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Die "Blancos" haben in der letzten Dekade Ausgaben in stratosphärischer Höhe getätigt. Allein 2009 pumpten sie 257 Millionen Euro in ihr Team. Auch Barca klotzte mächtig.

SPECIAL REPORT
Von Ben Hayward

"Cantera" gegen "Cartera"? So leicht ist es dann doch nicht. Zu sagen, Real Madrid schmeiße mit Geld um sich, während der FC Barcelona sich ausschließlich auf seine Eigengewächse verließe, ist nicht mehr als eine Halbwahrheit. Die beiden spanischen Topklubs investieren beide heftige Summen auf dem Transfermarkt. Seit 2003, also mit der Ankunft David Beckhams in Madrid vor zehn Jahren, haben die "Blancos" knapp eine Milliarde Euro in Transfers investiert. Das sind etwa 300 Millionen Euro mehr als der Rivale aus Katalonien.

Noch ein großer Spielerkauf in diesem Sommer und Real knackt die Milliarde bei Spielerverpflichtungen. Netto (also unter Berücksichtigung der Spielerverkäufe in jenem Zeitraum) steht Real bei Ausgaben in Höhe von etwa 610 Millionen Euro. Indes hat Barcelona Spieler für 649 Millionen Euro verpflichtet, seit Joan Laporta das Zepter übernahm und Ronaldinho aus Paris holte. Unterm Strich stehen für Barca Ausgaben in Höhe von etwa 430 Millionen Euro.

2003 lotste Barcelona neben Ronaldinho (Ablöse: 32,25 Millionen Euro) auch Rafa Marquez und den wenig erfolgreichen Ricardo Quaresma ins "Camp Nou". Laporta wollte mit ihnen eine neue Ära einleiten. Zum selben Zeitpunkt schlug Real Madrid bei Beckham zu (37,5 Millionen Euro) und ließ Claude Makelele für 20 Millionen Euro zum FC Chelsea ziehen. Trotz des Verkaufs vieler Beckham-Shirts, guter Leistungen des Engländers und geringen Netto-Ausgaben von nur 5,7 Millionen Euro erwies sich der Verkauf des französischen Mittelfeldspielers als große Schwächung für die Mannschaft von Vicente del Bosque.

MADRID & BARCA: AUSGABEN SEIT 2003

Saison

42,5 Mio €
(36,5 Mio € net)
2013/14 70 Mio €
(69 Mio € net)
 33,5 Mio €
(0 Mio € net)
2012/13 33 Mio €
(32,5 Mio € net)
 55 Mio €
(47 Mio € net)
2011/12  60 Mio €
(13,05 Mio € net)
 €89 Mio €
(79 Mio € net)
2010/11 72,5 Mio €
(19,8 Mio € net)
 257,4 Mio €
(169,9 Mio € net)
2009/10 93 Mio €
(88,5 Mio € net)
 82,2 Mio €
(12,9 Mio € net)
2008/09 96 Mio €
(40,56 Mio € net)
 119 Mio €
(78,6 Mio € net)
2007/08  68,5 Mio €
(54,5 Mio € net)
 103 Mio €
(87,8 Mio € net)
2006/07  31 Mio €
(18 Mio € net)
 89,5 Mio €
(44,3 Mio € net)
2005/06 0 Mio €
(-3 Mio € net)
 56,7 Mio €
(47,45 Mio € net)
2004/05 78,5 Mio €
(63,75 Mio € net)
37,5 Mio €
(5,7 Mio € net)
2003/04 45,85 Mio €
(32,95 Mio € net)
GESAMTAUSGABEN DER LETZTEN DEKADE

Zeit-
Spanne

 965,3 Mio €
(609,15 Mio € net)
 2003-13  648,35 Mio €
(429,61 Mio € net)
Weder Barca noch Madrid gewannen anschließend La Liga, der FC Valencia setzte sich am Ende durch. Seitdem wurde Spaniens Meisterschaft allerdings stets von einem der beiden Erzrivalen gewonnen.

