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Der angebliche Transfer-Stop sorgt beim Hamburger SV für Unruhe. Erneut sind Informationen aus dem Aufsichtsrat an die Öffentlichkeit gelangt. Der Maulwurf macht Politik.

KOMMENTAR
Von Daniel Jovanov

Die Mitglieder des Hamburger SV sind aufgefordert zu handeln. Wenn sie im Januar 2014 bei der nächsten Mitgliederversammlung ihre Stimme abgeben, muss die Entscheidung eine Konsequenz gründlicher Überlegungen sein. Welche Gefahr von gezielter Stimmungsmache ausgeht, beweist der gestrige Artikel in der Bild-Zeitung. Weil das altbekannte Finanzproblem neu aufgerollt wird, verfällt das Umfeld in Panik. „Wir fahren voll gegen die Wand“, wird ein Mitglied des elfköpfigen Aufsichtsrats wörtlich zitiert. Von einem Transfer-Stop ist die Rede, der die Arbeit von Sportchef Oliver Kreuzer massiv beeinträchtigt und die Kaderplanung bremst.

Entscheidend sind die Indiskretionen aus dem Gremium. Es erschließt sich zunächst nicht, warum ein Misstrauensvotum gegen den Vorsitzenden Manfred Ertel ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt gestellt wird. Dass einen Tag später davon in den Medien zu lesen ist, sogar der Name des Antragsstellers wird genannt – man ist es in Hamburg gewohnt. Doch die jetzige Vorgehensweise deutet auf einen vereinspolitischen Plan hin.

Führungschaos? Diktatur?

Im Umfeld herrscht Einigkeit darüber, dass eine Strukturreform bei sportlichem Erfolg nur schwer durchzubringen ist. Zwar haben auch die Reformgegner die Notwendigkeit der Veränderung erkannt, für die absolute Machtergreifung im Verein sind jedoch andere Voraussetzungen zu schaffen. Stürzt der HSV nicht nur in ein sportliches, sondern auch in ein Führungschaos, steht der Wähler vor der Entscheidung zwischen Anarchie und Diktatur.



Es ist unschwer zu prognostizieren, dass die Entscheidung auf die Diktatur fällt. Hier weiß die Mitgliedschaft zumindest, was sie erwartet. Für diejenigen, die immer nur das Beste für den Verein wollen, ergibt sich die Möglichkeit nahezu uneingeschränkt Kontrolle auszuüben. Die Unantastbarkeit gewährleisten die Medien, die vom Maulwurf in besonderer Weise profitieren. Gerät der Verein nach einer erfolgreichen Strukturreform zudem in Abhängigkeit neuer oder sehr alter Investoren, ist auch der letzte Mosaikstein verlegt. Was zunächst nach einem fiktiven Horror-Szenario klingt, ist nach meinen bisherigen Recherchen bitterer Ernst.

"Lasst das Fußballspiel bitte Fußballspiel sein"

Schon bei der Entlassung von Frank Arnesen hat ein gewisser „Druck aus vereinsinteressierten Kreisen“ massiv Einfluss auf vereinspolitische Angelegenheiten genommen. Schrittweise werden nun alle Gegner aus dem Weg geräumt. Die Motivation des Maulwurfs und seiner Komplizen hat keinen finanziellen Hintergrund – es ist einzig die Eitelkeit und das Bedürfnis nach Anerkennung, das die handelnden Personen antreibt. Selten war die Gelegenheit größer als Retter des HSV in die Geschichte einzugehen.

Dieser Appell richtet sich daher an die Vernunft derer, die aus der Leidenschaft zum Sport ein hochkomplexes politisches Gebilde erschaffen. Lasst das Fußballspiel bitte Fußballspiel sein! Ist es nicht der gemeinsame Wunsch aller, eine HSV-Mannschaft wieder auf dem Rathausbalkon Trophäen in die Luft reißen zu sehen? Der Weg dorthin wird jedoch nicht durch die Beseitigung persönlicher Gegner innerhalb des Vereins geebnet. Vielmehr sollte der Fokus auf erfolgreichem Fußball liegen.

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