 kein kaltes Wirtschaftsunternehmen ist, zumindest nicht nur. Jobst hat seinen Worten Taten folgen lassen und dies rang nicht nur den Viagogo-Gegnern großen Respekt ab.

Der Champions-League-Qualifikant hat die Kuh vom Eis gebracht. Es dürfte zu keinen Protesten mehr kommen, was dieses Thema angeht. Die Initiative "ViaNOgo" hat, was sie wollte: "Unser Ziel – stoppt den Deal", hieß es. Das ist nun geschehen. Durch die fristlose Kündigung des Vertrags mit Viagogo hat sich der Klub selbst einen riesigen Gefallen getan. Und achtet man auf den rauen Unterton zwischen den Zeilen in der veröffentlichten Presseinformation, erweckt es den Eindruck, als sei man selbst ein wenig überrascht, dass Viagogo die "Spielregeln" nicht eingehalten hat. Alarmierend.

Nun kann der große Fokus endgültig wieder auf das Sportliche gelegt werden, denn wie sagte Manager Horst Heldt noch bei der Mitgliederversammlung: "Habt ihr Bock auf Fußball?" – Hat Schalke immer.

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