2004 investierte Barcelona erneut mehr als Real. Laporta und Coach Frank Rijkaard trieben ihr Projekt weiter voran und holten (mit Zustimmung von Real) Samuel Eto'o für 27 Millionen Euro aus Mallorca. Portos Deco kostete weitere 21 Millionen Euro und Ludovic Giuly kam für 8,5 Millionen Euro aus Monaco. Das bedeutete Gesamtausgaben in Höhe von 78,5 Millionen Euro. Madrids Neuzugänge entpuppten sich als teure Ergänzungsspieler: Walter Samuel kostete 23 Millionen Euro, Jonathan Woodgate 18,3 Millionen Euro und Michael Owen weitere 12 Millionen Euro. In jenem Jahr triumphierte Barcelona zum ersten Mal seit 1999 in der Meisterschaft.

Das erfolgreiche Gerüst stand also und es kam anschließend nur der ablösefreie Mark van Bommel (PSV Eindhoven) hinzu. Dank der Verkäufe von Sergio Garcia und Fabio Rochemback machte die "Blaugrana" im Sommer 2005 sogar drei Millionen Euro Gewinn. Die folgende Saison endete mit Meister- und Champions-League-Titel. Auf der anderen Seite kaufte Madrid groß ein, um am Ende mit leeren Händen dazustehen: Samuel ging mit fünf Millionen Euro Verlust, Owen mit 13 Millionen Euro Gewinn. Robinho wurde für 24 Millionen Euro geholt und enttäuschte trotz einiger spektakulärer Auftritte die Erwartungen. Julio Baptista (20 Millionen Euro) war ein teurer Flop. Dagegen haben sich die 27 Millionen Euro Ablöse für Sergio Ramos an den FC Sevilla mittlerweile bezahlt gemacht.

Es sah alles nach anhaltender Barcelona-Dominanz aus. 2006/07 wurden Eidur Gudjohnson (12 Millionen Euro), Lilian Thuram (5 Millionen Euro) und Gianluca Zambrotta (14 Millionen Euro) verpflichtet. Dennoch gelang Real unter Fabio Capello ein toller Endspurt und der Meistertitel wanderte wieder in die Hauptstadt. Dabei halfen die Neuzugänge Ruud van Nistelrooy (15 Millionen Euro), Fabio Cannavaro, Emerson (11,5 Millionen Euro im Paket) und Gonzalo Higuain (12 Millionen Euro) fleißig mit. Mahamadou Diarra (26 Millionen Euro) und Fernando Gago (20,5 Millionen Euro) entwickelten sich zu dicken Verlustgeschäften.

Capello verabschiedete sich im Sommer 2007 und Nachfolger Bernd Schuste kaufte groß ein. Er holte Arjen Robben für 36 Millionen Euro vom FC Chelsea und Wesley Sneijder für 27 Millionen Euro von Ajax Amsterdam. Dazu gesellten sich Portos Pepe (30 Millionen Euro), Royston Drenthe (14 Millionen Euro) und Gabriel Heinze (12 Millionen Euro). Nicht alle Neuzugänge waren Volltreffer, dennoch gelang die Titelverteidigung. Barca hatte viel Geld für Thierry Henry (24 Millionen Euro), Gabriel Milito (20 Millionen Euro) und Eric Abidal (15 Millionen Euro) in die Hand genommen, stand am Ende der Spielzeit jedoch mit leeren Händen da. Diese Spieler, gemeinsam mit Yaya Tour (9 Millionen Euro), waren allerdings ab 2008/09 Schlüsselfiguren unter Neu-Coach Pep Guardiola.

Guardiola trennte sich von Ronaldinho (für 25 Millionen Euro zum AC Milan) und Deco (für 10 Millionen Euro zu Chelsea). Im Gegenzug verpflichtete er Dani Alves (35,5 Millionen Euro) und Seydou Keita (14 Millionen Euro) aus Sevilla. Gerard Pique kehrte für nur fünf Millionen Euro von Manchester United zurück. Aleksandr Hleb (17 Millionen Euro), Martin Caceres (16 Millionen Euro) und Henrique (8 Millionen Euro) schafften den Durchbruch nicht. Dennoch legte Barca die beste Saison der Klubgeschichte hin und gewann La Liga, die Champions League und die Copa del Rey. Madrid hatte vor jener Spielzeit 27 Millionen für Klaas-Jan Huntelaar, 20 Millionen Euro für Lass Diarra und 15 Millionen Euro für Rafael van der Vaart hingeblättert. Titel gab es dafür zwar nicht, aber immerhin rund 43 Millionen Euro, die Manchester City für Robinho auf den Tisch legte.

Es folgte ein Sommer mit enormen Ausgaben beider Teams: Huntelaar, Sneijder und Robben verließen Madrid, als Florentino Perez erneut das Präsidentenamt übernahm. Er holte eine Reihe Superstars, darunter Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro), Kaka (65 Millionen Euro) und Xabi Alonso (35,4 Millionen Euro). Dennoch verteidigte Barcelona den Titel. Im Sturm spielte allerdings nicht mehr Samuel Eto'o, er war im Tausch für Zlatan Ibrahimovic und 69,5 Millionen Euro an Inter Mailand abgegeben worden.

Insgesamt gab Real 2009 257,4 Millionen Euro für neue Spieler aus und auch im folgenden Sommer wurde es wieder teuer: Jose Mourinho übernahm das Kommando und er trennte sich von Raul, Guti und Rafael van der Vaart. Dafür kamen unter anderem Angel di Maria (33 Millionen Euro), Mesut Özil (18 Millionen Euro) und Sami Khedira (15 Millionen Euro). Titelverteidiger Barca frischte sein Blut mit David Villa (40 Millionen Euro) und Javier Mascherano (20 Millionen Euro) auf. Die Verluste hielten sich allerdings in Grenzen, denn Yaya Toure wurde für 30 Millionen Euro an ManCity abgegeben. Außerdem ging Missverständnis Dmytro Chygrynskiy zurück in die Heimat (für 15 Millionen Euro, also mit zehn Millionen Euro Verlust) und Zlatan Ibrahimovic wurde für sechs Millionen Euro Leihgebühr an Milan abgegeben.


"Die besten Spieler sind nicht teuer..."| Florentino Perez mit dem 94-Millionen-Mann Cristiano Ronaldo

Barca gewann erneut die Meisterschaft samt Champions League in 2010/11, Madrid holte die Copa del Rey. Ein Jahr später entthronten Mourinhos Männer Barcelona in der Liga. Zuvor waren Fabio Coentrao (30 Millionen Euro), Nuri Sahin und Raphael Varane (beide jeweils zehn Millionen Euro) sowie Jose Callejon (5,5 Millionen Euro) ins "Santiago Bernabeu" gewechselt. Ezequiel Garay verabschiedete sich für 5,5 Millionen Euro zu Benfica Lissabon. Der FC Barcelona konzentrierte sich auf zwei Starverpflichtungen: Cesc Fabregas (34 Millionen Euro) und Alexis Sanchez (26 Millionen Euro) wurden gekauft. Geld in die Kassen spülten der endgültige Abgang von Zlatan Ibrahimovic und der Wechsel von Bojan Krkic zur Roma für zwölf Millionen Euro (auch wenn Barca ihn in diesem Sommer wegen einer Vertragsklausel für eine Millionen Euro mehr zukückkaufen musste).

2012 schließlich verpflichtete Barcelona nur zwei Spieler: Jordi Alba kam für 14 Millionen Euro aus Valencia und Alex Song für 19 Millionen Euro aus London. Es gelang die Titelverteidigung in der Meisterschaft, setzte in der Champions League jedoch auch eine deftige 0:7-Klatsche gegen Bayern München. Madrid konzentrierte sich unterdessen auf Star-Einkauf Luka Modric. Seine Kosten kamen durch die Abgänge von Bankdrückern wie Gago, Diarra, Sergio Canales, Hamit Altintop und Esteban Granero wieder herein. Abgesehen von der spanischen Supercopa gewann Real in Mourinhos letzter Saison nichts.

In diesem Sommer hat Barcelona bereits 57 Millionen Euro für Neymar gezahlt, dazu gesellen sich 13 Millionen Euro für Bojans Rückkehr (so war es mit der Roma vereinbart). Madrid hat Isco gekauft (30 Millionen Euro), Casemiro und Dani Carvajal kosteten jeweils sechs Millionen Euro. Pedro Leon geht für etwa denselben Betrag zum FC Getafe. Noch ein dicker Stareinkauf und Real wird die Milliarde an Transferausgaben seit 2003 überschreiten. Auch Barcelona zahlte seitdem astronomische Summen für neue Spieler. Kein Wunder also, dass der Rest der Primera Division gegen die beiden chancenlos ist.

Eure Meinung: Wie bewertet Ihr die Transferpolitik der beiden spanischen Eliteklubs?

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